Borussia Mönchengladbach: Dieter Hecking spricht über personelle Nachrüstung

Borussias Defensive ist angeschlagen : Das sagt Dieter Hecking über mögliche Winterneuzugänge

Durch die Verletzungen von Matthias Ginter und Mamadou Doucouré ist die Abwehrreihe Borussias überschaubar. Die Namen der Ex-Gladbacher Andreas Christensen und Reece Oxford fallen da immer wieder. Aber ist eine Rückkehr wahrscheinlich?

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel bei RB Leipzig am Sonntag (15.30 Uhr) sorgte Dieter Hecking für ein paar Lacher. Borussias Trainer wurde gefragt, wie sein Verein auf den Ausfall von Abwehrchef Matthias Ginter (Frakturen der Augenhöhle und des Kiefers) reagieren würde und ob der frühere Verteidiger und jetzige Sportdirektor Max Eberl, der derzeit nach einem routinemäßigen Eingriff im Krankenhaus ist, da Abhilfe schaffen könne. Hecking erwiderte trocken: „Also – Max hätte keine Rolle gespielt am Sonntag.“ Dann musste der Trainer selber lachen und ergänzte: „Also bei allem, dass ich ihm hier gute Besserung wünsche und ihn gerne an meiner Seite auf der Bank am Wochenende hätte, hätte er am Sonntag nicht gespielt. Ich glaube aber, das weiß er auch.“

Über diesen Witz hatte Hecking „die Frage vergessen“, wie er zugab, er beantwortete sie, nachdem sie aufgefrischt worden worden war. „Ich gehe davon aus, dass uns Matthias Ginter nach der Winterpause wieder zur Verfügung steht, deswegen gibt es keine zwingende Notwendigkeit, im Winter personell nachzulegen“, sagte Borussias Trainer. Für das Abwehrzentrum sind nach Ginters Ausfall derzeit Nico Elvedi und Tony Jantschke die logische Doppel-Besetzung, Hecking erinnerte aber auch noch einmal daran, dass Eigengewächs Jordan Beyer in den ersten drei Pflichtspielen dieser Saison durchaus respektable Leistungen gebracht hat. „Auf ihn setze ich große Stücke. Er hat zu Beginn der Saison bewiesen, dass er es kann, und ich traue ihm absolut zu, dass er auch jetzt wieder einspringen kann“, sagte der 54-Jährige. Zur Not sei zudem Tobias Strobl, der momentan auch durch den Ausfall von Christoph Kramer (Außenbandanriss im Sprunggelenk) als Sechser vor der Abwehr gesetzt ist, eine „defensive Allzweckwaffe“, und so ergebe sich, dass „wir aktuell nicht über einen Wintertransfer“ nachdenken, sagte Hecking.

Dennoch ist die Defensivreihe überschaubar, die Außenverteidiger Michael Lang und Oscar Wendt sind bislang eher alternativlose Besetzungen, im Zentrum sind inklusive Beyer nur noch drei gelernte Innenverteidiger an Bord. Auch wenn Ginters Ausfallzeit überschaubar sein dürfte, erscheint nun richtig bitter, dass sich Mamadou Doucouré erneut so schwer verletzt hat. Der junge Franzose war auf dem Weg, das zeigen zu können, was seit seiner Verpflichtung vor zweieinhalb Jahren ein uneingelöstes Versprechen ist. Der 20-Jährige gilt als Riesen-Talent im Abwehrbereich, hat in seiner Gladbacher Zeit aber nun bereits die vierte schwere Muskelverletzung im Oberschenkel erlitten und noch kein einziges Pflichtspiel für Borussias Bundesligateam bestreiten können. Bevor sich Doucouré Mitte November im Testspiel gegen Preußen Münster bei einer Grätsche den nächsten Muskelbündelriss zuzog, hatte er für das U23-Regionalligateam gespielt, dessen Trainer Arie van Lent aus dem Schwärmen über die Fähigkeiten des Youngsters gar nicht mehr herauskam. Die Verletzung vor rund zwei Wochen machte aber die Hoffnungen auf ein baldiges Profi-Pflichtspieldebüt zunichte. Ein fitter Doucouré hätte die gelernten Innenverteidiger-Alternativen für Ginter auf vier statt drei erhöht.

Nicht erst seit der Verletzung des Nationalspielers wird spekuliert, dass zwei ehemalige Gladbacher den Weg zurück zu Borussia finden könnten: Andreas Christensen und Reece Oxford. Der Däne ist mit seiner wenigen Einsatzzeit beim FC Chelsea in London unzufrieden, beim jungen Engländer ist es bei West Ham United, wo er in dieser Saison nur in der Premier League 2 mit der U21 ran durfte, ebenso. Eine Rückkehr Christensens, der mit Jannik Vestergaard ein Top-Innenverteidiger-Duo bildete und der während seiner zwei Jahre als Leihspieler 82 Pflichtspiele für Borussia absolvierte, lässt natürlich Fan-Herzen höher schlagen. Oxford machte in einem halben Jahr als Leihspieler für Gladbach acht Partien. Der Vertrag des 19-Jährigen, dessen Marktwert auf fünf Millionen Euro geschätzt wird, läuft noch bis Sommer 2021, Christensens Kontrakt ist noch ein Jahr länger dotiert – und er ist mit einem geschätzten Marktwert von 40 Millionen Euro deutlich teurer.

In beiden Fällen gilt: Wahrscheinlicher als ein Kauf wäre eine erneute Leihe, und bevor Borussia da tätig werden muss, müsste vermutlich noch mehr zusammenkommen als der Ausfall Ginters, der nach der Winterpause wieder fit sein dürfte, und die Verletzung Doucourés, mit dem Borussia aufgrund seiner Krankenakte ohnehin nur bedingt hatte planen können.

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