Borussia Mönchengladbach: Erstes Saisontor - Raffael geht wieder steil

Erstes Saisontor für Borussia : Raffael geht wieder steil

Mönchengladbachs Trainer Dieter Hecking trifft derzeit viele richtige Entscheidungen. Beim 3:0 gegen Stuttgart wechselte er den Sieg ein mit Raffael und Florian Neuhaus. Beide trafen und für beide waren es besondere Tore.

Einen Mann, der den Unterschied ausmachen kann, 61 Minuten auf der Bank lassen zu können, ist echter Luxus für einen Fußballtrainer. Wenn er dann auf einen Schlag gleich zwei Herren dieser Sorte ins Spiel bringen kann, ist er reich gesegnet mit einem starken Kader. Wenn die Eingewechselten dann auch noch als Joker stechen und mit ihren Toren zum 1:0 und zum 2:0 einen 3:0-Sieg wie den von Borussia Mönchengladbach gegen den VfB Stuttgart auf den Weg bringen, haben nicht nur die Spieler, sondern auch der Trainer alles richtig gemacht: Dieser heißt in Gladbach Dieter Hecking, und er hat einmal mehr in dieser Saison ein glückliches Händchen bewiesen – wofür Raffaels Kopf und der rechte Fuß von Neuhaus verantwortlich waren.

Raffael überlegte am Montag nach dem Auslaufen kurz: Waren es nun drei oder vier Kopfballtore, die er in seiner Zeit in der Bundesliga erzielt hat? Mitnichten. Gegen den VfB schaffte er bereits den siebten Treffer per Kopf. „Wirklich? Wow!“, rief er und grinste das typische Raffael-Grinsen. Für Neuhaus war es ebenfalls ein besonderes Erlebnis. Denn nachdem er zuvor 20 Torschussversuche ohne Erfolg abgegeben hatte, bescherte ihm der 21-Jährige, den er mit viel Übersicht und Gefühl platzierte, das Glücksgefühl des ersten Bundesligatores. „Natürlich ist es ein besonderer Moment, aber wichtig ist vor allem, dass ich der Mannschaft helfen kann“, sagte der 21 mit der für ihn typischen Zurückhaltung.

Auch von Raffael war zu hören, dass er vor allem dem Team helfen will mit seinen Aktionen. Dass er erstmals seit dem 28. April getroffen hat, war indes auch gut für seine Torjägerseele. Schließlich war es sein erster Bundesligatreffer in dieser Saison. Zuvor hatten sich seine Kollegen vorher vergeblich um einen Treffer bemüht. „Es ist unser Trumpf, dass wir Spieler von der Bank bringen können, die ein Spiel entscheiden können. Ich wollte mit Neuhaus und Raffael nochmal andere Spielertypen bringen, und das hat sehr gut funktioniert“, sagte Hecking.

Raffael, der nun in allen elf Spielzeiten, die er in der Bundesliga spielt, mindestens ein Tor erzielt hat (ein Wert, der nur von Bayerns Franck Ribery übertroffen wird), belegte, dass er auch mit 33 Jahren ein Mann von Wichtigkeit ist in Gladbach. Dass er seinen im Sommer 2019 endenden Vertrag gern nochmal verlängern würde, hat er im Interview mit unserer Redaktion angedeutet, auch, wenn das bedeuten würde, dass er vor allem die Joker-Rolle spielt. „Das ist in Ordnung“, sagte Raffael, der gleichwohl gern von Beginn an gespielt hätte gegen den VfB.

Das gilt auch für Florian Neuhaus. Während Raffael im Herbst seiner Karriere ist, steht er am Anfang. Doch ist der elegante Mittelfeldspieler im 4-3-3 der Borussen einer, der schwer zu ersetzen ist. Neuhaus ist extrem geradlinig und klar in seinem Spiel, hinzu kommt eine große Eleganz, die er sowohl bei der Vorarbeit für Raffael 1:0 zeigte, als auch beim 2:0. Nach Thorgan Hazards Vorlage schoss er nicht gleich schoss, sondern legte sich den Ball fein zurecht, bevor er ihn im Tor unterbrachte. Mit seinem achten Assist und dem Bundesliga-Debüttor, für das er den Kollegen einen ausgeben wird, war Neuhaus der Mann des Spiels.

„Mich freut es, dass es diesmal Spieler von der Bank waren, die das Spiel für uns entschieden haben“, sagte Hecking und stellte damit klar, dass sich „jeder Spieler sich als Bestandteil der ersten 18 fühlen“ sollte. Gegen Stuttgart hatte er Lars Stindl auf die Acht zurückgezogen, dafür Alassane Plea in die Mitte gestellt und Ibrahima Traoré auf den rechten Flügel. Auf der Bank saß viel Erfahrung – Patrick Herrmann, Raffael und Fabian Johnson haben zusammen  fast 750 Bundesligaspiele absolviert und knapp 150 Tore erzielt (126 Assists). Dazu kam jugendlicher Elan (Neuhaus, Michael Cuisance und Jordan Beyer). Die Mischung für den Tag stimmte. Hecking traf viele richtige Entscheidungen. Wie sein Team.

„Wir haben die nötige Geduld aufgebracht und dann auch Qualität bewiesen. Stuttgart hat es gut gemacht, aber wir sind ruhig geblieben, haben an uns geglaubt und am Ende unsere Chancen eiskalt genutzt“, fasste Neuhaus zusammen. Dass er am Samstag in Hoffenheim (15.30 Uhr) wohl wieder mehr sein wird, als ein Joker, ist anzunehmen. Auch Raffael hat gezeigt, dass er „auf dem Weg zu seiner Topform ist und Aktente setzen kann, wenn er die hat“, sagte Hecking. Doch auch ein starker Raffael hat keine Spiel-Garantie im aktuellen Gladbacher Team. Hecking hat inzwischen viele Unterschiedsspieler im Team, da kann er ohne Probleme rotieren. „Wir haben einen super Kader, jeder, der von der Bank kommt, kann ein Spiel entscheiden“, sagte Raffael. Auch weil Hecking in diesem Luxus schwelgen kann, sind die Borussen derzeit Zweiter.

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