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Borussia Mönchengladbach: Dieter Hecking weckt Führungsqualitäten der Bosse

Borussia Mönchengladbach : Hecking weckt Führungsqualitäten der Bosse

Borussias Mannschaft vertraut dem Trainer, das bringt positive Energie. Aus dem Teamgeist hat sich eine Mannschaft geformt.

Lars Stindl hat Hamburg mit einer Trophäe verlassen. Er wurde zum besten Spieler des Abends gewählt beim 2:1 im Pokal-Viertelfinale beim Hamburger SV. Zuletzt beim 4:2 in Florenz war Stindl ebenfalls der Mann des Spiels, und auch beim 2:0 in Ingolstadt war Borussias Kapitän wegen seines Hand-Tores der Hauptdarsteller. So richtig mag er die Rolle nicht, doch sein Trainer Dieter Hecking ist froh, dass der stille Anführer nun hervortritt als Boss der Borussen. "Lars ist momentan nicht nur auf dem Platz in hervorragender Verfassung, auch neben dem Platz führt er die Mannschaft. Man merkt, dass er Selbstvertrauen hat und weiß, was er zu tun hat", sagte Hecking.

Doch Stindl ist nicht der einzige mit Führungsqualitäten, der diese nun weit mehr einbringt als im ersten Teil der Saison. Yann Sommer hält wie verrückt in diesen Wochen und trägt damit ebenso zum Erfolg bei wie Stindl mit acht Toren in acht Spielen. Doch auch Christoph Kramer, Oscar Wendt und Tony Jantschke gehören zu den Stabilisatoren. "Wir haben einige, die gute Leistungen bringen und dem Team damit helfen", sagte Hecking.

Er wusste, als er den Job antrat, welches Rohmaterial er vorfinden würde. Borussias Kader hat viel Qualität, doch die lag brach. Auch die Spieler wussten, dass 16 Punkte aus den ersten 16 Spielen und die Auswärtsangst nicht dem Soll-Zustand entsprachen. Entsprechend wollten sie sich beweisen. "Ich habe von meinem ersten Tag an bei Borussia das Gefühl gehabt, dass sich die Mannschaft selbst in die Verantwortung nimmt", sagte Hecking.

Er hat viel gesprochen mit den Spielern. Sie vertrauen dem Trainer und wissen, dass er ihnen vertraut, er redet sein Team stark und nicht den Gegner - daraus entwickelt sich die positive Energie. Fußball ist für Hecking keine Wissenschaft. Darum arbeitet er mit klaren Worten und Ansagen. Das kommt an - wie unter anderem die Effekte der Halbzeitansprachen zeigen. 14:2 Tore haben die Borussen nach der Pause unter Hecking in zehn Spielen beisammen, in der Hinrunde brach das Team oft nach der Pause ein (2:12 Tore in den letzten zehn Spielen). In Hamburg sagte Co-Trainer Dirk Bremser im Halbzeit-Interview, was nun gefragt sei - die "Tribünen-Späher" Frank Geideck und Philipp Schützendorf hatten erkannt, dass der HSV in Pressingsituationen zuweilen sehr offen steht. Vor dem 1:0 nutzte Jantschke das aus - sein Pass aus der eigenen Hälfte war entscheidend.

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Die große taktische Offenheit, die Heckings Vorgänger André Schubert den Spielern gönnte, war anfangs das Erfolgsprinzip, wurde dann aber mehr und mehr ein Problem, weil eine Grundordnung fehlte, die Sicherheit gab, wenn es nicht lief - nun weiß wieder jeder, woran er ist und was er zu tun hat. So kann man Druckphasen wie in Hamburg überstehen, um dann im richtigen Moment zuzuschlagen. Aus dieser gesamtmannschaftlichen Sicherheit heraus haben sich auch schnell hierarchische Strukturen gebildet, in denen die Führungsspieler funktionieren. Hecking ist eine Art Supervisor - er führt die Anführer zu Führungsqualitäten.

Doch Hecking kann auch auf Funktionierendes zurückgreifen: Borussias Teamgeist. Natürlich gibt es Bosse, doch braucht es jeden, um aus einer Mannschaft ein Team zu machen. Darauf hat Jantschke in Hamburg ausdrücklich verwiesen: "Wir haben 25 ausgezeichnete Spieler." Auch Stindl stellte klar, dass er ohne die Zuarbeit der Kollegen kaum treffen würde. Hecking hat aus Borussia eine funktionstüchtige Einheit gemacht, die nicht immer glänzt, aber oft im richtigen Moment das Richtige tut. Das Ergebnis ist Erfolg. Hecking weiß: Das ist die einzige Wahrheit im Fußball. "Wir wollen die Welle weiter nutzen", sagte Jonas Hofmann. Hecking will dafür sorgen, dass Hofmann und die anderen Wort halten. Egal ob Führungsspieler oder nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Hecking-Tabelle

(kk)