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Borussia Mönchengladbach: Erst beim Telekom-Cup lief es besser

In der Rückrunde : Die Unzufriedenheit nach der Vorbereitung kann Borussia helfen

Wegen der Testspiel-Niederlagen im Trainingslager war es eine durchwachsene Vorbereitung. Trotz der Verbesserung beim Telekom-Cup wissen die Borussen noch nicht so recht, mit welchem Gefühl sie in die Rückrunde gehen sollen. Das schärft die Sinne für eventuelle Gefahren.

Mit dem Gefühl ist es vor dem Rück­rundenstart immer so eine Sache. Im vergangenen Jahr war es in Gladbach richtig gut. Die Borussen hatten sich daheim im Borussia-Park vorbereitet mit dem Ziel, den Europa-Platz, den sie innehatten, zu verteidigen. Und die Art und Weise, wie das Team von Dieter Hecking beim 3:0 im Testspiel bei Mainz 05 auftrat, gab Anlass zu der Hoffnung, dass alles bestens vorbereitet war. Borussia spielte konzentriert und konsequent und zeigte, was es braucht, um erfolgreich zu sein. Was folgte, war eine ernüchternde Derby-Niederlage beim 1. FC Köln, ein unnötiges 1:2, das in der Rückbetrachtung die Grundstimmung der Rückrunde vorweg nahm: Borussia stand sich oft selbst im Weg.

Nun ist die Vorbereitung auf den zweiten Teil der Saison 2018/19 vorbei, und wieder wird sich in einem rheinischen Duell im fremden Stadion zeigen, wo die Borussen stehen und wie sie mental drauf sind. Es wird in der BayArena das Ergebnis sein, das ein Wegweiser ist, aber eben auch der Inhalt der Geschichte. Im Hinspiel gegen Bayer setzten die Gladbacher beim 2:0-Erfolg um, was in der Saisonvorbereitung erarbeitet worden war: Das neue 4-3-3-Sytem, aber auch die mutige und offensive Umsetzung desselben, waren angekommen in den Köpfen der Spieler. Auch Thorgan Hazards verschossener Elfmeter brachte die Gladbacher nicht ab, Jonas Hofmann schoss den zweiten Strafstoß ins Netz, später zauberten Raffael und Fabian Johnson das 2:0 heraus.

Mit dem Gefühl dieses Sieges schwebte Borussia vor allem durch die Heimspiele der Hinrunde, die allesamt gewonnen wurden. Dazu kamen immerhin neun Auswärtspunkte. In den letzten Wochen des Jahres fehlte es dann aber in der Fremde an der nötigen Effizienz. Das wäre ein Punkt, an dem die Borussen ansetzen könnten. Und zwar gleich am Samstag in Leverkusen.

Was wohl wichtig war in der Vorbereitung: die Niederlagen gegen Magdeburg (1:2) und Standard Lüttich (0:2). Die sollten allen Borussen ein Denkzettel sein für das, was kommt: Für die erhofften Europa-Reisen im nächsten Jahr braucht es 100 Prozent Konzentration und zwar immer und in jeder Sekunde. Jedes Prozent weniger kann großen Schaden anrichten. Das ist eine der wesentlichen Botschaften der Spanien-Tour.

Die fußballerische Qualität, die nötigen Punkte für Europa zu holen, ist da. Sie muss aber wieder konsequent herausgearbeitet und auf den Rasen gebracht werden. Es wird für die Borussen auch Kopfsache sein, das große Ziel zu erreichen. Für die Spieler sollte es eine Motivation sein, zu zeigen, dass sie da sein können, wenn es darauf ankommt, anders als in der Vorsaison. Die 33 Punkte der Hinrunde sind eine tolle Vorlage, es fehlt vergleichsweise nicht mehr viel, aber zu viel, als das es Garantien gibt. Die Stärke der Hinrunde war, dass alle immer voll fokussiert waren, der Von-Spiel-zu-Spiel-Ansatz hat dabei geholfen. Trainer Dieter Hecking hat darauf in Düsseldorf am Rande des Telekom-Cups nochmal verwiesen – nun gilt es, das aktiv umzusetzen. Für das Team, aber auch für den Trainer.

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Die vergangene Rückrunde hat gezeigt, wie es nicht sein darf, genau genommen müssen die Borussen nun mehr oder weniger das Gegenteil tun, und dann wird der Erfolg kommen. In der Sommervorbereitung hat Hecking alles richtig gemacht, wie sich im Rückblick zeigt. Ob er es auch jetzt tut, wird der Verlauf der Rückrunde zeigen. Klar ist: Auch der Trainer muss mit dem Elan und der Einstellung der Hinrunde in den zweiten Saisonteil gehen und damit, wie bislang in dieser Spielzeit, die Profis anstacheln zu guten Leistungen. Konsequenz und Stringenz sind entscheidende Faktoren auf Trainerseite, auf keinen Fall darf Hecking die Zügel schleifen lassen. Er hat viel aufgebaut in den vergangenen Monaten, nun kann er die Früchte ernten. Dazu aber muss alles stimmen. Hecking hat seine Spieler in Andalusien nach dem Spiel gegen Magdeburg gerüffelt, gegen Lüttich gab es wieder zu wenig zu sehen. Erst gegen Berlin beim Telekom-Cup war die Borussia zu besichtigen, die in der Hinrunde so überzeugt hat: die, die unbedingt wollte, die, die mit Tempo, Mut und Selbstvertrauen spielte, die, die erfolgreich war.

Auf den Punkt bereit sein für Leverkusen, das ist die erste große Herausforderung des neuen Jahres. Die Rückrunden-Vorbereitung war indes keine voller Euphorie, sondern eine mit dem Makel der Unzufriedenheit. Vielleicht ist es genau das, was den Borussen helfen wird. Selbstzufriedenheit und Arglosigkeit wären fatal, jeder sollte gemerkt haben in Andalusien, dass derlei Untugenden zu nichts führen außer Niederlagen. Trotz der Verbesserung beim Telekom-Cup wissen die Borussen noch nicht so recht, mit welchem Gefühl sie in die Rückrunde gehen sollen. Das schärft die Sinne für eventuelle Gefahren.