Borussia Mönchengladbach: Die Torschusspanik gefährdet Europa

Borussia zu ungefährlich : Die Torschusspanik gefährdet Europa

Im Schnitt treffen die Gladbacher in der Rückrunde nur einmal pro Spiel. Nicht nur gegen Leipzig war das zu wenig.

Es war der perfekte Angriff, total vertikal, Pass für Pass, und  im Abschluss total konsequent. Christoph Kramer beschleunigte in Höhe der Mittelinie den Ball und das Spiel, als er Florian Neuhaus schickte. Und dieser, im 3-5-2-System als Zehner unterwegs, platzierte den Ball haargenau in den Laufweg von Alassane Plea. Der rannte in den Strafraum und traf dann zum 1:2 gegen RB Leipzig. Es war eine der Szenen, in denen das Potenzial Borussias aufblitzte, eine der Szenen, in denen alles passte: das Tempo, das Timing, der Torschuss.

Indes: Von denen gab es gegen die Leipziger zu wenige. Mal fehlte das nötige Tempo, mal das Timing, dann haperte es beim Torschuss. Wie bei Patrick Herrmann, der den gechipten Ball von Christoph Kramer verpasste. Oder bei Jonas Hofmanns Versuch, als Willy Orban dem 2:2 im Weg stand. Und als beim Kopfball von Plea alles stimmte, da war da Peter Gulacsi, der den Ball abwehrte.

So blieb es beim 1:2 und Borussia sich treu: Ein Tor pro Spiel erzielt sie im Schnitt in der Rückrunde. Zweimal nur, gegen Augsburg und auf Schalke, gab es zwei Gladbacher Treffer im Jahr 2019, das letzte Mal passierte das Anfang Februar. Und zweimal blieben die Borussen ohne Treffer. Bei den restlichen Spielen stand vorn immer die eins. Die dazugehörigen Resultate (hier chronologisch geordnet): 1:1, 1:5, 1:0, 1:1, 1:3, 1:1, 1:0, nun 1:2. Immerhin zweimal reichte das eine Tor zum Sieg, insgesamt acht Tore brachten neun Punkte in diesen acht Spielen, es bedarf keines mathematischen Genies, um herauszufinden, dass ein paar mehr Tore ein paar mehr Punkte gebracht hätten.

Plea erzielte gegen RB sein zwölftes Saisontor, damit gehört er in seiner ersten Saison zu den erfolgreichsten Torschützen Borussias in dieser Dekade, nur Marco Reus (18 Tore in der Saison 2011/12) und Raffael (15 Tore Saison 13/14, 13 Tore 15/16) trafen öfter als der Franzose. Vier Spiele hat Plea noch, um seine Ausbeute zu steigern – und damit Borussia vielleicht zu helfen, sein Ziel in dieser Saison zu erreichen: das internationale Geschäft, möglichst die Champions League.

Mit dem aktuellen Schnitt wird es sicherlich ein Ritt auf der Rasierklinge, was Europa angeht. Vor allem in den Spielen gegen die gierig gewordenen Hoffenheimer, die 15-mal trafen in den vergangenen vier Spielen, und den BVB, das nach den Bayern torhungrigste Team.

 „In der Hinrunde haben wir oft mit dem ersten oder zweiten Torschuss das erste Tor gemacht. Der Lucky Punch fehlt uns derzeit, das ist der Unterschied zu anderen Vereinen, die einen Lauf haben“, befand Manager Max Eberl. Warum es nun anders ist, kann Christoph Kramer nicht beschreiben. „Es ist einfach nicht zu erklären“, sagt er. Doch ist die Misswirtschaft vor dem Tor ein Grund dafür, warum die Rückrunde weit weniger gut läuft als der erste Saisonteil, dabei bleibt es.

Es ist dringend nötig, es in den letzten vier Spielen wieder besser zu machen, wenn es etwas werden soll mit Europa. „Wenn du ganz vorn dabei sein willst, brauchst du mehr Effektivität“, weiß Trainer Dieter Hecking. Es ist auch sein Auftrag, in der Endphase seiner Amtszeit in Gladbach wieder dafür zu sorgen, indem er den Seinen die Torschusspanik nimmt.

Leipzig belegte derweil Heckings These. Borussia schaffte es gegen die Leipziger mehr als andere Teams, zu guten Abschlüssen zu kommen in ihrer Sturm- und Drangphase am Ende. Leipzig war nicht gnadenlos effektiv, aber eben entscheidend konsequenter. Aus vier Schüssen, die tatsächlich aufs Tor kamen, machten die Sachsen zwei Treffer, Borussia kam ebenfalls auf vier solcher Versuche, traf aber nur einmal. Wie üblich. So blieb Tony Jantschke die Erkenntnis: „Die Leipziger haben ein Tor mehr geschossen, das ist effektiver als wir es waren. So einfach ist das.“ Oder so schwer.

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