1. Sport
  2. Fußball
  3. Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach: Ein Verein im Ausnahmezustand wegen Corona

Corona-Krise : Borussia im Ausnahmezustand

Die Unsicherheit durch das Coronavirus wirft viele Fragen auf. Geisterspiele werden nötig sein, auch um für die Gladbacher den Schaden möglichst gering zu halten. Das Team trainiert mit einer Ausnahmegenehmigung.

Borussias Sportdirektor Max Eberl und Geschäftsführer Stephan Schippers waren am Montag in Frankfurt. Die Deutsche Fußball-Liga hatte zur außerordentlichen Sitzung geladen, es ging um die Zukunft des deutschen Profi-Fußballs im Angesicht der Corona-Krise.  Äußern wollten sich Eberl und Schippers nicht zur der Sitzung, anderen deren Ende als eine wesentliche Erkenntnis stand: Borussias Geisterspiel  gegen den 1. FC Köln wird möglicherweise stilbildend sein. Denn ohne die Spiele ohne Zuschauer werden viele Vereine in der aktuellen Lage nicht überlebensfähig sein.

Borussia gehört zu den gut aufgestellten Klubs im Lande, es ist Wirtschaftskraft vorhanden, der Kader hat einen Wert von 312 Millionen Euro, Spieler wie Denis Zakaria sind begehrt. Trotzdem trifft sie der Coronavirus „bis ins Mark“, wie Schippers schon vergangene Woche gesagt hat. Die Krise macht zum Beispiel die Suche nach einem Hauptsponsor komplizierter. Und sorgt für herbe Verluste: Vier Heimspiele stehen noch aus, finden alle ohne Zuschauer statt, wäre das, inklusive des Geisterspiels gegen Köln, ein Verlust von zehn Millionen Euro. Der größte Teil der Einnahmen indes sind die TV-Gelder, die rund 35 bis 40 Prozent ausmachen, pro Spiel kann man bei Borussia rund vier Millionen Euro einkalkulieren. Der Verzicht auf Geisterspiele würde rund 20 Millionen Euro „kosten“.

Was DFL-Boss Christian Seifert am Montag eine „maximale Unsicherheit“ nannte, wirft Fragen auf. Vor allem: Wann kann wieder gespielt werden? Es gibt schließlich den 30. Juni, da laufen die Verträge von Oscar Wendt, Raffael, Tobias Strobl, Fabian Johnson, Torwart Max Grün und Torben Müsel aus. Klar ist hingegen: Borussia wird sich, da bislang nur der 27. Spieltag ausgesetzt wurde, darauf vorbereiten, am 3. April bei Werder Bremen zu spielen. Die Stadt Mönchengladbach hat unter bestimmten Auflagen eine Ausnahmegenehmigung erteilt für das Training – das passt zur Zeit: Üben im Ausnahmezustand.

Die Spieler, Trainer und Betreuer wurden derweil nochmals umfangreich über das Corona-Virus und die notwendigen hygienischen Verhaltensmuster informiert. Auf vorsorgliche Corona-Tests der Profis wird indes verzichtet. „Das macht nach Einschätzung unserer Mediziner keinen Sinn. Momentan gibt es keinerlei Anzeichen für eine Infektion. Natürlich beobachten wir aber sehr genau, ob bei jemandem Symptome auftreten, die einen Test nötig machen“, sagte Eberl.

Fest steht, dass es in der kommenden Woche keine Länderspielreisen geben wird. Die für diese Abstellungsperiode geplanten Spiele sind abgesagt, weswegen Matthias Ginter (Deutschland), Zakaria (so er fit wäre), Yann Sommer, Nico Elvedi, Breel Embolo (alle Schweiz), Stefan Lainer (Österreich) nicht zu ihren Nationalteams reisen werden. Möglicherweise ist Florian Neuhaus, seit gestern 23 Jahre alt und zuletzt in bester Form war, um sein Debüt im A-Team gebracht worden. Laszlo Bénes wäre vielleicht ein Kandidat für das EM-Play-off der Slowakei gegen Irland gewesen. In der Normalität.

Doch in diesen Tagen ist Normalität eine Utopie, das gilt auch für Borussia. Illustriert wird das durch die Geschichte vom einsamen Famana Quizera. Der junge Portugiese ist der einzige verbliebene Jung-Borusse im Nachwuchs-Internat. Die anderen Talente sind heimgereist, weil es keine Spiele gibt, der Trainingsbetrieb eingestellt wurde und auch die Schulen geschlossen sind. Quizera übt aktuell mit den Profis, darum ist er noch da. Wie lange, darüber wird der Verlauf der Corona-Krise entscheiden. Das gilt auch für den Rest des Fußballs.

Max Eberl und Stephan Schippers wirken mit an den Verteidigungsstrategien der DFL gegen das Virus. Es geht, das haben Borussias Macher wohl als eine andere wesentliche Erkenntnis aus Frankfurt mitgebracht, nur darum, den Schaden möglichst gering zu halten.