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Borussia Mönchengladbach: Ehrgeiziger Hannes Wolf darf nicht verkrampfen

Borussias neuer Offensiver : Wolf ist noch nicht angekommen

Der neue Borusse muss seine Qualitäten mit der nötigen Geduld entfalten. Eine gute Nachricht hat Hannes Wolf aus Österreich erhalten.

Hannes Wolf wollte es unbedingt, das war spürbar. Er wollte im ersten Pflichtspiel für Borussia gleich sein Tor machen. Denn er ist ein Offensivmann und weiß als solcher, wie wichtig es ist, möglichst schnell zu treffen für den neuen Klub. In seinem ersten Testspiel gegen Verl hat er das gleich getan, und nun versuchte er es im Pokal gegen Oberneuland. Fünfmal visierte Wolf das Tor des Gegners an, am Ende fast schon trotzig, doch der Ball fand nicht den Weg ins Ziel. Es gab ein 8:0 ohne Wolf-Tor.

Wolf ist ein ehrgeiziger junger Mann, er hätte sich in Gladbach gern sogleich mit einem Treffer eingeführt. Wie sehr so etwas beflügeln kann, zeigte in der vergangenen Saison das Beispiel Marcus Thuram. Im Pokal erzielte er spektakulär das Siegtor in der ersten Runde beim SV Sandhausen, später startete er auch in der Bundesliga durch.

Ein schnelles Tor hätte von Wolf zudem ein wenig von dem Druck genommen, den er sich selbst macht: Er will beweisen, dass er die Bundesliga kann nach dem unglücklichen Jahr in Leipzig. Er brach sich das Bein, bevor er den Job bei RB antrat, und er kam danach nicht richtig an in Sachsen. Auch, weil er das Vertrauen nicht spürte wie zuvor in Salzburg, wo er der sportliche Ziehsohn war von Marco Rose.

Nun arbeitet er wieder mit Rose zusammen. Der kennt Wolf und weiß ihn einzuschätzen. Darum bremste Rose die Erwartungen auch erst mal, als der Mann kam, den er einst als 15 Jahre alten Teenager kennenlernte und fortan weiterentwickelte. „Er hat eine schwierige Zeit mit seiner Verletzung gehabt, das bedeutet, wir sollten ihm die Zeit geben, sich an alles zu gewöhnen“, deutete Rose längst an.

Dass er Recht behält, erwies sich in Wolfs ersten beiden Bundesligaspielen für Gladbach. Beim 0:3 in Dortmund gehörte er zur Startelf, konnte da aber kaum Akzente setzen. Einen Torschuss gab er während der 57 Minuten, die er mitwirkte, nicht ab. Gegen Union Berlin war es während seines 15 Minuten langen Kurzauftritts nach seiner Einwechslung immerhin einer, indes ein erfolgloser. In beiden Spielen wurde deutlich, dass Wolf noch nicht angekommen ist im Gladbacher Spiel.

Hinzu kommt, dass er jeweils über den rechten Flügel kam und somit aktuell einen Job hat, den er bis dahin selten gemacht hat in der Vergangenheit. In Salzburg kam Wolf in den meisten seiner 89 Pflichtspiele aus dem Zentrum, in der Regel als offensiver Mittelfeldspieler. Dass er auf dem Flügel zum Einsatz kam, war die Ausnahme. Auch in Leipzig stellte ihn Julian Nagelsmann in den fünf Spielen, die er hatte, vor allem zentral auf. Wolfs Stärke ist es, mit Speed auf die Abwehr zuzustürmen, der gerade Weg liegt ihm.

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Im Zentrum jedoch ist die Konkurrenz groß und etabliert mit Lars Stindl, Alassane Plea, Breel Embolo, wenn er wieder fit ist, oder Marcus Thuram, den Rose in der Kunst des Mittelstümers geschult hat. In Köln könnte ihm nun Patrick Herrmann den Flügelplatz streitig machen. Wichtig für Wolf ist, dass er nicht verkrampft und zu viel will, wenn er auf dem Platz steht. Rose glaubt an seine Qualität, das hat er gesagt.

Nun ist es an Wolf, sie mit der nötigen Geduld wieder zu entfalten. Ein Antrieb könnte eine Nachricht aus seiner Heimat sein: Nationaltrainer Franco Foda hat ihn auf Abruf für den Kader der österreichischen Nationalmannschaft nominiert.