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Borussia Mönchengladbach dreht Spiel bei Bayer 04 Leverkusen

Derby in Leverkusen : Gladbach dreht Spiel und holt ersten Auswärtssieg

3:2 nach 0:2 – mit einer beherzten Aufholjagd in Leverkusen hat Borussia in einem wilden Bundesliga-Spiel in Leverkusen ihre traurige Auswärtsserie beendet. Kapitän Lars Stindl war mit einem Doppelpack der Mann des Tages, Raffael, der vor einer Woche in Darmstadt noch eine Großchance ausgelassen hatte, sorgte mit dem 3:2-Siegtreffer für großen Jubel bei den Gladbachern.

3:2 nach 0:2 — mit einer beherzten Aufholjagd in Leverkusen hat Borussia in einem wilden Bundesliga-Spiel in Leverkusen ihre traurige Auswärtsserie beendet. Kapitän Lars Stindl war mit einem Doppelpack der Mann des Tages, Raffael, der vor einer Woche in Darmstadt noch eine Großchance ausgelassen hatte, sorgte mit dem 3:2-Siegtreffer für großen Jubel bei den Gladbachern.

Der erste Auswärtssieg der Saison ist zugleich der erste "Dreier" für den neuen Trainer Hecking und ein Befreiungsschlag.

Dieter Hecking setzte personell auf die größtmögliche Konstanz. In seinem zweiten Spiel als Borussias Cheftrainer bot er eben die elf Männer auf, die schon beim 0:0 in Darmstadt sein Vertrauen bekommen hatten. Auf der Bank indes hatte er mehr Erfahrung als eine Woche zuvor. Denn Fabian Johnson und auch der frühere Leverkusener Josip Drmic waren dieses Mal dabei, dafür gehörten Djibril Sow und Timothée Kolodziejczak, der während der Woche krank war, nicht zum Aufgebot.

Hecking hatte den Seinen aufgetragen, die sich durch das hohe Pressing der Leverkusener bietenden Räume effektiv zu nutzen. Und offenbar auch, den schnellen Weg zum Tor zu suchen, wenn möglich auch mal aus der Distanz. Raffael und Oscar Wendt beherzigten das, sie versuchten es jeweils aus rund 18 Metern, der Brasilianer scheiterte an Torwart Bernd Leno, der Schwede zielte zu hoch. In der 13. Minute kam Mo Dahoud acht Meter vor dem Tor zum Abschluss, auch hier war Leno schnell unten. Borussia war also mutig in der Startphase des Spiels, sie wollte offenbar selbst das Heft des Handelns in der Hand halten und nicht nur konternd reagieren. Vor allem aber galt es, die richtige Mischung aus Mut und Stabilität zu finden. Es gab dann auch einige gute Balleroberung gefolgt von guten Umschaltaktionen. Zudem versuchte Borussia, dem Gegner mit dessen eigenen Mitteln Probleme zu bereiten: Sie rannte die Leverkusener im Aufbauspiel früh und konkret an, das provozierte Fehler bei Bayer.

Auf dem Weg nach vorn suchten die Borussen immer wieder den Weg über die Flügel. Wie in der 24. Minute, als Lars Stindl durch war, aber den mitgelaufenen Thorgan Hazard zu spät bediente. Leno schnappte sich den Ball vor dem Belgier. Das war ein Manko: Der letzte Pass passte nicht, da fehlte die Präzision. Doch nach 30 Minuten hatten die Gladbacher einen klaren Punkt-Vorteil, Bayer kam kaum ins Spiel, hatte nur eine Kopfball-Chance durch Charles Aranguiz nach wenigen Minuten, mehr nicht. Das lag auch an Borussias Doppelsechs: Christoph Kramer und Mo Dahoud machten einen sehr aufgeräumten Job.

Bayer-Doppelschlag durch zwei Ecken

Plötzlich aber stand es 2:0 für Leverkusen. Bayer traf nach einer Ecke aus dem Nichts. Hakan Calhanoglu visierte den kurzen Pfosten an, Jonathan Tah lief ein, übersprang Jannik Vestergaard, der in der Szene nicht gut aussah, und bugsierte den Ball in der 31. Minute per Kopf ins Netz. Zwei Minuten später fast dasselbe Spiel: Ecke Calhanoglu, dieses Mal von der anderen Seite, Karim Bellarabi entwischte Tony Jantschke, verlängerte und der kleine Chicharito war vor dem Riesen Vestergaard am Ball und wieder landete dieser im Tor.

"Es ist ja oft so, dass ein Standard dem Spiel eine ganz neue Richtung geben oder es entscheiden kann, es ist der einfachste Weg zum Tor", hatte Borussias Co-Trainer Dirk Bremser im Vorfeld des Spiels im Gespräch mit unserer Redaktion gesagt und auch auf die gefährlichen Standards von Calhanoglu hingewiesen. "Man muss immer hellwach sein, gerade bei der Verteidigung von Standards", sagte Bremser. Die Botschaft, die er ganz sicher auch dem Team mit auf den Weg gegeben hat, war offenbar nicht angekommen. "Leverkusen hat es gut gemacht", gab er im Pausen-Interview nun zu.

Normalerweise heißt es: "Drei Ecken, ein Elfer." Leverkusen wandelte den Slogan ab in: "Zwei Ecken, zwei Tore." Präzise und effektiv war Bayer in beiden Szenen, in denen es doppelt so viele Kopfballtore schaffte, wie Gladbach in der bisherigen Saison — und schon war Borussias Herrlichkeit der vorangegangen 30 Minuten dahin.

Doch die Borussen wollten sich damit nicht zufrieden geben. Vor allem nicht Lars Stindl. Als Leverkusen in der 52. Minute den Ball nicht wegbekam, setzte der Kapitän seinen Körper geschickt gegen Tah ein, schüttelte den Verteidiger ab und knallte den Ball mit rechts ins lange Ecke zum 1:2. Es war Stindls erstes Bundesliga-Auswärtstor für Gladbach seit Ende August 2015, als er beim 1:2 in Bremen getroffen hatte. Seither hatte er nur im Pokal (auf Schalke) und in der Champions League (in Glasgow) in der Fremde getroffen.

Nun spornte ihn sein Einschuss richtig an. In der 58. Minute traf er erneut. Oscar Wendt flankte und Stindl stand sechs Meter vor dem Tor frei. Per Kopf erzielte er das 2:2. Wie von der Tarantel gestochen sauste er los, verfolgt von Wendt, dem Vorlagengeber. Der Ausgleich war, auf die gesamte Spielzeit gerechnet, hoch verdient, denn jenseits der zwei Minuten, die zum 2:0 für Bayer führten, war Gladbach das engagiertere Team. Dass Heckings Mannschaft allerdings nach den beiden Nackenschlägen und angesichts der bis zu diesem Tag so erschreckenden Auswärtsbilanz so zurückkommen würde, überraschte dann doch. Borussia schaffte erstmals seit dem Pokalspiel gegen Stuttgart Ende Oktober zwei Treffer in einem Spiel.

Stindl wie entfesselt

Borussias Fans jedenfalls hatten ihre Freude am Geschehen auf dem Rasen und versuchten, weitere Treffer herbei zu singen. Tah verhinderte nach 61 Minuten das nächste Tor, als er einen Schuss von Jonas Hofmann, den der nun wie entfesselt spielende Stindl bedient hatte, über das Tor lenkte. Als in der 61. Minute Dahoud, der eingewechselte André Hahn und Kramer mit Nachdruck den Ball erkämpften, Kramer dann Raffael schickte, der sich gegen Tah durchsetzte und zum 2:3 einschob, war das Spiel gedreht. Was für eine Geschichte. Das Team, das auswärts fast phobisch unterwegs war, liegt 0:2 hinten, steht dann aber wieder auf.

"Wir schwören Stein und Bein auf die Elf vom Niederrhein" intonierten nun die Gladbach-Freunde. "Und geht das Spiel auch mal verlor'n, macht uns das gar nicht aus, dann fahren wir zum Auswärtsspiel und machen einen drauf", sangen sie weiter. André Hahn hatte vorausgesagt, dass die Borussen etwas mitnehmen würden aus Leverkusen, nun ging es darum, sogar den vollen Ertrag einzusammeln, indem der Vorsprung verteidigt wurde. Borussia schaffte es und feierte den Erfolg in der BayArena genüsslich.

2012 gab es schon einmal einen 3:2-Sieg in der Fremde nach einem 0:2-Rückstand und einer vorangegangenen Auswärts-Durststrecke. Damals brachte der Erfolg in Hannover einen großen Schub für den Rest der Saison. Ob es auch dieses Mal so sein wird, bleibt abzuwarten. Aber dieser Erfolg, vor allem ob der Art und Weise, wie er zustande kam, kann richtungsweisend sein. Auf jeden Falls sollte er Auftrieb geben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bayer - Gladbach: die Bilder des Spiels