Borussia Mönchengladbach: Der verletzte Lars Stindl hat den Ball wieder

Fortschritte in der Reha : Stindl hat den Ball zurück

Lars Stindl darf nach seinem Syndesmoseriss seit Monaten nicht richtig trainieren. Jetzt integriert er immerhin wieder den Ball in seine Reha. Grund zur Freude, die der Borusse im Internet teilt.

Es ist eine Woche der besonderen Comebacks bei Borussia. Am Donnerstag machte Mamadou Doucouré beim Testspiel in Willingen gegen den VfL Bochum (2:1) sein erstes Spiel nach mehr als zwei Jahren, es war zugleich sein Debüt für Borussia. Lars Stindl ist da schon viel weiter, er hat 117 Pflichtspiele für Gladbach gemacht, ist Kapitän der Mannschaft. Derzeit ist er indes außer Dienst, weil er nach seinem Syndesmoseriss noch im Aufbautraining ist.

Doch nun postete Stindl ein Foto, das ihn bei seinem persönlichen Comeback zeigt: Er darf eine schöne Beziehung wieder ausleben, die Beziehung zum Ball, der meistens ein enger Freund des Herrn Stindl ist.

Auf dem Bild hüpft der Ball auf Stindls Brust, fast lehrbuchmäßig sieht es aus, wie der 30-Jährige die Kugel behandelt. „#habdichvermisst“ hat Stindl als Hashtag dazu geschrieben und damit einen Einblick in sein Seelenleben gewährt. Bislang ging es in der Reha ohne die Kugel ab, die ihm die Welt bedeutet. Ein Fußballspieler, der nichts mit dem Ball machen darf, ist nur ein halber Mensch. Nun hat Stindl den Ball wieder.

Gerade jetzt, da das Spiel gegen Schalke ansteht, wird vieles in Stindl hochkommen, denn beim 1:1 auf Schalke verletzte er sich am 28. April. Die Szene, die ihm vielleicht die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Russland kostetet, wird vor allem im Kopfkino auftauchen: Der lange Schritt im Schalker Strafraum, die Kollision mit Thilo Kehrer, dann sein Fuß, der im rechten Winkel umknickte, das Gefühl, dass da etwas kaputt ist, tags darauf die brutal Diagnose und schließlich die langen Monate in der Reha. Ohne Team, ohne Ball. Schuften für das Comeback ist, auch wenn man möglichst nah dran bleibt an der Mannschaft, eine einsame Angelegenheit.

Die Rückkehr des Balls in Stindls Berufsleben ist ein wichtiger Schritt. Vor allem für den Kopf. Wer ihn zuweilen auf dem Trainingsplatz gesehen hat, bei seinen Laufeinheiten während die anderen trainierten, der hat auch die heimlichen, sehnsüchtigen Blicke gesehen - hinüber zum Ball, hinüber zu denen, die im Alltag daran arbeiteten, bereit zu sein für die Saison.

Stindl kommt gut voran, das sagte er zuletzt noch im kurzen Gespräch. Und auch, dass er keine großen Interviews geben will, solange er noch nicht wieder der Alte ist, der Kapitän, der beim Team ist, der auf dem Rasen unermüdlich herumpinselt und mit seinem besonderen Gefühl für die Räume in der Tiefe zu manchem fußballerischen Kunstwerk beiträgt. Das „stindln“ ist ein Prinzip des Borussen-Spiels gewesen in den vergangenen Jahren.

Wo Stindls Platz sein wird im neuen Borussen-System, wird eine der spannenden Fragen sein, wenn er zurückkehrt. Dass er eine wichtige Rolle in Dieter Heckings Plan spielt, ist logisch. Doch weiß auch Stindl, dass der Trainer viele, viele Möglichkeiten hat an den Stellen, an denen er spielen kann, auf der Acht und auch im Zentrum des Angriffs. Stindl wird den Konkurrenzkampf annehmen, natürlich, und er wird seinen Platz im Team finden.

Das gehobene Personalangebot, dass nach dem Spiel gegen Bochum zunächst mal um Nico Elvedi und Ibo Traoré erweitert wird, wird auch für Stindl von Vorteil sein. In der vergangenen Saison, als es so viele Verletzte gab, musste er spielen, spielen, spielen. Auch, als er eine Pause gebraucht hätte. Das merkte man ihm an, er war nicht der Stindl der Vorsaison, so dominant, so traumwandlerisch sicher. Nun wird er auch mal Ruhepausen haben dürfen.

Doch zunächst mal ist das alles noch weit weg. Er freut sich, dass er den Ball wieder hat, dass damit der Alltag wieder ein bisschen normaler geworden ist. Der nächste Schritt wird sein, ins Teamtraining zurückzukehren. Natürlich wäre es eine wunderbare Geschichte gewesen, ausgerechnet gegen Schalke das Comeback zu feiern. Doch das Schicksal wollte es anders. Das Spiel kommt zu früh, dennoch ist Schalke in Stindls Rückkehr-Plan ein wichtiger Punkt. Vor oder nach dem Spiel, das hat Hecking angekündigt, soll Stindl wieder mit den Kollegen üben.

Und dann, wohl im Oktober, vielleicht Ende November, darf man auch über das Spiel-Comeback sprechen. „Alle Fohlenfans warten auf dich“, hat einer unter Stindls Foto geschrieben. Der Ball und nette Worte, beides ist auf den letzten Metern der Reha psychologisch sehr wertvoll für Stindl.