Borussia Mönchengladbach Empörung über Stindl ist falsch

Meinung | Mönchengladbach · Es gab nach Borussias 2:0-Erfolg beim FC Ingolstadt so einige Dinge, die infrage gestellt werden mussten. Viele Beobachter wird es überraschen: Die Tatsache, dass Lars Stindl ein fairer Sportsmann ist, gehörte nicht dazu. Auch wenn der DFB das Tor mittlerweile als irregulär bezeichnet.

Borussia Mönchengladbach: Das Hand-Tor von Lars Stindl
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Ball prallt von Stindls Hand ins Tor

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Foto: Screenshot Sky

Gladbachs Kapitän bei seinem zweifellos mit der Hand erzielten Führungstreffer böse Absicht zu unterstellen, ist eine Behauptung, die allein aus neurologischen Gründen jeder Grundlage entbehrt. Wie sollte Stindl so schnell reagieren? Oscar Wendts Eckball wird zunächst vom Scheitel des Ingolstädters Marvin Matip verlängert, dann springt er Stindl von der Brust an den erhobenen Arm. Der ist auch nicht unnatürlich erhoben, weil sich der 28-Jährige — mit verschlossenen Augen! — auf einen Kopfball einstellt.

Das Spiel lief noch, als sich der Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben" bei Twitter zu Wort meldete und die Entscheidung von Referee Christian Dingert bestätigte: "Anweisung des DFB: Prallt der Ball von anderem Körperteil an die Hand, liegt keine Absicht und damit keine Strafbarkeit vor." Diese gelte für Defensiv- wie für Offensivspieler. Auch Sky-Experte Peter Gagelmann ordnete das Tor per Liveschalte als regelkonform ein. Allerdings legte Lutz-Michael Fröhlich, der DFB-Schiedsrichterkommission Elite, am Montag nach: "Die aktive Bewegung des Arms zum Ball ist so deutlich, dass es Außenstehenden nur schwer zu vermitteln ist, dass es sich hier um einen korrekten Ablauf und somit ein reguläres Tor handelt." Er hätte das Tor nicht gegeben, auch Dingert habe es im Nachhinein so gesehen.

Absolut gestellt werden darf ohnehin die Frage, ob es im Sinne des Sports ist, wenn Tore mit der Hand erzielt werden können. Zumal es kein Treffer der Marke "Wäre auch so reingegangen" war. Für vermeintliche Ungerechtigkeiten im Regelwerk gibt es weitere Beispiele. Es gibt eben auch Rot und Freistoß bei einer Notbremse kurz vor der Strafraumgrenze, aber selbst dann Elfmeter bei einem Foul im Strafraum, wenn der Gefoulte irgendwo an der Grundlinie vom Tor wegläuft. Trainer Dieter Hecking sprach von einer "weichen Regel" und beschrieb damit das gleiche Dilemma wie sein Ingolstädter Kollege Maik Walpurgis, der sogleich entgegnete: "Wenn wir den Fußball noch mit weichen und harten Regeln bestücken, dann viel Spaß." Nachvollziehbar war, dass die Entscheidung auf Tor Borussias Gegner aufregte und viele Beobachter unbefriedigt zurückließ.

Ebenfalls fragwürdig war, wie das Thema in der Nachbetrachtung medial hochgekocht wurde. "Sky" veranstaltete ein regelrechtes Tribunal, das nur von der Übertragung des zweiten Sonntagsspiel unterbrochen und dann in der Talkrunde "Sky90" fortgesetzt wurde. Etwas weniger Aufgeregtheit und mehr sachliche Analyse hätten nicht geschadet. Um 17.02 Uhr twitterten "Collinas Erben" ihre Einschätzung zum 1:0 durch Stindl. Damit waren zumindest die Fakten geklärt, und um die sollte es am Ende immer noch gehen.

(jaso)