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Borussia Mönchengladbach: Erstmals bei Adi Hütter Bankplatz für Lars Stindl

Borussias Kapitän : Eine ungewöhnliche Erfahrung für Stindl

Erstmals unter Trainer Adi Hütter stand Borussia Mönchengladbachs Kapitän Lars Stindl in Mainz nicht in der Startformation. Vor ihm mussten jedoch schon einige andere etablierte Teamkollegen auf der Bank Platz nehmen.

Als das 1:1 der Borussen beim FSV Mainz 05 amtlich war, stand Lars Stindl auf dem Platz und ging mit seinen Kollegen rüber zu den mitgereisten Fans. Ein wenig nachdenklich schaute der Kapitän dabei aus, unentschieden in gewisser Weise, passend zum Ergebnis. Ein Tag der Freude war es für den ältesten Feldspieler im Gladbacher Ensemble eher nicht, sondern einer, der ihm eine ungewöhnliche Erfahrung bescherte. Erst in der 79. Minute war er ins Spiel gekommen, erstmals in dieser Saison hatte Stindl nicht zur Startelf gehört, erstmals also bei Trainer Adi Hütter.

Der hatte zwar im Vergleich zum Bochum-Spiel wieder ein Dreierketten-System mit einer doppelten Zehn hinter der zentralen Spitze formiert, und doch war kein Platz für Stindl, der bis dahin in jeder Kon­stellation den Job im zentralen offensiven Mittelfeld bekommen hatte, nachdem er im Pokal in Kaiserslautern Stoßstürmer gewesen war: fünfmal als Single-Zehner, sechsmal als Duo mit Jonas Hofmann. Der Nationalspieler war nun auch in Mainz dabei, indes mit Alassane Plea an seiner Seite.

Dabei hatte der Ur-Borusse Berti Vogts Stindl vor dem Mainz-Spiel noch gelobt, gerade auch für eine unauffällige Präsenz. „Ich höre oft: Er hat doch gar nicht mitgespielt. Aber was er alles ordnet, wie er Druck auf den Gegner macht, das darf man nicht unterschätzen“, schrieb Vogts in seiner Kolumne für unsere Redaktion.

Dass Stindls fußballerisches Wirken wichtig ist für Borussias Spiel, steht außer Frage. Doch was Stindl in dieser Saison bislang fehlt, hat möglicherweise Hütter bewogen, Plea nach seinem Tor gegen Bochum erneut eine Chance von Beginn an zu geben: Dem 33-Jährigen geht in dieser Saison die bemerkenswerte Effektivität anderer Spielzeiten ab.

Vergangene Saison war Stindl, der insgesamt nur achtmal von der Bank kam, mit wettbewerbsübergreifend 17 Toren und 15 Vorlagen mit Abstand der produktivste Borusse. Jetzt hat er nach seinem Siegtor in der ersten Pokalrunde nur den Doppelpack beim 3:1 gegen Arminia Bielefeld am 12. September geschafft, dazu kommt ein Assist am ersten Spieltag gegen die Bayern. Selbst beim 5:0 gegen den Rekordmeister im Pokal war Stindl an keinem Treffer direkt beteiligt.

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Unter anderem die verschossenen Elfmeter in Leverkusen und in Wolfsburg führen dazu, dass ausgerechnet Stindl in der Expected-Goals-Bilanz nach elf Bundesligaspielen der Gladbacher mit dem größten Malus ist mit einem Wert von minus 1,68. Als es gegen die Bayern im Pokal Strafstoß gab, übernahm nicht Stindl, sondern Ramy Bensebaini die Verantwortung.

Dass Hütter bei seinen Nominierungen für die Spiele allein auf das Leistungsprinzip schaut und zuweilen auch Reizpunkte setzt, um Spieler, die ihre Form suchen, anzuspornen, haben schon einige etablierte Herren erfahren: Christoph Kramer war nach dem Spiel bei Union Berlin (1:2) draußen, Plea und Florian Neuhaus nach dem 0:1 in Augsburg. Plea und Neuhaus haben sich inzwischen mit Toren zurückgemeldet.

Ob der Bankplatz bei Stindl ein singuläres Ereignis war, um ihm eine Pause zu geben, oder ob es eine langwierige Geschichte wird mit der Stindl-losen Zehn, das lässt sich vielleicht nach dem Fürth-Spiel sagen, bei dem sich die Frage stellt, die sich bis Mainz nicht gestellt hat: Spielt der Kapitän oder nicht?

Stindl hat in der aktuellen Länderspielpause reichlich Zeit, sich im Training anzubieten, dies in der Kombination mit Plea, da Hofmann, der gesetzteste Zehner der Saison, nun beim Nationalteam weilt. Dass Stindl, dessen Vertrag bei Borussia noch zwei Jahre lang läuft, den Ehrgeiz hat, sich möglichst sofort wieder ins Team zu arbeiten, davon ist auszugehen. Und wenn es den Effekt hat wie bei Plea und Neuhaus, könnte es bald wieder ein Stindl-Tor geben.