Borussia Mönchengladbach: Die beleidigenden Fan-Banner gegen Ralf Rangnick sind kein Protest gegen RB Leipzig

Plakat-Ärger bei Borussia : Beleidigungen sind kein Protest

Fans von Borussia Mönchengladbach haben Leipzig-Trainer Ralf Rangnick auf Plakaten beleidigt. Mit Protest hat das nichts zu tun.

Max Eberl fand deutliche Worte: „Meinungsfreiheit ist das eine. Aber so etwas gehört sich nicht. Wenn Menschen krank sind, darf das nicht Grund einer Verunglimpfung sein. Man kann zu RB stehen, wie man will. Aber die Personen haben damit nichts zu tun“, sagte der Sportdirektor über die beleidigenden Spruchbänder gegen RB-Trainer Ralf Rangnick, die als Protest gedacht waren. In diesem Statement steckte so viel Wahrheit.

Die Fans dürfen sich über das Geschäftsmodell Red Bull beklagen, auch öffentlich. Diese Proteste schweifen jedoch oft ins Persönliche ab, wie nun bei Rangnick, dessen Burnout-Erkrankung auf einem Plakat thematisiert worden ist. Das geht nicht. Beleidigungen sind kein Protest, sondern schlicht der Versuch, Menschen zu verletzen. Ähnlich wie Rangnick erging es auch häufiger schon Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp. Und am Ende dieser Aktionen bleibt fast nur Negatives hängen. Eine Diskussion über die fremdfinanzierten Klubs entsteht dadurch nicht. Dabei ist es doch genau das, was die Fans wollen.

Beleidigungen, Verunglimpfungen, Anti-Sprechchöre sind in der Bundesliga fast alltäglich geworden. Timo Werner wurde in Mönchengladbach, wie auch in anderen Stadien, wiederholt beschimpft. Torhüter werden bei Abstößen teils wüst bepöbelt, Lieder erklingen, in denen die gegnerischen Klubs verunglimpft werden („BVB Hurensöhne“), die DFL und Schiedsrichter („Ihr macht unseren Sport kaputt“) werden angefeindet. Häufig wird Stimmung gegen etwas oder jemanden gemacht und versucht, anderen Schaden zuzufügen, statt der eigenen Mannschaft zu helfen.

So war es auch in den ersten 19 Minuten am Samstag im Borussia-Park. Die Atmosphäre war sehr aggressiv. Erst stand Leipzig im Fadenkreuz, dann der Schiedsrichter. Außerdem pfiffen Anhänger als Zeichen des Protests mit Trillerpfeifen. Geholfen hat das den Borussen auf dem Platz sicherlich nicht. Den Leipzigern geschadet hat es aber auch nicht. Nach dem Protest stand es 1:0 für RB.

Es ist, und das sei klar gesagt, nicht die Schuld der Gladbacher Fans gewesen, dass ihr Team zu diesem Zeitpunkt bereits zurück lag. Offensichtlich war aber, dass Borussia mit der Unterstützung ihrer Fans eine starke Leistung in der letzten halben Stunde zeigte und beinahe den Ausgleich erzielt hätte. Die Frage ist, was in dieser Phase wichtiger ist: der Protest oder die Unterstützung?

In knapp zwei Wochen ist Hoffenheim, der zweite Erzfeind der Fans, im Borussia-Park zu Gast. An diesem Tag könnte eine Vorentscheidung fallen, ob Borussia die Champions League oder Europa League erreicht — oder vielleicht komplett leer ausgeht. Daran sollten auch die Zuschauer denken.

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