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Borussia Mönchengladbach: Empörung über Schikane gegen Gladbach-Fans in Istanbul

Borussia-Fans in der Türkei drangsaliert : „Die Beschlagnahme ist ein grobes Foul und muss Konsequenzen haben“

Die türkische Polizei hat Anhänger von Borussia Mönchengladbach drangsaliert. Es spielten wohl auch christliche Symbole eine Rolle. Die Empörung im Verein und in der Politik ist groß.

Das Verhalten türkischer Polizisten rund um das Europa-League-Spiel von Borussia Mönchengladbach bei Basaksehir Istanbul hat große Empörung im Verein und in der Politik ausgelöst. Beim Einlass, berichten Fans unserer Redaktion, konfiszierten Polizisten Fahnen, auf denen das Wort „Ultra“ und das Wappen der Stadt Mönchengladbach zu sehen ist. Diese seien nicht zulässig, christliche Symbole seien zudem generell im Stadion nicht erwünscht. Das Stadtwappen zeigt in seiner aktuellen Form unter anderem einen Abtstab und ein Kreuz. Bis 1974 war in dem Wappen der Heilige St. Vitus zu sehen, auch dieses Symbol wurde auf Bannern beanstandet. Die Fans mussten mit den Fahnen das Stadion verlassen, die Polizei riegelte den Gäste-Block ab. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte mit Schlagstöcken, Maschinengewehren und im Hintergrund Wasserwerfern vor dem  Fatih-Terim-Stadion im europäischen Teil der Stadt. In Videoaufnahmen ist erkennbar: Polizisten, provozieren und schikanieren friedliche Zuschauer. Zwei Fans wurden kurzzeitig in Gewahrsam genommen. Weil die Fans besonnen blieben, eskalierte die Situation nicht noch mehr.

„Dass Fußballfans aus Mönchengladbach in Istanbul daran gehindert werden, eine Fahne mit unserem alten Stadtwappen, das den Heiligen Vitus als Schutzpatron unserer Stadt zeigt, mit ins Stadion zu nehmen, ist für mich nicht akzeptabel“, sagte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners. Bei Borussia zeigt man sich entsetzt über das Vorgehen. „Das hätten wir uns niemals vorstellen können, auch auf anderen Reisen nicht“, klagte Geschäftsführer Stephan Schippers über das Vorgehen der türkischen Polizei. Bei Meetings im Vorfeld waren entsprechenden Symbole offenbar nicht als problematisch eingestuft worden. Sportdirektor Max Eberl:  „Das macht mich extrem traurig, dass wir 2019 in Europa solche Zustände haben, dass die Polizei diktieren kann, welche Fahnen mit ins Stadion kommen. Diese Regel gibt es nicht. Ich verurteile es, wenn unsere Fans nicht ins Stadion dürfen, weil in unserem Stadtemblem christliche Symbole zu sehen sind.“

Gladbach will Beschwerde beim europäischen Fußballverband Uefa einreichen. „Das ist Polizeidiktatur“, sagte Eberl.

Rund 1400 Anhänger hatten Borussia nach Istanbul begleitet. In Istanbul gibt es eine Spezialeinheit bei der Polizei, die nur für Sportveranstaltungen zuständig ist. Der Verein Basaksehir wurde erst 2014 gegründet. Er gilt  als regierungsnaher Klub und wird von Präsident Recep Tayyip Erdogan unterstützt.

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Im politischen Berlin ist man über den Vorfall entsetzt. „Die Beschlagnahme ist ein grobes Foul und muss Konsequenzen haben. Die behördliche Willkür ist ein eklatanter Verstoß gegen Uefa-Prinzipien wie Völkerverständigung und Fair Play. Wer meint, einer islamistischen Agenda im Stadion huldigen zu müssen, kann keinen Platz in einem europäischen Fußballwettbewerb für sich beanspruchen“, sagte Sevim Dagdelen, stellvertretende Fraktionsvorsitzende „Die Linke“ im Bundestag.

„Das schikanöse Verhalten der türkischen Behörden ist inakzeptabel, und eine Entschuldigung ist angezeigt“, sagte Innen-Staatssekretär Günter Krings, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Mönchengladbach. „Die Uefa muss der türkischen Seite klar machen, dass die Mitgliedschaft in einem europäischen Sportverband voraussetzt, dass europäische Werte und Regeln respektiert werden.“