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Borussia Mönchengladbach: Entwickler Rose fordert Erfinder Favre heraus

Rose trifft auf Favre : Der Entwickler fordert den Erfinder heraus

Borussias Ex-Trainer Lucien Favre und der aktuelle Coach Marco Rose sind total anders aber auch total gleich.

Was wäre Borussia ohne Lucien Favre? Eine hypothetische Frage ist das natürlich, denn es gibt keine Borussia ohne Lucien Favre, ebenso wie es keine Borussia ohne Hennes Weisweiler gibt. Und weil die Fans Favre, den Schweizer, irgendwann „Hennes“ gerufen haben angelehnt an Weisweiler, und Weisweiler der Urheber von allem Schönen und Guten ist, das Borussia in sich trägt, wird durch den Vergleich schon deutlich, dass Favre Borussia viel gegeben hat in seiner viereinhalb Jahre währenden Schaffenszeit. Vor allem hat er dem Klub, der eine so große Vergangenheit hat, eine Gegenwart gegeben, die als Gegengewicht taugt nach vielen Jahren der Tristesse.

Als Favre, der am Samstag als Trainer von Borussia Dortmund zurückkehrt nach Gladbach (18.30 Uhr), im Februar 2011 kam, vegetierte Borussia in einer Zwischenwelt zwischen Bundesliga und zweiter Klasse vor sich hin. Es war dennoch ein Team, in dem viel veranlagt war, ein Team, das darauf wartete, initialisiert zu werden. Das hat Favre in Windeseile getan. Er hat Gladbach nicht gegen den Abstieg kämpfen, sondern spielen lassen. Er rettete den Klub in der Relegation und erfand Borussia zugleich neu. Nur so ist der rasante Aufstieg vom Fast-Absteiger zum Champions-League-Qualifikanten binnen eines Jahres zu erklären.

Favre lehrte die Borussen das spielerische Verteidigen und das Tiki-Taka detailliert bis in den letzten Winkel, allerdings auch alternativlos im 4-4-2. Er schuf „Borussia Barcelona“ und führte den Klub 2015 erstmals in die Champions League. Dann war sein Weg zu Ende. Favre ging, doch er hat etwas hinterlassen. Favres Gladbach war ein Phönix aus der Asche, Favre ist der Erfinder der neuzeitlichen Borussia. Marco Rose, sein Nach-Nachfolger, ist ein Entwickler.

Rose hat ein weit entwickeltes Projekt übernommen, das nach Favre noch um Facetten aus der Zeit mit André Schubert und Dieter Hecking erweitert wurde. Es ist der Punkt, an dem es besondere Maßnahmen braucht, den nächsten Schritt zu machen. Rose selbst ist diese besondere Maßnahme, er soll mit seiner Mentalität und seinen Ideen dem Team den Schliff für ganz große Coups geben. Favre übrigens hat nun denselben Auftrag in Dortmund bei der dortigen Borussia. Dort war Jürgen Klopp der Erfinder.

Man sagt Favre und Rose wie einst auch Weisweiler nach, dass sie Spieler und Mannschaften besser machen. Das ist ihr Auftrag auch bei den Borussias. Während Rose in Gladbach über jeden Zweifel erhaben ist, ist man sich beim BVB mit Favre nicht so sicher. Das hat auch mit dem Anspruchsdenken beider Klubs zu tun. In Gladbach versteht man sich als Herausforderer der Topklubs, in Dortmund sieht man sich bereit, dem Branchenprimus FC Bayern den Rang abzulaufen. Da bleibt wenig Luft für Rückschläge. „Warum die Trainer-Frage immer wieder gestellt wurde, kann ich nicht verstehen. Ich sehe die Dortmunder auf einem richtig guten Weg“, sagte Rose jedoch.

Er und Favre sind zwei Trainer unterschiedlicher Generationen. Rose, als Spieler ein robuster Defensivmann, der viel über den Willen machte, ist der innovative Wilde, der in coolen Klamotten an der Linie steht. Favre, einst ein eleganter Taktgeber im Mittelfeld, ist der Fußball-Professor, der seine Arbeit gewöhnlich im Jackett erledigt. Was sie aber beide sind: akribische Fußball-Nerds.

Die Borussen-Trainer sind total gleich und total anders zugleich. Beide haben im Nachwuchsbereich gearbeitet, beide sind zweimal Meister geworden, bevor sie in die Bundesliga kamen: Favre mit dem FC Zürich, Rose mit RB Salzburg. Und beide wissen, dass eine gute Defensive die Basis von allem ist, doch interpretieren sie dieses Wissen sehr unterschiedlich. Favres Ansatz ist aber vorsichtiger, wissenschaftlicher, Roses deutlich action- und risikoreicher, Favres Spielidee ist bewusst auch horizontal, die von Rose vor allem vertikal angelegt.

Doch eines ist allen Borussen gemein: Sie wollen guten Fußball spielen. Das ist auch der Charme der Borussen-Duelle, die sich immer auf höchstem Niveau abspielen. „Ich erwarte eine heiße Partie“, sagte Rose entsprechend. Den letzten Gladbacher Sieg gegen den BVB hat Lucien Favre 2015 eingefahren, indes mit fast Rosescher Taktik: ganz mutig und aggressiv. Bei seiner zweiten Rückkehr als BVB-Trainer will er verhindern, dass Rose ihm dieses historische Detail entwendet.

Herausforderer Rose schätzt nicht nur den Trainerkollegen, sondern auch dessen Team voller Hochbegabter. „Wenn wir gegen Dortmund erfolgreich sein wollen, müssen wir in allen Bereichen am Limit agieren. Das ist der Reiz und die Herausforderung, der wir uns gerne stellen“, sagte Rose. Rose ist einer, der gern Grenzen austestet um sie zu überschreiten. Siegeswillen ist ein Antrieb, unbedingter Siegeswillen.

Wenn in ein paar Jahren die Frage „Was wäre Borussia ohne Marco Rose?“ ähnlich beantwortet werden würde wie oben im Fall Favres, wäre Rose ganz sicher sehr zufrieden mit dem Job, den er in Gladbach gemacht hat.