Borussia Mönchengladbach: Denis Zakaria und Florian Neuhaus im Duell

Offensive Mittelfeldspieler : Die Doppel-Acht macht bei Borussia den Unterschied

Im neuen Borussen-System spielen die beiden offensiven Mittelfeldspieler eine wesentliche Rolle. Jonas Hofmann und Florian Neuhaus waren in der Hinrunde die erste Besetzung. Nun hat sich aber Denis Zakaria nochmal neu positioniert.

Es war in der traurigen Saison 1998/1999, an deren Ende Borussia zum ersten Mal in die Zweite Liga abstieg. Am 30. Oktober 1998 kam Bayer Leverkusen, bei dem für die Jetztzeit-Gladbacher am Samstag die Rückrunde der aktuellen Spielzeit beginnt, auf den Bökelberg. Es wurde eines der größten Heimdebakel in Borussias Bundesliga-Geschichte. 8:2 siegte die Werkself, es war ein Mosaikstein des Gladbacher Niedergangs jener Jahre. Nach dem Leverkusen-Spiel machte ein kleiner, aber böser Witz die Runde: „Gib Acht, Borussia.“

Die Borussen-Welt hat sich seither mehrfach gedreht. Derzeit sind die Gladbacher kein Sorgenkind, sondern eine der positiven Erscheinungen der bisherigen Bundesliga-Saison. Platz drei, 33 Punkte und mit 36 Treffern in 17 Spielen zusammen mit dem FC Bayern das zweit-torhungrigste Team nach Tabellenführer Borussia Dortmund. Zwar gab es auch in dieser Saison eine bittere Klatsche gegen Bayer, das 0:5 im Pokal, doch hat sich das Team von Trainer Dieter Hecking eine ausgezeichnete Vorlage gegeben für die Rückrunde. Was aber ist wie im Herbst 1998: Die Acht spielt eine wichtige Rolle in Gladbach, nun in einer ganz anderen Tonart als damals.

Es geht auch nicht wie vor 21 Jahren um defensive Mängel, sondern um ausgesprochenen Mut in der Offensive: Denn die von Hecking in dieser Saison neu installierte Doppel-Acht im 4-3-3-System ist sozusagen die Triebfeder des Neustarts, zu dem sich die Borussen im Sommer 2018 entschieden hatten. Ein Sechser wurde nach vorn gezogen, weswegen die Gladbacher nun fünf statt zuvor vier offensiv ausgerichtete Spieler auf dem Platz haben.

Die beiden vorgezogenen Mittelfeldmänner sind für den Alarm zuständig, das Anlaufen des Gegners, für die Attacke. Das ist der rote Faden der Hinrunde. Langeweile, die dem Spiel der Borussen in der Saison 2017/2018 vorgeworfen wurde, war gestern, jetzt ist Entertainment angesagt.

„In der halboffensiven Position sind wir kompakter aufgestellt und können mehr Druck ausüben“, erklärte Jonas Hofmann den Ansatz. Er selbst ist das Gesicht der neuen Taktik, der Chef-Achter. Hofmann sagt an, wann wie attackiert wird, er ist der erste Anläufer. Wie das in der Praxis geht, war unter anderem beim Sieg in München zu besichtigen: Hofmann setzte Thiago unter Druck, eroberte den Ball, setzte Lars Stindl ein und der traf zum 2:0. So einfach kompliziert ist das.

Während der Sechser zugleich Zerstörer (des gegnerischen Spiels) und Aufbauhelfer (des eigenen Spiels) ist, ist der Achter ein Mischwesen aus Abfangjäger, Ideengeber und Torjäger, aus Sechser und Zehner. Im Vergleich dazu ist die Neuneinhalb zugleich Mittelfeldspieler und Stürmer, und damit einige Meter weiter vorn verortet. Da fehlt zuweilen die Weite des Raumes, weil man zu wenig Spielfeld vor sich hat.

Hofmann wurde vom Mitläufer zum nahezu Unersetzlichen, als er am Ende der Saison ausfiel, fehlte Borussia zuweilen der richtige Anpack vorn. Auch in der Rückrunde wird es auf die Arbeit der Achter ankommen. Im ersten Saisonteil kristallisierten sich Hofmann und Florian Neuhaus als dynamisches und zeitweise kongeniales Duo heraus. Sie waren die Erstbesetzung. Zwölfmal bildeten die Herren in der Liga zum Start die Doppel-Acht, drei seiner fünf Saisontore erzielte Hofmann auf Vorlage von Neuhaus. Mit den beiden in der Startelf holte Borussia 2,08 Punkte im Schnitt. Im Hinspiel gegen Bayer verwandelte Hofmann den Elfmeter, den Neuhaus herausgeholt hatte.

Hofmann dürfte auch weiter die Nummer eins in der Achter-Hierarchie sein, wenn er fit ist. Aber wird in Leverkusen wieder Neuhaus sein Partner sein? Bei Leverkusen, das nun auch im 4-3-3-Syystem unterwegs ist, werden wohl Kai Havertz und Julian Brandt den Job machen. Am Ende der Hinrunde und in der Vorbereitung hat sich Denis Zakaria, der sich zunächst mit dem neuen Ansatz schwer tat, nochmal neu positioniert. Der Schweizer wirkte aufgeräumter als zuvor und tatendurstig. Im Trainingslager traf er gegen Magdeburg nach dem Pass von Hofmann. Zakaria ist die kämpferischere Variante. Das könnte ein Faktor sein, der für „Zak“ spricht. Zumal der im ersten Saisonteil so beeindruckende Neuhaus (ein Tor, sechs Vorlagen) in der Vorbereitung doch etwas abfiel. Unabhängig vom Personal ist klar: Die Acht macht für Borussia den Unterschied und wird ein Erfolgsfaktor bleiben.

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