1. Sport
  2. Fußball
  3. Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach: Elfmeter-Problem hinten und vorne

Hinten wie vorne : Borussia hat ein Problem mit den Elfmetern

In der beiden vorangegangenen Spielzeiten kam Gladbach mit den Elfmetern gut klar. In dieser Saison entwickelt sich hingegen fast schon ein Trauma, wenn es um das Thema Strafstöße geht. Zuletzt gegen Union Berlin war einer mit spielentscheidend.

Es hätte gepasst, wenn Borussia in Hannover im Elfmeterschießen aus dem Pokal ausgeschieden wäre. Zyniker werden nun sagen: Das wäre immerhin mehr gewesen als das peinliche 0:3 nach 90 Minuten. Doch hätte das nicht nur die allgemeine Krise, sondern ein spezielles Problem verstärkt, das in Hannover ohnehin neue Nahrung bekam durch den Strafstoß, der 96 das 2:0 brachte: Borussia hat in dieser Spielzeit arge Sorgen mit den Elfmetern.

Es begann am zweiten Spieltag in Leverkusen mit diesem vermaledeiten Spiel bei Bayer, in dem so vieles vorweggenommen wurde, was diese Saison so schwierig macht: ein Übermaß an Gegentoren, Führungsspieler, die unglücklich agieren, Verletzungspech – und eben das Elfmeter-Thema.

Denn kurz vor der Pause beim Stand von 0:2 vergab Kapitän Lars Stindl vom Punkt. Ausgerechnet er, der in der Saison zuvor sieben seiner acht Elfmeter-Versuche im Tor untergebracht hatte. Statt des 1:2 gab es kurz nach der Pause das 0:3 und später noch das 0:4. Stindl hätte mit seinem Elfmeter der Geschichte einen anderen Drive geben können. Er verschoss auch in Wolfsburg, da beim Stand von 2:1 für Gladbach, der Ausgleich blieb Stindl erspart, statt seiner sorgte Joe Scally für das vorentscheidende 3:1.

Immerhin schaffte es Ramy Bensebaini gegen Frankfurt, den ersten Strafstoß zu verwandeln, gleichwohl ging das Spiel noch 2:3 verloren nach seinem 2:2-Ausgleich. Glück brachte ein Elfmeter Gladbach da also auch nicht.

Das war in den beiden Spielzeiten zuvor ganz anders: 2019/2020 besiegte Bensebaini die Bayern in letzter Minute vom Punkt, die Szene stand für die Willenskraft der Borussen, zudem handelte sich Borussia nur zwei Elfmeter gegen sich ein in der Liga; 2020/21 schossen die Gladbacher wettbewerbsübergreifend 13 ihrer 14 Elfmeter ins Tor.

In dieser Saison spielten wie im Hinspiel in Leverkusen die Elfmeter im Rückspiel gegen Bayer eine Rolle, nur umgekehrt. Hier waren es die Leverkusener Patrik Schick und Kerim Demirbay, die vom Punkt scheiterten, Gladbachs Torwart Yann Sommer wehrte beide Schüsse ab. Was Gladbach davon hatte? Nichts, das Spiel ging 1:2 verloren. Also einzig Frust-Potenzial für Sommer.

Ebenso für Marvin Friedrich und Jordan Beyer. Letzterer verursachte kurz nach seiner Einwechslung den Strafstoß, es war, da er nun verletzt ist, seine bisher auffälligste Aktion des Jahres. Und für Friedrich war es im Debüt-Spiel nicht das, was er sich erhofft hatte. Zumal er seine Geschichte im zweiten Spiel in Hannover fortsetzte, dieses Mal lenkte er den Ball mit der Hand ab. Gleiches tat Denis Zakaria zuletzt in Hannover, in beiden Fällen ging dem Elfmeter eine VAR-Entscheidung voraus.

  • Joker Breel Embolo trifft per Kopf
    Trotz Chancenwucher gegen Wolfsburg : Wie Borussia im Abstiegskampf von Tor-Vielfalt profitiert
  • Jünger als in der Vorsaison : Borussias Altersschnitt verändert sich wieder in die richtige Richtung
  • Bachirou Salou für Alemannia Aachen im
    BVB und Bayern raus : Wie die Kleinen den Titel im DFB-Pokal jagen

Zwei verschossene Elfmeter, dann vier verursachte in drei Spielen – vor allem das macht den Borussen Gedanken. Pech, aber auch Ungeschick, es kommt viel zusammen. „Auf der einen Seite ist es sehr unglücklich. Es trifft uns aber gerade richtig hart mit den Elfmetern, auch im Spiel gegen Union Berlin, dass wir dann gleich 0:1 hinten liegen, gerade in der Phase, in der wir stecken“, sagte Trainer Adi Hütter.

Gegen Bayer konnten seine Spieler keine Kraft aus Sommers Taten ziehen, in Hannover war das Elfmeter-Gegentor das 0:2 und eine Art Vorentscheidung, gegen Union steckte Borussia den Rückschlag immerhin weg, doch führte der Elfmeter dazu, dass Berlin mit „eineinhalb Torchancen zwei Tore erzielte“, wie Hütter fand.

Er wird die Zeit bis zum nächsten Spiel nutzen, mit den Seinen das Elfmeter-Problem anzugehen. Es hat mit Körperspannung, Stellungsspiel und Konzentration zu tun, aber auch damit, den Gegner fernzuhalten vom Strafraum und Flanken zu verhindern, um gar nicht erst in Verlegenheiten zu kommen.

Der Elfmeter ist die leichteste Art des Toreschießens, und die sollte Borussia ihren Gegnern künftig nicht mehr so oft gönnen. Vorn indes könnte etwas mehr Strafraumpräsenz helfen, dem Gegner wieder mehr Elfmeter-Sorgen zu bereiten. Wie so oft bei Borussia in dieser Saison ist das Problem ein vielschichtiges.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gegen diese Teams hat Borussia die schlechteste Bilanz