Borussia Mönchengladbach: Fabian Johnson bekommt eine Chance hinten rechts

Als Rechtsverteidiger gegen Mainz : Johnson ist bereit, den Lainer zu machen

Fabian Johnson spielte für die USA bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien als Rechtsverteidiger groß auf. Nun soll er auch für Borussia Mönchengladbach am Samstag gegen Mainz diese Position bespielen.

Bessere Referenzen kann es nicht geben, als Top-Leistungen bei einer Weltmeisterschaft. Fabian Johnson spielte 2014 für die USA beim Turnier in Braslien, und wie er da den Job des rechten Verteidigers interpretierte, war famos: Johnson, der in jenem Sommer von 1899 Hoffenheim zu Borussia wechselte, rannte die Linie rauf und runter, machte nach hinten dicht und nach vorn Dampf, er fand immer wieder den Weg zur gegnerischen Grundlinie und bereitete den amerikanischen Gegnern Kopfzerbrechen.

Doch diesen Fabian Johnson, diesen offensiven Rechtsverteidiger, den sah man bisher selten in Gladbach. Nur 15 seiner 138 Pflichtspiele absolvierte er auf dieser Position, und die Dynamik, die Wucht, die er vor fünf Jahren auf den Rasen brachte, die konnte er so nicht einbringen. Als er kam, sah ihn Lucien Favre mehr als offensiven Außenbahnspieler, weil Johnson, der Flexible, dort mal für die USA gegen Deutschland gespielt hatte. Johnson mag die offensiven Aufträge mehr, fraglos. Doch nun könnte er eben dort landen, wo er bei Borussia nie so recht angekommen ist: hinten rechts.

Denn Stefan Lainer, der etatmäßige Mann an der Stelle, ist gesperrt nach der fünften Gelben Karte, die er sich in Schalke abgeholt hat. Seit dem Bremen-Spiel am 10. November schwebte das Damokles-Schwert namens Sperre über ihm. „Es hat schon genervt, mit vier Gelben Karten rumlaufen und ständig aufpassen zu müssen“, sagte Lainer. Er geht davon aus, dass die Borussen auch ohne ihn „ein Feuerwerk zünden“ gegen Mainz 05 am Samstag (15.30 Uhr).

In der Hinrunde war Johnson zu Beginn im Team, gehörte in Mainz (3:1) und gegen RB Leipzig (1:3) zur Startelf, indes als einer der beiden Achter im da noch praktizierten Rauten-System von Trainer Marco Rose. Johnson tat sich schwer im Mittelfeld, konnte sein Talent als „Strukturspieler“ (Sportdirektor Max Eberl) nicht abrufen. Dann schmerzte der Rücken, schließlich zwangen ihn Adduktoren-Probleme zu einer fast zweimonatigen Pause. Solche Verletzungen und die damit verbundenen Fehlzeiten gehören zur Geschichte von Johnson und Borussia.

Nun aber ist er wieder fit und hofft es zu bleiben. Im Winter wurde spekuliert, er könne den Verein verlassen und zum Hamburger SV wechseln. Doch für Johnson war das kein Thema. „Ich wollte erst mal gesund werden und es jetzt auch bleiben. Was dann kommt, wird sich zeigen“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus und noch gab es keine Gespräche mit Borussia. „Ich fühle mich wohl hier, ich bin lange da, mal schauen, wie es beide Seiten sehen“, sagte Johnson. Ob er im System Rose eine echte Zukunftsperspektive hat, wird sich zeigen.

Aber: Johnsons Vielseitigkeit – in Gladbach spielte er schon acht Positionen – ist ein Argument, das für ihn spricht. „Seine Flexibilität zeichnet Fabi aus“, sagte Rose. In der Wintervorbereitung spielte Johnson ausschließlich hinten rechts, so war es auch jetzt im Testspiel gegen den MSV Duisburg (1:3). „Er hat es ordentlich gemacht, in der ersten Halbzeit sogar sehr ordentlich“, sagte Rose. Der 43-Jährige hat, auch wenn Nico Elvedi, der am Montag noch individuell trainierte, aber auf das Mainz-Spiel hofft, rechtzeitig wieder fit wird, Engpässe hinten. Neben Lainer fehlen die muskelverletzten Ramy Bensebaini und Tony Jantschke. Johnson, dessen Leistungen im Trainingslager wohl ein Grund waren, Talent Jordan Beyer an den Hamburger SV zu verleihen, dürfte die erste Wahl sein, gegen Mainz den Lainer zu machen.

Sicherlich, beide sind sehr unterschiedliche Spielertypen: Johnson ist der Elegantere, Lainer eher einer vom Typ Terrier. Doch wenn Johnson ist wie 2014 bei der WM, ein Energiebündel, das von hinten rechts seine Mannschaft antreibt mit unermüdlicher Laufarbeit, dann wäre dies genau das, was Rose für seinen Fußball haben will. Er fühlt sich bereit dafür: „Wenn mich das Team braucht, bin ich da“, sagte er.