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Borussia Mönchengladbach: Der 1. Mai 1984 war der Tag des Hans-Jörg Criens

Drama im DFB-Pokal-Halbfinale : Der 1. Mai 1984 war der Tag des Borussia-Jokers

Vor 37 Jahren gab es zwei verrückte Pokal-Halbfinals. Im ersten spielte der Borusse mit der Nummer 14 die Hauptrolle: Hans-Jörg Criens.

Das DFB-Pokal-Halbfinale von 1984 hat sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Man darf somit behaupten, dass es quasi eine Marke geworden ist. Was vor 37 Jahren am 1. und 2. Mai geschah, nannte die „Welt“ 2009 das „tollste Pokal-Halbfinale aller Zeiten“. Nun kann man diesen Superlativ nicht für alle Zukunft in Anspruch nehmen, doch für die Vergangenheit bis heute durchaus.

26 Tore gab es in den beiden 120-Minuten-Krimis zwischen Gladbach und Bremen (5:4) sowie Schalke, damals übrigens Zweitligist, und Bayern (6:6) plus dem Wiederholungsspiel zwischen den Gelsenkirchenern und Münchenern, die sich da mit 3:2 durchsetzten.

Das Spiel auf dem Gladbacher Bökelberg war am 1. Mai der Tag des Jokers. Hans-Jörg Criens schrieb mit seinen beiden Toren in der Nachspielzeit und in der Verlängerung Geschichte, sein artistisch-verrücktes 5:4 und der folgende Jubellauf haben eine Generation von Gladbach-Fans geprägt.

Dass es so kam, verdankte Criens der Bremer Hartnäckigkeit. 1:3 lag Werder nach Uwe Rahns Kopfball nach 76 Minuten zurück, drehte aber binnen fünf Minuten das Spiel in ein 4:3 (82.). Dann wechselte Trainer Jupp Heynckes Criens zusammen mit Borowka ein.

In der fünften Minute der Nachspielzeit flog Criens durch den Strafraum und wuchtete die nochmal verlängerte Ecke von Hans-Günter Bruns zum 4:4 ins Tor. Und in der 107. Minute nahm er den langen Ball Borowkas künstlerisch wertvoll an und schoss das Spielgerät an Dieter Burdenski vorbei zum 5:4-Sieg ins Tor.

Es war das erste live übertragende DFB-Pokal-Halbfinale und war dem absolut würdig. Reporter Heribert Fassbender brachte den Begriff „Joker“ im Zusammenhang mit Criens ein. Criens trug an jenem Abend die Nummer 14. Nie mehr war diese Rückennummer so bedeutungsschwer in Gladbach.

Getoppt wird das Criens’sche Jokertor nur durch Günter Netzers Final-Treffer 1973, als er nach seiner Selbsteinwechslung zum 2:1 und damit zum Pokalsieg traf. Dieser Triumph blieb Criens, der am 26. Dezember 2019 mit nur 59 Jahren starb, verwehrt. Denn das Endspiel 1984 ging im Elfmeterschießen gegen die Bayern verloren.

Beide Tore, das von Netzer und das von Criens, wurden in der ARD-Sportschau zum Tor des Monats gewählt. Für Netzer war es das Abschiedstor in Gladbach, für Criens der Startschuss, aus dem Joker wurde einer der ewigen Topstürmer des Klubs. 116-mal traf er insgesamt als Borusse, ebenso oft wie Allan Simonsen. Nur Jupp Heynckes (291), Herbert Laumen (134) und Netzer (129) waren öfter erfolgreich.