Borussia Mönchengladbach Was für Raffael wichtig ist, würde Dieter Hecking freuen

Mönchengladbach · Gerade in der Champions League wusste Raffael in dieser Saison bereits zu überzeugen. Doch nach seiner Verletzung im Spiel gegen Barcelona ist dem Brasilianer die Leichtigkeit abhanden gekommen. Ein Erfolgserlebnis könnte vieles ändern.

Dieter Hecking wünscht Raffael einen Brustlöser.

Dieter Hecking wünscht Raffael einen Brustlöser.

Foto: afp

Es ist ja nicht so, dass Raffael noch nicht geliefert hätte in dieser Saison. Ohne ihn hätte Borussia vielleicht nicht in der Champions League gespielt. Vier Tore schoss der Brasilianer in den beiden Play-offs gegen die Young Boys Bern, dazu kamen drei Vorlagen für Kollegen. Damit war er an sieben der neun Tore beteiligt, die Borussia auf der letzten Etappe in die Königsklasse produzierte. Mehr als 30 Millionen Euro brachte die zweite Teilnahme an der der Champions League jedenfalls ein - und Raffaels Tore waren mindestens der Türöffner.

Als er dann am dritten Spieltag gegen Bremen mit einem Doppelpack wesentlich zum 4:1-Sieg beitrug, schien er da anzuknüpfen, wo er in der alten Saison aufgehört hatte. Da definierte er sich als "der beste Raffael aller Zeiten". Den besten Raffael dieser Saison sah man in den ersten 45 Minuten gegen den FC Barcelona. Atemberaubend spielte er da - bis zu seiner Verletzung, die den gerade Genesenen zurückkatapultierte in der Reha. Vier Spiele fehlte er anschließend in der Liga, und nach dieser Pause kam der Bruch: Raffael hat die Selbstverständlichkeit bei der Verrichtung seiner Arbeit verloren gegangen.

Das konnte bislang auch der neue Trainer Dieter Hecking nicht ändern: In Darmstadt vergab Raffael eine Chance, die er sonst vermutlich traumwandlerisch sicher verwandelt hätte. Viele waren sich einig: Wäre Gladbach da - zehn Minuten nach dem Anpfiff - in Führung gegangen, wäre das ein ordentlicher Schub für das Selbstvertrauen gewesen. Für Raffael. Für das Team. Raffael traf nur dreimal in dieser Saison, zuletzt beim 1:4 in Dortmund, da hielt die Führung keine Minute, das taugte nicht als Mutmacher. Sein Sturmkollege Lars Stindl war zuletzt am 19. November erfolgreich, da machte er das 1:0 im Derby gegen Köln. Auch diesem Treffer folgte Frust, es gab ein 1:2. In Darmstadt schoss Stindl nicht aufs Tor und verlor viele Zweikämpfe.

In dieser Woche haben die beiden Herren, die in der Saison zuvor fast nach Belieben trafen, und die anderen Borussen geübt, was im Fußball wesentlich ist: das Runde ins Eckige zu befördern. Es geht um das Gefühl "Ja, wir können es!" Im Fall Raffael hat Hecking festgestellt, dass der Geist diesbezüglich willig, das Fleisch aber etwas zu schwach ist. "Ich sehe ihn in jedem Training. Er ist spielfreudig, zieht Bälle an sich und will entscheidende Dinge machen mit dem gewissen Risiko, das du als Offensivspieler gehen musst. Ein Erfolgserlebnis wäre für ihn wichtig, schon eine Torbeteiligung würde sehr guttun", sagte Hecking.

Wieder zu liefern wäre wichtig für den Zampano

Er wird Raffael morgen, wenn die Borussen bei Bayer Leverkusen antreten, die Gelegenheit geben, sich dieses Erfolgserlebnis zu verschaffen. Das gilt auch für Raffaels Sturmpartner Lars Stindl. Überhaupt ist die These vertretbar, dass Hecking nur wenig bis gar nichts ändern wird im Vergleich zum Darmstadt-Spiel. Taktisch legt er sich zunächst mal auf die Viererkette fest. Was das Personal angeht, ließ er gestern offiziell alles offen. "Ich habe alle Argumente, die gleiche Mannschaft aufzubieten, aber ich habe auch Argumente, etwas zu ändern, weil es für dieses Spiel besser passen könnte", sagte Hecking. Doch große Rotation ist allein angesichts der personellen Situation nicht zu erwarten.

Wie der Gegner spielt, ist für Hecking kein Geheimnis. "Eine sehr offensive Ausrichtung" hat Bayer, weiß er. Dass es so ist, überrascht ihn nicht: Roger Schmidt, der Bayer-Coach, war früher beim SC Verl Kapitän, als Hecking dort Trainer war. Zuvor in Paderborn haben beide Mitte der 1990er Jahre zusammengespielt. "Roger hat schon immer sehr offensiv gedacht", sagte Hecking. Für Schmidt ist es erneut ein Gladbach-Trainer, zu dem er eine besondere Verbindung hat. André Schubert, den Hecking abgelöst hat, war einst in Paderborn sein Vorgänger und Untermieter, nun trifft er einen Ex-Mitspieler und -Trainer. Schubert verlor in Leverkusen 0:5. Derartiges will Hecking nicht erleben. Lieber zum Beispiel Raffaels Tor-Debüt 2017. Wieder zu liefern, das wäre für den Zampano wichtig - und würde seinen Trainer freuen.

(kk)
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