Borussia Mönchengladbach: Dieter Hecking hat gegen Schalke die Qual der Wahl

Borussias Trainer muss harte Entscheidungen treffen: Hecking hat die Qual der Wahl

Im Heimspiel am Samstag (18.30 Uhr) gegen Schalke 04 kann Borussias Trainer nahezu aus dem Vollen schöpfen. Die Nationalspieler sind unverletzt zurückgekehrt, selbst einen Einsatz des angeschlagenen Raffael schließt Hecking nicht aus.

Dieter Hecking hat in diesen Tagen ein Problem: Er muss einigen Spielern mitteilen, dass sie am Samstag (18.30 Uhr) im Heimspiel gegen Schalke 04 nicht im Kader stehen werden. Das ist nach der Vorsaison, als sich das von Verletzungen arg gebeutelte Team oft genug nahezu von alleine aufstellte, zwar ein Luxusproblem, macht die Sache aber nicht einfacher. „Ich war selber Spieler, und wenn der Trainer dann sagt: ,Du bist nicht dabei‘, fühlst du dich wie das fünfte Rad am Wagen“, sagt Borussias Trainer.

Zumal es vor allem ein strukturelles Problem der Bundesliga ist, weswegen er überhaupt in dieser Situation ist. „Ich bin generell kein Freund davon, dass wir nur einen 18er-Kader benennen dürfen. Das ist bei der Dichte im Gesamtkader einfach nicht mehr zeitgemäß. Es sollte möglich sein, einen 22er-Kader für die Spiele benennen zu dürfen, allein schon für das Zusammengehörigkeitsgefühl“, sagt Hecking. Er betont: „Ich kann den Spielern nicht aufgrund ihrer Leistung begründen, dass sie nicht dabei sind. Alle Spieler haben die Berechtigung, gegen Schalke dabei zu sein. Wenn ich Spieler draußen lassen muss, hat das spieltaktische Gründe, die von Gegner zu Gegner verschieden sind. Es geht nie um die Person, sondern immer um die Position. Es geht immer um die Aufstellung, und da entscheidet manchmal auch das Bauchgefühl.“

Ein Beispiel dafür ist die Position im defensiven Mittelfeld, die Christoph Kramer in dieser Saison noch nicht in einem Pflichtspiel ausfüllen durfte. „Es geht nicht um die Person Chris Kramer“, verdeutlicht Hecking. „Es geht darum: Was erwarte ich von der Position, was ist darauf wichtig gegen Schalke? Es war bislang nie eine Entscheidung gegen Chris Kramer, sondern eine Entscheidung für Tobi Strobl, der das hervorragend gemacht hat. Es ist schön, entscheiden zu können, ob ein Kramer oder ein Strobl spielt, ich habe bei beiden kein schlechtes Gefühl – und das verschafft mir ein gutes Gefühl.“

Raffaels Einsatz ist immer noch fraglich

Weniger auf Gefühl als auf die Einschätzung der medizinischen Abteilung basiert die Entscheidung, ob Raffael am Samstag mitwirken kann. Der Brasilianer hat nach seinen Wadenproblemen am Mittwoch eine Laufeinheit absolviert, „deswegen bin ich nicht bereit zu sagen, er spielt definitiv nicht“, sagt Hecking. Er ergänzt aber auch: „Solange es ein Restrisiko gibt, wird er nicht spielen.“ Zu früh kommt die Partie gegen Schalke auch für Mamadou Doucouré und Julio Villalba, Josip Drmic fällt mit Rückenbeschwerden ebenfalls aus.

Auch Kapitän Lars Stindl wird Samstag noch nicht wieder eingreifen können, auch wenn er inzwischen wieder im Mannschaftstraining ist nach seinem Syndesmosebandriss. „Es ist gut, dass er wieder da ist“, sagt Hecking. „Es war keine einfache Verletzung, und wir müssen sehen, dass wir die Belastung von Tag zu Tag steigern. Wie schnell es dann geht, kann ich nicht sagen. Ich glaube aber, dass es nicht mehr um Wochen geht, sondern um Tage. Die Verletzung ist auskuriert, das ist das Wichtigste.“

Im FC Schalke 04 kommt ein Gegner, der die ersten beiden Bundesligaspiele verloren hat. „Von außen wird viel Druck auf Schalke aufgebaut, aber fühlt Schalke auch den Druck intern?“, sagt Hecking und ergänzt über seinen Amtskollegen Domenico Tedesco: „Er wird die Schalker akribisch vorbereiten auf uns und versuchen, den kleinen Negativtrend zu revidieren. Uns muss klar sein, dass da ein Gegner kommt, der letzte Saison verdient Vizemeister geworden ist und sich souverän für die Champions League qualifiziert hat. Der Schalker Kader ist noch ein bisschen besser besetzt als unserer.“ Hecking weiß aber auch: „Wenn bei uns alles passt, wenn wir auch wieder diesen unbändigen Willen zeigen, den wir auch in Augsburg hatten, was im Übrigen keine Laufkundschaft ist und wo noch viele Mannschaften Punkte lassen werden, dann können wir Schalke ärgern. Unsere Aufgabe ist, Schalke vor Aufgaben zu stellen.“

Dabei soll das neue 4-3-3-System helfen, dass der Trainer bei Borussia installiert hat, auch wenn er abschwächt: „Ich will das nicht zu hoch hängen. Scheinbar haben wir jetzt einen größeren Variantenreichtum, aber in der letzten Saison ging das aufgrund der personellen Situation einfach nicht anders. Jetzt sind alle fit, und wir haben eine Menge sehr, sehr gute zentrale Mittelfeldspieler. Mit dem 4-3-3 habe ich nun die Chance, davon einen mehr auf den Platz zu bringen als einen weniger.“ Das eigentlich Thema aber sei ein anderes, sagt Hecking: „Dass die Konkurrenzsituation größer ist, für das Spiel und in jedem Training. Da haben wir jetzt eine hohe Qualität. Keiner kann sich auch nur ein bisschen hängen lassen, alle müssen Gas geben.“ Und wenn das alle tun, muss der Trainer wieder einigen sagen, dass sie nicht dabei sind, auch wenn sie es verdient hätten.

(ame)