Borussia Mönchengladbach Die 16 und Borussias weiter Weg

Mönchengladbach · Das Team des neuen Trainers Dieter Hecking muss die Mangelbilanz der bisherigen Saison aufarbeiten. Es ist vieles vorstellbar für den weiteren Verlauf der Spielzeit.

 Thorgan Hazard erzielt in dieser Szene das 1:0 für die Borussen in Darmstadt. Später traf André Hahn zum 2:0-Endstand. Das war am 14. Mai, am letzten Spieltag der vergangenen Saison. Seither gab es keinen Auswärtssieg.

Thorgan Hazard erzielt in dieser Szene das 1:0 für die Borussen in Darmstadt. Später traf André Hahn zum 2:0-Endstand. Das war am 14. Mai, am letzten Spieltag der vergangenen Saison. Seither gab es keinen Auswärtssieg.

Foto: Imago

Borussia muss sich zu Beginn der Restsaison die Wesensfrage stellen: Was bin ich? Ein gestrauchelter Spitzenklub an der Schwelle des Abstiegskampfes, der dank seiner Qualität schnell zurückkehren wird in den Wohlfühlbereich der Tabelle? Ein Team, das mit dem Trainer, der da war, nicht mehr klarkam (oder: klarkommen wollte) und nun mit dem neuen Impuls an der Seitenlinie all die vermutete Qualität wieder abruft und, wie Christoph Kramer sagt, 102,5 Prozent auf den Rasen bringt? Oder ist Borussia schlichtweg mittendrin im Abstiegskampf?

Die Ansichten der Experten in dieser Sache sind nicht einheitlich. Raffael zum Beispiel, an guten Tagen die Seele des Borussen-Spiels (er war es in der Hinrunde zu selten, zudem war er lange verletzt), traut sich und den Kollegen zu, irgendwie doch noch Europa zu schaffen. "Wenn wir eine perfekte Rückrunde spielen, können wir es noch schaffen. Dazu muss natürlich alles passen", sagte der Brasilianer der "Sport Bild".

Mike Hanke, der frühere Borusse, der gerade mit der Weisweiler Elf das Traditions-Masters in Berlin gewonnen hat, ist davon überzeugt, dass der neue Trainer Dieter Hecking den Gladbachern mindestens die größten Sorgen ersparen wird. "Er wird die Mittel finden, um die Mannschaft zu packen und die Kehrtwende schaffen. Die Borussia wird nichts mit dem Abstieg zu tun haben", sagte Hanke, der Hecking und dessen Arbeit noch aus der gemeinsamen Zeit in Hannover kennt, "bundesliga.de".

Tony Jantschke mahnt indes, die Situation nicht zu unterschätzen. "Wir waren in der Hinrunde nicht besser als 16 Punkte", sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Und nannte die Ausgangssituation der Gladbacher im neuen Jahr sogar "dramatisch". Dieter Hecking selbst stellte vorsorglich klar, dass er ein Team im Abstiegskampf übernimmt. Und Manager Max Eberl gab zu, dass Borussia mit einem Rucksack in die Rest-Saison gehe, der erst mal abgebaut werden muss.

Tatsächlich kann man sich viel vorstellen für die Rückrunde. Sogar die skurrilsten Szenarien. Zum Beispiel als Absteiger die Europa League und/oder den DFB-Pokal zu gewinnen. Wäre das dann in der Summe eine gute Saison? Da der Schwerpunkt gewöhnlich auf der Liga liegt, eher nicht. Doch eben in der Liga hakt es, und mit den mickrigen 16 Punkten, die das Team bis dato erwirtschaftet hat, ist der Weg zurück in behagliche Gefilde oder gar Europa sehr weit.

Sollten die Gladbacher auch unter Dieter Hecking bei ihrem bisherigen Schnitt von einem Punkt pro Spiel bleiben, würde es sehr gefährlich (seit dem Auftritt beim Telekom Cup vergangenen Samstag in Düsseldorf halten es durchaus einige Menschen für möglich, dass es nicht nur ein Trainerproblem war, das die Borussen plagte). 34 Punkte kämen zusammen, vergangene Saison hätte diese Bilanz in die Relegation geführt, 2015 stieg Freiburg mit der Punktzahl als 17. sogar direkt ab. In den vergangenen fünf Jahren holte Borussia in der Rückrunde im Schnitt aber 27 Punkte. Addiert man diese zu den 16, ergibt das 43. Viermal in den letzten fünf Jahren reichte das soeben zur Einstelligkeit. Womit das grundsätzliche Saisonziel erreicht wäre. 44 Punkte kommen zusammen, wenn man den bisherigen Gesamtschnitt von Hecking nimmt (1,53) - das würde einen Platz oberhalb der 10 wahrscheinlicher machen.

Für Raffaels "perfekte Saison" wäre mindestens die Hecking-Bilanz aus Wolfsburg nötig. 1,75 Punkte holte der Trainer dort im Schnitt. Das wären, aufgerundet, 32 Punkte und in der Summe 48 - zumindest 2012 und 2015 reichte das für Europa. Möglich ist es also. Aber es gibt eben auch die dunkle Vision dieser Saison. Borussia muss daher zunächst die Gefahr minimieren - Schritt eins sollte heute in Darmstadt passieren. Erst dann kann sie sich, auch gedanklich, daran machen, die Saison zu optimieren.

(kk)
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