Borussia Mönchengladbach: Erstmals seit 2011 ist die Bilanz negativ

„2018 war ein sehr wichtiges Jahr“ : Borussia wächst trotz roter Zahlen

Erstmals seit 2011 ist die Bilanz von Borussia Mönchengladbach negativ. Es gibt ein Minus von 3,6 Millionen Euro. Im Jahr 2018 wurde viel gebaut und es gibt noch weitere Pläne – aber auch Unmut wegen der Leipzig-Plakate.

Das hat Borussia lange nicht erlebt: rote Zahlen. Zuletzt gab es das 2011. Es war 18.36 Uhr am Montagabend, als Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers bei der Mitgliederversammlung des Bundesligisten auf der Bühne im Süden des Borussia-Parks an das Mikrofon trat und sagte: „Wir haben einen Jahresfehlbetrag von 3,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Diese Bilanz kann uns nicht freuen.“

Schippers wies darauf hin, dass der Neubau „Borussia 8 Grad“ in dieser Rechnung nicht enthalten ist, sondern erst in der Bilanz 2019 auftauchen wird. „Wir sind komplett im Plan geblieben“, sagte Schippers über die Baumaßnahmen, in deren Zuge auch das neue Nachwuchsinternat entstanden ist. Borussia ist enorm gewachsen. Und es gibt weitere Pläne. Im Herbst soll es eine Beteiligung am Bau eines Erinnerungsortes am früheren Bökelberg geben, zudem soll ein 30.000 Quadratmeter großes Grundstück am Parkplatz 4 für die Weiterentwicklung des Geländes gekauft werden.

„Als ich vor 15 Jahren hier stand und mitteilen konnte, dass wir die Lizenz ohne Auflagen bekommen haben, war das eine Topmeldung“, sagte Schippers. Heute sei es eine Randnotiz, ergänzte er und bekam Applaus. Den gab es vorher auch für Präsident Rolf Königs. Er fasste das Jahr 2018 jenseits des Sports zusammen: Das siebte Trainingslager am Tegernsee hat es gegeben, eine Saisoneröffnung mit 60.000 Gästen, die Eröffnung des Büros in Schanghai, dann die Eröffnung des Neubaus mit über 800 Gästen.

Was die Bilanz im nächsten Jahr wieder in schwarze Bereiche heben könnte, wäre eine Europa-Qualifikation. 2017 gehörten die Europa-League-Heimspiele gegen Florenz und Schalke zur Bilanz, zudem gab es da das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Frankfurt. 2018 „fehlten uns ein paar internationale und DFB-Pokalspiele“, sagte Schippers. „Darum wäre es schon, wenn wir uns wieder für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren.“

Europa und Transfers bleiben die Haupteinnahme-Quelle, um Geld zu generieren für die Mannschaft. In Zukunft könnten strategische Partner hinzukommen, um weitere Einnahmen zu generieren. „Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass das ein Weg ist, den wir im Auge haben. Aber im Moment ist das kein Thema“, sagte Schippers unserer Redaktion.

Dass die Gladbacher auch mit ihrem Engagement in China, wo sie seit dem vergangenen Jahr ein Büro haben, Geld verdienen wollen, stellte Präsident Königs klar. „Unsere Heimat wird immer Mönchengladbach bleiben, aber es darf nicht das Ende des Horizonts sein. Deshalb müssen wir auch international bekannter werden“, sagte er den 1700 anwesenden Mitgliedern. „China ist ein interessanter Markt, aber seien Sie sich sicher, dass wir das mit dem nötigen Fingerspitzengefühl angehen werden“, sagte Schippers. „Als Kaufmann kann ich nicht zufrieden sein, aber für die Entwicklung des Vereins war 2018 ein sehr wichtiges Jahr. Wir haben Schritte in neue Geschäftsfelder getan, haben mit einem Marken-Relaunch unseren öffentlichen Auftritt geschärft und viele wichtige Projekte umgesetzt“, resümierte Schippers. Dennoch: „Der Fußball ist uns bleibt das wichtigste für uns, ihm ordnet sich alles unter“, fügte er an.

Die aktuelle Situation der Borussen war natürlich ebenfalls ein Thema auf der zweieinhalbstündigen Versammlung. Insbesondere bei der Ausspache mit den Fans, die gut eine Stunde dauerte. Ein anderes Thema, das ausführlich zur Sprache kam, waren die Plakate beim Spiel gegen RB Leipzig, auf denen der Klub aus Sachsen und Trainer Ralf Rangnick attackiert worden waren. „Ich habe die Hoffnung, dass es am Samstag gegen Hoffenheim so etwas nicht geben wird“, sagte Schippers und verwies auf den Dialog mit der aktiven Fanszene. „Die Fankurve ist die Visitenkarte des Klubs. Ein Teil hat sich in dieser Saison nicht gut benommen, wir werden weiter daran arbeiten. Irgendwann reicht der Dialog nicht mehr, aber wir hoffen, dass es nicht so weit kommen muss“, sagte er.

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