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Borussia Mönchengladbach erlebt 0:6-Heim-Debakel gegen den SC Freiburg

Historisches 0:6 : Borussia erlebt Heim-Debakel gegen Freiburg

Debakel statt Wiedergutmachung: Eine Woche nach der Derby-Pleite blamiert sich Borussia Mönchengladbach gegen den SC Freiburg bis auf die Knochen, kassiert sechs Gegentore in einer Halbzeit. Die Analyse zum Spiel.

Borussia Mönchengladbach wollte nach der 1:4-Niederlage beim 1. FC Köln Wiedergutmachung betreiben gegen den SC Freiburg. Alle vier Gegentore hatte Adi Hütters Mannschaft im Derby in der zweiten Halbzeit kassiert, nun kam es noch viel schlimmer: 0:6 lagen die Fohlen zur Pause zurück, 0:6 hieß es am Ende. Nach der ersten Heimpleite der Saison versinkt Borussia im Niemandsland der Tabelle, der Rückstand auf den letzten Europapokalplatz ist genauso groß wie der Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Wie sah die Aufstellung aus? An der 3-4-2-1-Grundordnung rüttelte Hütter nicht, brachte eine Woche nach der 1:4-Derbypleite gegen den 1. FC Köln Stefan Lainer für Patrick Herrmann und Marcus Thuram für Lars Stindl. So verteidigten Matthias Ginter, Nico Elvedi und Ramy Bensebaini vor Yann Sommer (zumindest sollten sie das tun). Denis Zakaria und Manu Koné bildeten die Doppelsechs, Lainer und Joe Scally starteten auf den Außenbahnen. Vorne sollten Jonas Hofmann, Alassane Plea und Thuram für die Tore sorgen.

Wie fielen die Tore? Schon nach vier Minuten sangen die Freiburg-Fans „Oh, wie ist das schön!“, weil ihre Mannschaft 2:0 führte. Nach nicht einmal 90 Sekunden agierten auf rechts Ginter, Hofmann und Lainer allesamt zu passiv. In der Mitte traf Maximilian Eggestein trotz deutlicher Unterzahl durch Bensebainis Beine. Kurz darauf leistete Lainer bei Christian Günters Flanke nahezu keinen Widerstand, Kevin Schade düpierte Scally im Luftduell. Der Abstand zum dritten Tor der Gäste betrug weniger als acht Minuten: Vincenzo Grifos Freistoßhereingabe flog direkt auf Sommer, nach dessen Fußabwehr staubte Philipp Lienhart problemlos ab, weil alle Borussen zuschauten.

Nach 19 Minuten und dem 0:4 verließen die ersten Fans das Stadion: Ecke Grifo, Nicolas Höfler entwischt Koné und Thuram und trifft per Kopf am ersten Pfosten. In der 25. Minute war es wieder ein Freistoß von Grifo, den Nico Schlotterbeck in die Mitte köpfte, wo Elvedis Rettungsversuch misslang, Lainer und Thuram orientierungslos agierten und schließlich Lucas Höler den Ball über die Linie drückte. In der 37. Minute sammelte Grifo seinen dritten Assist, erneut per Freistoß, diesmal von rechts. Schlotterbeck hieß der Torschütze.

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War das Ergebnis angemessen? Es wirkt wie ein Witz, aber Borussia hatte zur Halbzeit einen Torschuss mehr abgegeben als der SC Freiburg. Doch die Zweikampfführung am und im eigenen Strafraum war so desaströs, dass zumindest eine sehr hohe Führung der Gäste absolut verdient war. Ob nun ein 0:4, 1:4, 1:5 oder 0:5 am gerechtesten gewesen wäre – die Diskussion ist hinfällig. Bezeichnend war es allerdings, dass Borussia in der zweiten Hälfte trotz aller Bemühungen nicht ein einziges Tor gelang.

Welche Borussen fielen auf? Lainer war bei seinem Startelf-Comeback fast zu bemitleiden, der Österreicher kam in keinen Zweikampf und wurde nach einer halben Stunde von Hütter erlöst. Die Dreierkette überbot sich ebenfalls in Zaghaftigkeit, Koné schien nicht auf der Höhe zu sein, während Thuram seine Orientierungslosigkeit bei gegnerischen Standards vorne am eheste mit ein wenig Torgefahr kompensieren konnte.

Was fiel sonst noch auf? Nur gut 10.000 der erlaubten 15.000 Zuschauer waren im Stadion, obwohl der Verein Tickets ab 15 Euro verkauft hatte und die teuersten nur 29 kosteten. Primär lassen die Leute natürlich angesichts der Inzidenzen Vorsicht walten, doch nach dieser Pleite könnte es gegen Frankfurt in anderthalb Wochen noch leerer werden. 

Was sagt der Trainer? „Man kann sich nur für unseren Auftritt entschuldigen. Wenn man die ganze Trainingswoche gesehen hat und das Abschlusstraining, würde man nie darauf kommen, dass dann so eine Leistung rauskommt. Wenn du nach 20 Minuten 0:5 hinten liegst, ist es sehr unangenehm. Eine Erklärung dafür zu finden, fällt mir sehr schwer.“

Was sagen unsere Reporter zum Spiel? „Sowas hat man lange nicht gesehen“, sangen die Freiburg-Fans, „sowas“ hatte man im Borussia-Park noch nie gesehen. Erstmals in diesem Stadion kassierte Gladbach sechs Gegentore, erstmals in einem Heimspiel seit dem 2:8 gegen Bayer Leverkusen vor 23 Jahren. Während das 5:0 gegen den FC Bayern eine Gala-Vorstellung für die Geschichtsbücher bot, erlebte Borussia nur sechs Wochen später ein historisches Debakel. In Kombination mit der hohen Derby-Pleite beim 1. FC Köln ist es nun an der Zeit, den Fokus vor allem auf die Defizite dieses Kaders zu legen und ein paar grundlegende Fragen zu stellen, wohin Borussia am Ende des Jahres 2021 steuert. Die Gegner bis zur Winterpause heißen RB Leipzig, Eintracht Frankfurt und 1899 Hoffenheim.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Borussia - Freiburg: die Fohlen in der Einzelkritik