Borussia Mönchengladbach: Ex-Physio Andreas Bluhm betreut Ibrahima Traoré beim Afrika-Cup

Traoré-Physio Andreas Bluhm beim Afrika-Cup : Ein wichtiger Moment der Besinnung

Andreas Bluhm ist während des Afrika-Cups persönlicher Physio von Ibrahima Traoré und schreibt über seine Erfahrungen. Diesmal berichtet er von einem besonderen, spirituellen Erlebnis.

Zuletzt hatte ich einen wirklich schönen Moment am Rande der stressigen Tage beim Afrika-Cup in Ägypten mit dem Team von Guinea. Als Christ habe ich hier in einem muslimischen Land eine intensive Erfahrung gemacht. Nach einem Training fühlte ich mich etwas leer und bin ins Grübeln gekommen. Ich habe mich auf meinen Behandlungskoffer gesetzt und den Blick umherschweifen lassen über die Häuser in der Nähe des Stadions, in dem wir trainieren. Auf einem Dach auf der anderen Straßenseite fiel mir ein Kreuz in die Augen, offenbar ist dort eine christliche Kirche. Das hatte ich bei all der Hektik, in der wir oft unterwegs sind, bis dahin nicht wahrgenommen.

Das Kreuz hob sich vom blauen Himmel dahinter ab, es war ein sehr schönes Bild. In Gedanken blieb ich bei Gott hängen und ließ die letzten Wochen kurz Revue passieren. Am Ende habe ich mir gesagt: Ja, ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Diese wenigen Minuten der Besinnung und der Ruhe haben sehr gut getan, danach habe ich mich wieder stark und frisch gefühlt. Manchmal braucht man einfach solche Momente, ich bin sehr dankbar, dass sich diese so ergeben.

In den Tagen nach der 0:1-Niederlage gegen Nigeria hatte ich viel zu tun, ich habe fast alle Stammspieler auf meiner Massagebank gehabt. Erstmals seit vielen Jahren taten mir abends die Handgelenke weh. Aber wir müssen alle alles dafür tun, am Sonntag im letzten Gruppenspiel gegen Burundi voll da zu sein. Wir müssen auf jeden Fall gewinnen, um ins Achtelfinale zu kommen. Wenn Madagaskar gegen Nigeria verliert und wir mit zwei Toren Differenz gewinnen, sind wir Zweiter. Aber auch als Tabellendritter würde es mit vier Punkten wohl reichen für die nächste Runde.

Apropos Burundi. Das Team ist auch in unserem Hotel untergebracht. Vor unserem Spiel gegen Nigeria hatte ich eine falsche Zeit für die Abfahrt im Kopf und dachte, ich sei knapp dran. Ich bin daher schnell in den Bus gesprungen, der vor dem Hotel schon wartete – und habe dann gemerkt, dass es der Bus von Burundi war. Die Jungs haben gelacht und mich gefragt, ob ich jetzt die Seiten gewechselt habe. Das habe ich natürlich nicht und habe etwas später im richtigen Bus gesessen.

Freitagmittag sind wir mit dem Bus nach Kairo gefahren, wo am Sonntag um 18 Uhr das Spiel gegen Burundi ist. Ibo Traroré ist nun als Teamkapitän und verlängerter Arm des Trainers sehr gefragt. Er selbst fühlt sich körperlich sehr gut und ist total motiviert. Er führt viele Gespräche, um alle auf das Spiel einzuschwören und ihnen klar zu machen, wie wichtig es für ganz Guinea ist, ins Achtelfinale einzuziehen. Es gab nach dem 0:1 gegen Nigeria viel Unruhe, auch weil das Team seine Möglichkeiten noch nicht so recht ausgeschöpft hat. Gegen Burundi soll sich das ändern. Ich bin auch optimistisch, dass das klappt und der Afrika-Cup für Guinea und mich nicht am Sonntagabend zu Ende ist.

Andreas Bluhm (45), Borussias Ex-Reha-Trainer, ist seit 2018 freier Physiotrainer. Für unsere Redaktion schreibt er über seinen Job als Personal-Physio von Borussias Flügelstürmer Ibrahima Traoré in Guineas Nationalteam.

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