Borussia Mönchengladbach: Denis Zakaria spricht über seine Rolle in Gladbach

Denis Zakaria im Interview : "Ich bin fokussiert auf Borussia"

Borussias Mittelfeldspieler Denis Zakaria weiß, dass es gegen den FC Augsburg etwas gutzumachen gibt. Und er sagt, was für seine Karriereplanung eine Rolle spielt.

Denis Zakaria kam im Sommer 2017 für zwölf Millionen Euro von den Young Boys Bern. Es war gut investiertes Geld, der 21-jährige Schweizer gehört schon zu den Fixpunkten im Borussen-Team. Seine Passquote von 91 Prozent ist beeindruckend. Das letzte Spiel der Borussen machte ihm jedoch zu schaffen.

Karsten Kellermann sprach mit Zakaria über seine bisherige Zeit in Gladbach, seine erste Derby-Niederlage, das Spiel heute (15.30 Uhr/Live-Ticker) gegen Augsburg, seine Rolle in Gladbach und im Nationalteam.

Herr Zakaria, am Samstag kommt der FC Augsburg nach Gladbach. Im Hinspiel haben Sie Ihr erstes Bundesliga-Tor erzielt. Erzählen Sie mal, wie sich das anfühlte.

Denis Zakaria Es war ein super Moment für mich. Ich hoffe, dass es am Samstag auch so kommt und ich ein Tor machen kann. Das wäre wunderbar. Das Wichtigste ist aber, dass wir dieses Spiel als Mannschaft gewinnen. Ich glaube, wir haben noch etwas gutzumachen.

Sie sprechen die Derby-Niederlage vom Sonntag an. Sie sind ein sehr emotionaler Spieler. Wie sehr hat Sie das 1:2 in Köln geärgert?

Zakaria Ich muss gestehen, dass mir das sehr wehgetan hat. Ich habe mich nach dem Spiel richtig schlecht gefühlt, auch noch an den Tagen danach. Es war ein Derby, und ein Derby darf man eigentlich nicht verlieren. Aber wir können es auch nicht mehr ändern. Darum müssen wir jetzt total fokussiert auf Augsburg sein. Wir müssen da ein Topspiel machen. Nur mit einem Sieg können wir ein bisschen von dem wettmachen, was in Köln passiert ist. Auch wenn ein Derby sehr speziell ist und nur schwer auszugleichen, wenn es verloren geht.

Borussia war in Köln die spielerisch bessere Mannschaft, hatte viele Chancen. Köln hatte zwei Möglichkeiten und macht zwei Tore. Beim 1:2 in der 95. Minute waren Sie in der Nähe. Was war das Problem in dem Moment?

Zakaria Wir waren nicht konsequent genug. Die Kölner haben beide Tore nach Flanken erzielt, das darf nicht passieren. Und schon gar nicht in der 95. Minute. Verdient war das für Köln sicher nicht. Aber das ist Fußball und wir müssen das akzeptieren, auch wenn es sehr schwer fällt.

Kann so eine Niederlage in der Nachspielzeit besondere Probleme bereiten?

Zakaria Es ist auf keinen Fall normal, so ein Tor zu bekommen. Wir haben auch darüber gesprochen im Rückblick. Wir müssen noch fokussierter sein, dann können wir in Zukunft so etwas verhindern.

Das erste Halbjahr Bundesliga ist rum für Sie. Schauen wir zurück: Sie sind 21, aus der Schweiz gekommen und gleich Stammspieler geworden — ein perfekter Einstieg?

Zakaria Ja, klar. Es ist für mich super gelaufen. Ich spiele, und das fast immer in der Startelf. Ich bin ja hergekommen, um mich zu entwickeln, das hilft mir dabei. Aber ich weiß, dass nichts von selber kommt. Darum darf ich jetzt nicht aufhören, sondern muss immer weiter an mir arbeiten, um voranzukommen und der Mannschaft weiter helfen zu können.

Auch in der Schweizer Nati haben Sie einen wichtigen Schritt gemacht: In den WM-Play-offs gegen Nordirland waren Sie jeweils in der Startelf. Wer in solchen wichtigen Spielen dabei ist, könnte auch gute Chancen haben, bei der WM zu spielen. Glauben Sie, dass Sie, auch wenn Valon Behrami fit ist, eine Chance haben, neben Granit Xhaka im defensiven Mittelfeld zu spielen?

Zakaria Das weiß ich nicht. Valon ist ein sehr, sehr, sehr erfahrener und wichtiger Spieler für uns, und ich weiß, dass er vor mir ist. Ich muss also warten. Aber ich will natürlich spielen — und wenn ich das ein bisschen tun darf bei der WM, wäre das eine tolle Sache für mich. Ich werde auch alles dafür tun, zur Startelf zu gehören. Aber noch mal: Behrami ist sehr wichtig für uns, und wir brauchen Spieler wie ihn bei der WM.

Auch wenn Behrami noch vor Ihnen steht: Sie haben gezeigt, dass auf Sie Verlass ist auch in wichtigen Spielen.

Zakaria Das denke ich auch. Ich will der Mannschaft in Russland helfen, in welcher Art auch immer. Ich freue mich, wenn ich dabei bin — und wenn mir der Trainer sagt, dass ich spielen soll, dann bin ich glücklich und werde mein Bestes geben.

War es schwierig in den beiden Spielen gegen Nordirland plötzlich so viel Verantwortung zu tragen im defensiven Mittelfeld? Oder ist die Bundesliga eine gute Schule für so etwas?

Zakaria Auf jeden Fall. Ich weiß, was von mir erwartet wird. Auch wenn die Spiele mit der Nationalmannschaft sicher etwas anderes sind als die Spiele mit Gladbach. Man hat den Druck des ganzen Landes — das ist ein besonderes Gefühl. Aber darüber habe ich mir keine großen Gedanken gemacht. Ich bin auf den Rasen gegangen und habe mein Spiel gemacht. Es ist gut gelaufen.

Ihre Art zu spielen, ist aufwändig. Aber sie kommt bei den Leuten an. Ist es für Ihr Spiel wichtig, dass diese Emotionen bei den Fans ankommen?

Zakaria Erst mal spiele ich sicherlich, um gute Leistungen zu bringen. Aber wenn es bei den Fans gut ankommt, motiviert mich das noch mal mehr.

Ihr Ziel dürfte für den ersten Teil des Jahres klar definiert sein: Mit Gladbach Europa schaffen und dann zur WM fahren.

Zakaria Genau. Damit ist alles gesagt.

Ganz so leicht, wie es gesagt wird, ist es aber nicht.

Zakaria Das ist wahr. Wir haben ja schon gemerkt, dass es nicht leicht ist, sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren. Es gibt sehr viele gute Mannschaften in der Bundesliga. Aber auch wir sind gut und können noch viel erreichen in dieser Saison — wenn wir nicht zu viele Spiele machen wie in Köln. Wir haben das Potenzial ein Topteam zu sein, darauf müssen wir uns voll konzentrieren in den letzten 16 Spielen. Wenn wir Europa geschafft haben, wäre es ein zusätzliches Plus für mich, zur WM zu fahren.

Haben Sie sich schon ein Russisch-Lexikon gekauft?

Zakaria (grinst) Nein, noch nicht.

Sie haben Ihr Bücherregal in der Wohnung ja auch noch nicht aufgebaut, oder?

Zakaria Doch, doch. Es ist alles soweit fertig in meiner Wohnung. Es ist alles gut.

Sie sind also richtig da. Ist es leicht, sich einzuleben? Ist es anders als daheim in der Schweiz?

Zakaria Der größte Unterschied ist, dass da meine Familie und meine Freunde in der Nähe waren. Hier bin ich jetzt auf mich gestellt, darum ist vieles neu. Aber ich kriege es gut hin. Wir haben auch ein gutes Team, das einem neuen Spieler viel hilft.

Sie gehören zur French Connection im Team.

Zakaria Sicherlich, ich mache viel mit Mika Cuisance. Aber auch mich Josip Drmic oder Nico Elvedi. Mit vielen Spielern. Es passt in unserer Mannschaft, das ist sehr gut.

Ist die Bundesliga so, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Zakaria Sicher. Aber ich hätte nie gedacht, dass alles so eng ist. Wenn du zwei Spiele verlierst, bis du Neunter, wenn du zweimal gewinnst, Dritter. Es geht alles so schnell. Deswegen ist es eine komplizierte Meisterschaft.

Aber gut für einen Spieler, der sich entwickeln will.

Zakaria Ja, es ist eine super Schule.

Was haben Sie im ersten Halbjahr schon gelernt?

Zakaria Ich habe gelernt, dass alles viel schneller ist und ich darum schneller spielen muss. Das ist gut für mich. Aber ich habe in allen Bereichen etwas dazu gelernt, das kann ich sagen.

Was war Ihr Lieblingsspiel in der Hinrunde? Das in Augsburg, wo Sie Ihr erstes Bundesliga-Tor erzielt haben?

Zakaria Das war toll. Aber das schönste Spiel war das Heim-Derby. Es war mein erstes Bundesligaspiel im eigenen Stadion, wir haben gewonnen, die Stimmung war super. Mehr geht doch nicht, oder?

Was war das schlimmste Erlebnis?

Zakaria In der Hinrunde waren das die hohen Niederlagen gegen Leverkusen und in Dortmund. Leverkusen war noch ein bisschen schlimmer, weil es zu Hause war. Wir haben da eine top erste Halbzeit gespielt, und dann gehen wir so unter. Das war sehr bitter. Aber das Derby jetzt in Köln toppt das noch. Es war das erste Derby, das ich verloren habe, wie gesagt, das bereitet mir echte Schmerzen.

In der Hinrunde waren Sie zuweilen der "alte Hase" im defensiven Mittelfeld, wenn Sie mit Mika Cuisance gespielt haben. Sie sind 21, er 18. Das hätten Sie sich auch nicht träumen lassen, oder?

Zakaria Es ist schon komisch, wenn man mit 21 deutlich der Ältere im defensiven Mittelfeld ist. Allerdings helfen mir dann natürlich die erfahrenen Spieler um mich herum. Aber wir haben tolle junge Spieler. Mika ist ein überragendes Talent. Er ist gut für unsere Mannschaft. Für mich ist die Situation gut. So kann ich auch ein bisschen lernen, noch jüngere Spieler auf dem Platz zu führen.

Aber manchmal ist es doch auch ganz schön, der junge Spieler zu sein. Dann sind Fehler eher erlaubt. Andererseits: Ein Loch, das viele junge Spieler haben, hatten Sie noch nicht. Ziehen Sie das so durch?

Zakaria Es kann immer Phasen im Leben geben, in denen es nicht so läuft. Ich tue alles dafür, dass es nicht kommt, aber man weiß nie im Leben. Ich gehe mein Leben positiv an, das hat mir bisher immer geholfen. Auch nach einer Niederlage wie in Köln muss man irgendwann nach vorn schauen, nur dann kann man etwas verändern.

Sie sind also kein Grübler?

Zakaria Nein, auf keinen Fall. Ich habe mir meine Gedanken zu dem Spiel gemacht, natürlich. Aber es geht jetzt weiter und darauf muss ich mich konzentrieren.

Schauen wir auf Ihre Scorer-Punkte: Das Tor, das Sie geschossen haben, hat Lars Stindl eingeleitet, Ihre beiden Assists waren für ihn. Können Sie mit dem Kapitän besonders gut zusammenspielen?

Zakaria Er ist ein super Spieler mit unglaublicher Qualität. Es macht Spaß, mit ihm zu spielen. Aber es ist auch leicht, mit einem Spieler wie ihm zusammenzuarbeiten. Aber ich komme nicht nur mit Lars gut klar auf dem Platz. Dass beide Vorlagen für ihn waren, war auch ein bisschen Zufall.

Sehen Sie sich vor dem Spiel am Samstag Ihr Tor aus dem Hinspiel noch mal an zur Motivation?

Zakaria Nein, ich denke nicht. Ich habe vor den Spielen mein festes Ritual, mit dem ich mich einstimme. Das mache ich, seit ich Jugendspieler bin.

Erzählen Sie mal.

Zakaria Das ist eine sehr persönliche Sache, darüber möchte ich nicht viel sprechen. Es sind kleine Sachen, aber eben wichtig für mich. Es hilft mir jedenfalls, es gibt mir Kraft für mein Spiel und für meinen Kopf.

Es wird in diesen Tagen viel über Transfersummen gesprochen. Sie könnten einer sein, für den plötzlich ein Angebot aufpoppt. Machen Sie sich über so etwas Gedanken?

Zakaria Nein. Ich bin in Gladbach und fokussiert auf Borussia. Alles andere spielt im Moment keine Rolle.

Geht es bei einer Karriereplanung auch um den richtigen Zeitpunkt für einen Wechsel?

Zakaria Ja, klar. Das war so, als ich nach Bern gegangen bin und auch im Sommer, als ich mich für Borussia entschieden habe. Es war jeweils der richtige Zeitpunkt, das kann ich sagen. Es ist schon wichtig, nicht zu früh etwas zu machen. Ich habe Zeit, und ich weiß, dass ich noch viel lernen kann.

Von wem können Sie in Gladbach am meisten lernen?

Zakaria Vor allem natürlich von den Jungs, mit denen ich im Mittelfeld spiele. Christoph Kramer und Tobi Strobl, wenn er wieder fit ist. Sie haben beide viel Erfahrung. Aber ich kann auch von Mika etwas lernen. Er macht manchmal Sachen, da staune ich. Ich will das auch können und versuche es zu lernen.

Das heißt, Sie haben noch Potenzial, das Sie ausschöpfen können?

Zakaria Ich denke schon. Ich habe noch nicht alles gezeigt.

Wenn ein Spieler gut ist, wird er schnell gehypt. In den vergangenen Monaten wurden viele Lobeshymnen über Sie geschrieben. Wie gehen Sie damit um?

Zakaria Solche Sachen gehören zum Fußball dazu. Aber ich hebe nicht gleich ab, wenn mal jemand sagt: ,Denis, du bist toll‘. Ich nehme das nur als Ansporn, noch mehr zu arbeiten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Denis Zakaria

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