Borussia Mönchengladbach: Der Schweizer Michael Lang ist bei der Fohlenelf angekommen

Michael Lang hat mit Borussia hohe Ziele: „Wenn wir Meister werden, kommen die langen Haare weg“

Michael Lang ist erst seit vier Monaten Borusse, doch der Schweizer Rechtsverteidiger fühlt sich schon vollends angekommen in Gladbach – obwohl er sich gleich im ersten Training verletzte.

Nein, ein Rekordspieler der Schweizer Super League ist Michael Lang nicht – trotz seines Debüts für den FC St. Gallen im Alter von 16 Jahren und drei Monaten. Es gibt noch jüngere Debütanten in der höchsten Schweizer Spielklasse. „Viele Spieler können zumindest nicht vor mir liegen. Dass ich damals das Vertrauen unseres Trainer Rolf Fringer bekommen habe, hatte ich mir erarbeitet. Aber mental war ich eigentlich noch nicht so weit, denn im ersten Moment habe ich gedacht, ich hätte es geschafft, und habe vergessen, dass viel Arbeit dazugehört. Doch das war ein Lernprozess, den ich für meine Karriere mitnehmen konnte“, sagte Lang.

Dass Borussias Rechtsverteidiger die richtigen Lehren aus seinem Debüt gezogen hat, beweisen mehr als 400 Profispiele, auf die der 27-Jährige mittlerweile zurückblicken kann. Und seine Bewertung zum frühen Debüt sagt viel darüber aus, wie Lang seinem Job als Fußballprofi nachgeht: gewissenhaft, fokussiert, bodenständig – ohne dabei die nötige Lockerheit vermissen zu lassen.

So präsentierte sich der Schweizer auch beim Logentalk der Postbank und der Rheinischen Post, bei dem die Gladbach-Fans den Sommer-Zugang ein wenig näher kennenlernen konnten. „Ich fühle mich in Gladbach sehr wohl, es ist sehr angenehm hier. Natürlich bleibt die Schweiz meine Heimat, und ich fahre immer wieder gerne nach Hause. Doch ich muss mir jetzt nicht jeden Tag ein Schweiz-Video anschauen“, sagte Lang. Mittlerweile sei er richtig angekommen, nachdem der Sommer sehr intensiv gewesen sei und er im Grunde vier Monate ohne eigene Wohnung gelebt habe.

Zunächst war Lang mit der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland, bei der es die Schweiz im Achtelfinale gegen Schweden verpasste, mit dem Einzug in die Runde der letzten Acht etwas Historisches zu erreichen. Und dann verletzte sich der Verteidiger gleich an seinem ersten Trainingstag als Borusse und fiel mit einem Außenbandanriss im Knie erst einmal aus. „Das war für mich sehr schwer, da ich zuvor nie länger als zehn Tage verletzt war. Ich wollte mich zeigen und beweisen, da schmerzte die Pause sehr. Doch der Verein und die Mannschaft haben mir das Gefühl gegeben, dass ich nicht außen vor bin, das war super“, sagte Lang.

Mittlerweile ist er mittendrin, am 29. September gab er sein Debüt im Gladbach-Trikot beim 2:2 in Wolfsburg. Und eine Woche später durfte er gleich in seinem zweiten Spiel einen 3:0-Sieg beim FC Bayern bejubeln. „Das können wahrscheinlich auch nicht so viele Spieler von sich behaupten“, sagte Lang. Im Grunde sei es schade, dass er nicht mehr seiner 403 Spiele schon für Gladbach gemacht habe. Für ihn, der über St. Gallen und dem Grasshopper Club Zürich beim Schweizer Topklub FC Basel landete und mit diesem große Europapokalspiele mit Siegen gegen Manchester City, Manchester United oder Benfica Lissabon absolvierte, sei der Wechsel in die Bundesliga der nächste große Schritt – und die Borussia genau der richtige Verein in Deutschland.

„Ich habe Borussias Werdegang schon unter Lucien Favres Zeiten verfolgt. Die tolle Entwicklung des Klubs ist bei uns schon wahrgenommen worden“, sagte Lang. Und in der Bundesliga seien die Spiele viel intensiver. „Mit Basel haben in manchen Spielen auch mal nur 80 Prozent gereicht. In der Bundesliga kannst du dich aber nie zurücklehnen, hier bist du immer gefordert. Und das macht mir Spaß“, sagte Lang, der gerne auch mit Borussia international spielen würde. „Natürlich ist das ein Ziel. Aber es bringt jetzt nichts, wenn wir zu träumen anfangen. Es ist eine Floskel, aber sie ist wahr: Wir konzentrieren uns nur auf das nächste Spiel, anders geht es nicht“, sagte Lang.

Zu einem professionellen Lebenswandel gehört für ihn auch eine gesunde Ernährung: „Das ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens außerhalb des Fußballplatzes. Aber ich will niemanden belehren, jeder geht anders mit diesem Thema um.“ Ein besonderes Markenzeichen sind seine langen Haare, die Lang bereits seit seinem 16. Lebensjahr so trägt. „Ich denke, die langen Haare kommen erst weg, wenn meine Karriere beendet ist – oder wenn wir Deutscher Meister werden“, sagte Lang mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Er sei auch stark genug, um den einen oder anderen Spruch in der Kabine über seine Frisur auszuhalten, fügte er hinzu.

Etwas anders sieht es bei seinem möglichen Spitznamen aus. „Die Abkürzung Michi mag ich eigentlich nicht so gerne. Dann lieber Mike oder das amerikanische Michael.“ Den „Michi“, den gab es vielleicht einmal im Mai 2007 beim Debüt in der Schweiter Super League. Doch das ist für Lang schon weit weg.

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