Borussia Mönchengladbach: Einsatzchancen für Laszlo Bénes und Co.

Borussia Mönchengladbach : Das Youngster-Ranking

Sportlich schwierige Zeiten waren bei Borussia in den vergangenen Jahren immer Zeiten, in denen Talente besonders eine Chance bekamen. Elf Spieler im Profikader könnten noch für die U21 ihres Landes spielen, ein Trio hat sich etabliert. Wie sieht es bei den anderen aus?

Tony Jantschke debütierte 2008 an einem tristen Novembertag bei einer Niederlage gegen Energie Cottbus. Patrick Herrmann lief 2010 an einem tristen Januartag bei einer Niederlage gegen den VfL Bochum erstmals für Borussia auf. Glücklicher endete Marc-André ter Stegens Premiere 2011 mit dem 5:1 gegen den 1. FC Köln, aber auch danach war Gladbach noch Letzter. Individuell schöne Tage spielten sich häufig in einem kriselnden Rahmen ab.

Selbst ein Riesentalent wie Mo Dahoud schaffte den Durchbruch erst zwei Jahre nachdem er 2013 beim Telekom Cup gegen den FC Bayern verblüfft hatte. Der heute 21-Jährige erlitt auch ein paar Verletzungen, kam letztendlich aber sowieso nicht an der funktionierenden Doppelsechs um Granit Xhaka und Christoph Kramer vorbei. Im September 2015 war wieder Krise angesagt. Es schlug auch Andreas Christensens große Zeit. Und etwas später gesellte sich Nico Elvedi hinzu, so dass Borussia im Dezember gegen die Bayern mit drei Teenagern im Defensivverbund begann.

Viel älter ist das Trio immer noch nicht, kommt aber inzwischen auf insgesamt 168 Profispiele für Borussia. Dahoud, Christensen und Elvedi sind für eine Hand voll junger Spieler momentan Vorbilder, haben die Latte aber auch recht hoch gelegt. Entweder wird ihr Name mit Ablösesummen um 20, 30 Millionen Euro in Verbindung gebracht oder sie sind A-Nationalspieler oder wie Christensen gleich beides.

Marvin Schulz befand sich vor anderthalb Jahren ebenfalls auf einem sehr guten Weg. Als Borussia unter Lucien Favre zu straucheln begann, bildete er gemeinsam mit Christensen die Innenverteidigung. Zuerst musste der Däne auf die Bank, kam zurück, Schulz spielte weniger und ist aufgrund einer langwierigen Adduktorenverletzung aktuell weit weg vom Geschehen. Der 22-Jährige — also der älteste Youngster — muss erst einmal wieder gesund werden.

Das gilt auch für Mamadou Doucouré, dessen Talent sich auf Dahoud- und Christensen-Niveau bewegen soll, in der europäischen Spitzenklassen. Nur konnte der 18-Jährige es bislang nicht unter Beweis stellen, weil ihn zunächst ein Muskelbündelriss für sechs Monate außer Gefecht setzte und er nun im Trainingslager in Marbella eine erneute Muskelverletzung erlitt. Wieder fit nach einem Daumenbruch ist Nachwuchstorwart Moritz Nicolas. Er dürfte näher heranrücken an den Kader, wenn Christofer Heimeroth im Sommer seine Karriere beendet, solange ist er die Nummer vier der Keeper.

Demnach bleiben noch diese fünf Talente, die unter Dieter Hecking trainieren, geordnet nach ihren momentanen Einsatzchancen:

  • 1. Laszlo Bénes

Der Slowake ist ein großer Gewinner der Vorbereitung, beim Telekom Cup war er einer der wenigen Lichtblicke. Die Leichtfüßigkeit des Linksfußes gefällt den Fans, und da Borussia in Dahoud und Kramer nur zwei gesunde etatmäßige Sechser hat, dürfte Bénes gegen Darmstadt im Kader stehen. Trainer Hecking sagt über den 19-Jährigen: "Es ist gut, wenn Laszlo sich so zeigt. Er ist viel unterwegs, fordert viele Bälle. Im Zweikampf muss er noch robuster werden. Aber er ist ein guter Junge." In den nächsten Wochen sollte Bénes seine ersten Pflichtspielminuten bekommen.

  1. 2. Djibril Sow

Sow war der Bénes des vergangenen Sommers. Besonders sein Auftritt beim Testspielsieg in Kassel blieb in Erinnerung. Die ersten vier Pflichtspielminuten bekam der Schweizer im DFB-Pokal gegen Stuttgart. Auch er schnuppert am Kader, hat es aufgrund der Konkurrenz auf seiner Position aber etwas schwieriger. Wie Bénes strahlt Sow eine gewisse Eleganz am Ball aus. Am ehesten ist der 19-Jährige eine Option, um Lars Stindl Pausen zu verschaffen. Auch die Raffael-Rolle kann er bekleiden. Ansonsten holt sich Sow, wie auch Bénes, viel Spielpraxis in der U23, die in der Regionalliga auf dem ersten Platz steht und schon früher ein gutes Sprungbrett war.

  1. 3. Ba-Muaka Simakala

Obwohl er 2016 einen Profivertrag unterschrieben hat, taucht Simakala, genannt "Chance", auf der Borussia-Homepage nicht in der Kaderliste auf. Bislang durfte er auch noch nie auf der Bank sitzen. Trotzdem hat er seinen Status unter Hecking verbessert. "Chance hatte ich gar nicht so sehr auf dem Schirm. Aber als Joker hat er es gut gemacht", sagte der Trainer nach den Testspielen in Marbella. Zwischen U19, U23 und Profis findet sich Simakala noch zurecht, so kam er selbst unter Arie van Lent in der Regionalliga noch gar nicht so viel zum Zug. Um in dieser Saison auf Pflichtspielminuten bei den Profis zu kommen, müsste der ehemalige Aachener schon von Verletzungspech im Angriff profitieren.

  1. 4. Tsiy William Ndenge

Der gebürtige Kölner hat schon seit Ende 2015 einen Profivertrag, konnte sich seitdem aber nicht nennenswert an den Profikader heranarbeiten. Im Testspiel gegen Würzburg machte er eine unglückliche Figur auf der rechten Seite, wurde aber von Hecking in Schutz genommen: "Er hat auf einer Position gespielt, auf der er auch nicht spielen soll." Einen Elfmeter holte er aber raus nach einem starken Antritt und ohne Angst vor Körperkontakt. Ndenge würde ein Drittliga-Aufstieg der U23 gut tun, oder womöglich eine Ausleihe als dann 20-Jähriger im Sommer.

  1. 5. Nils Rütten

Er saß in Glasgow und München auf der Bank, als Christensen verletzt war, hat schon 54 Mal für die U23 gespielt — und trotzdem ist Rütten der große Unbekannte unter den Youngstern. Dazu trägt auch seine unscheinbare Art bei, vom Stil her ist er kein Rampenlicht-Fußballer. Im Sommer wird Rütten 22, da stellt sich angesichts der Biografien eines Dahoud oder Elvedi die Frage, ob der Zug, bei Borussia den Durchbruch zu schaffen, nicht schon abgefahren ist. Heutzutage steht vor dem Alter 22 schnell ein "schon". Rüttens größte Perspektive dürfte momentan ein Aufstieg mit der U23 in die Dritte Liga sein.

  1. Diese U21 könnte Hecking aufbieten:

Nicolas - Elvedi, Christensen, Schulz, Doucouré - Rütten, Bénes - Sow, Dahoud, Ndenge - Simakala

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Laszlo Bénes

(jaso)
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