Borussia Mönchengladbach: Dieter Hecking hat die Qual der Wahl

Wechselspiele bei der Fohlenelf: Herrmann macht bei Borussia Druck

Patrick Herrmann hat in München nach seiner Einwechslung für Florian Neuhaus getroffen, beide haben nun vier Scorerpunkte. Falls Lars Stindl gegen Mainz ins Mittelfeld geht, könnte Herrmann diesmal in der Startelf stehen.

In die Karten wollte sich Dieter Hecking nicht schauen lassen vor dem Heimspiel am Sonntag (18 Uhr) gegen den FSV Mainz 05. Gefragt nach der taktischen Ausrichtung Borussias verwies der Trainer darauf, dass er auch vor dem Spiel beim FC Bayern München dazu etwas gesagt habe und dass ihm das nachher als „Flunkerei“ ausgelegt worden sei. Hintergrund war, dass er noch keine großen Hoffnungen gemacht hatte, Lars Stindl könne in München sein Comeback geben, doch genau das tat der Kapitän dann und das mit einer Torvorbereitung und einem Treffer gleich fulminant.

Darauf hatte Hecking „ein wenig spekuliert“, sagte er nun. „Nach einer langen Pause ist es oft so, dass bei einem Spieler viel Euphorie da ist. Und ihm beim amtierenden Deutschen Meister sein Comeback zu geben, war der richtige Weg, die richtige Maßnahme.“

Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass Hecking dieselbe Startelf wählt, die den 3:0-Sieg bei den Bayern geschafft hat. „Am Spielsystem werden wir nicht großartig etwas verändern müssen, das passt ganz gut“, sagte der Trainer, schloss aber gleichwohl nicht aus, dass es personelle Wechsel geben könnte, die besser zum Gegner passen.

Das könnte eine erneute Chance für Patrick Herrmann bieten. Hecking erinnerte bei seinem Statement über Stindl daran, dass der Kapitän beim 6:0-Testspielsieg vergangene Woche Freitag beim Wiener SC „70 Minuten sehr ordentlich auf der Mittelfeldposition gespielt“ habe. Dass Stindl auch als Achter auflaufen kann, statt wie in München als Sturmspitze, ist klar, er fühlt sich auf beiden Positionen wohl, hat er bereits erklärt. Möglich ist also, dass Hecking gegen Mainz die nächste kleine personelle Variation seines inzwischen bewährten 4-3-3-Systems wählt und Stindl zurück auf die Acht zieht. Dann könnte Thorgan Hazard vom rechten auf den linken Flügel wechseln, den Alassane Plea verlassen würde, um wieder in die Sturmmitte zu gehen, auf der rechten Außenbahn wäre dann Platz für Herrmann. Das wäre ein sowohl spielerischer als auch schneller Ansatz gegen defensivstarke Mainzer: Stindl könnte aus dem Mittelfeld Pässe in die Räume spielen, die Hazard und Herrmann mit ihrer Geschwindigkeit erlaufen können.

Leidtragender dieser Mini-Rotation wäre wohl Florian Neuhaus, weil Jonas Hofmann als zweiter Achter in überragender Form ist. Zwar spielt auch Neuhaus eine sehr starke Saison mit bereits vier Torvorbereitungen, doch der 21-Jährige weiß auch, dass er sich in einem starken Konkurrenzkampf befindet. Auch daran erinnerte Hecking noch einmal: „Ich fand seine Aussagen vor der Saison bemerkenswert, als er sagte: ,Ich möchte spielen, möchte mich zeigen, aber ich weiß auch, dass der Kader auf meiner Position sehr gut bestückt ist. Aber ich will es dem Trainer schwer machen.’“

Genau das tut Neuhaus mit seinen Leistungen, Herrmann aber eben auch. In München kam das Eigengewächs in den letzten 16 Minuten für Neuhaus aufs Feld und traf noch zum Endstand. Zuvor hatte er in dieser Saison schon gegen Schalke getroffen und in Berlin ein Tor vorbereitet, bei seinem bislang einzigen Spiel über 90 Minuten, beim 2:2 in Wolfsburg, verbuchte er ebenfalls einen Assist. Addiert man Tore und Vorbereitungen, kommen also sowohl Herrmann als auch Neuhaus auf je vier Scorerpunkte – das macht die Wahl für Hecking, der auch davon sprach, dass es „sogenannte Härtefälle“ gebe, zwischen diesen beiden nicht einfacher.

Auf längere Sicht könnte es sogar noch schwieriger werden – wenn Raffael zurückkommt, der derzeit der einzige Spieler ist, der gegen Mainz fehlen wird (Trainingsrückstand nach Wadenproblemen). Dann könnte sogar Neuhaus und Herrmann gemeinsam die Bank drohen, wenn Stindl im Mittelfeld bleibt, Raffael in die Sturmmitte geht, Plea nach links und Hazard nach rechts. Dann hätte Borussia die volle Offensivkraft auf dem Rasen – und auf der Bank immer noch tolle Optionen, um die Kräfte bei den noch nicht wieder zu einhundert Prozent fitten Raffael und Stindl zu schonen. Nette Aussichten.

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