Borussia Mönchengladbach: Denis Zakaria im Interview

Denis Zakaria im Interview : „Ich bin noch lange nicht am Limit“

Borussias Mittelfeldmann Denis Zakaria spricht über die bisherige Saison, europäische Wettbewerbe und Vergleiche mit Paul Pogba.

Borussia hat nach dem 1:3 in Düsseldorf das System gewechselt, spielt nun im 3-5-2. Welche Rolle haben Sie da genau?

Zakaria Wir spielen jetzt mit zwei Sechsern, ich spiele also neben Christoph Kramer im defensiven Mittelfeld. Aber wir müssen im Spiel immer wieder mal die Ausrichtung wechseln, sodass ich auch mal wieder Achter bin. Es ist ein ständiger Wechsel während der Partien.

Den Eindruck hat man auch von außen. Sie sind kein klassischer Sechser und kein echter Achter.

Zakaria Ich kann nur sagen, dass ich mich in der Mitte sehr wohl fühle, da kann ich überall spielen. Nur die Zehner-Position wäre nicht so mein Ding. Grundsätzlich bin ich aber sehr flexibel, und das will ich auch auf dem Platz zeigen.

Im Borussia-Mittelfeld sind Sie der Spieler mit der größten Konstanz in der Rückrunde.

Zakaria Die Hinrunde war schwer für mich, weil in der Sommer-Vorbereitung ein neues System einstudiert wurde mit einer neuen Position für mich. Da musste ich mich erstmal reinfinden. Außerdem haben wir viele gute Spieler, entsprechend habe ich eine große Konkurrenz auf der Position. Und die, die gespielt haben, haben das sehr gut gemacht. Das war eine schwere Zeit für mich, auch wenn ich immer wieder mal zum Einsatz kam. Ich habe jedoch immer an meine Stärke geglaubt und diese Situation für mich dann als nächsten Schritt in der Karriere gesehen. Das war auch richtig so, wie sich nun herausstellt.

Hat es damit zu tun, dass Borussia in der Hinrunde vor allem spielerisch überzeugte und nun mehr über den Kampf kommen muss?

Zakaria Das glaube ich nicht, dass das etwas damit zu tun hat. Denn auch ich kann guten Fußball spielen und dominant auftreten. Mein Problem war, dass ich im Sommer spät von der Weltmeisterschaft zurückgekehrt bin und die anderen Spieler schon einige Wochen lang an dem neuen System gearbeitet und es sehr gut umgesetzt haben. Da war es schwer reinzukommen. Jetzt habe ich aber den nächsten Schritt gemacht und kann auf der Acht und der Sechs sehr gut spielen, egal ob im 4-3-3 oder im 3-5-2.

Ist es ein Vorteil für Sie, dass Sie nun von einer defensiveren Position aus agieren?

Zakaria Es ist zumindest einfacher für mich, weil ich nun mit Power und Anlauf nach vorne kommen kann. Das habe ich auch in den vorigen Jahren so gemacht, als ich noch auf der Sechs gespielt habe, und das war eine richtig gute Zeit für mich.

Eine Ihrer Aufgaben ist es auch, für Stabilität und Ballgewinne zu sorgen. Im vergangenen Spiel gegen Leipzig (1:2) hatten Sie eine Szene gegen Nationalspieler Timo Werner, den sie in letzter Sekunde gestoppt haben und danach gefeiert wurden.

Zakaria Nach einer eigenen Ecke hatte Florian Neuhaus einen Fehlpass gespielt und plötzlich liefen sie mit zwei Leuten auf mich zu. Dann wurde Werner geschickt und lief mit Vorsprung in Richtung unseres Tores. Ich wusste aber, dass ich ihn einholen kann. Er ist ein schneller Spieler, aber ich weiß, dass ich auch ein schneller Spieler bin. Deswegen habe ich daran geglaubt, dass ich das noch schaffen kann. Und dann war ich plötzlich neben ihm und die Grätsche danach hat auch gut geklappt. Das war auch für die Mannschaft wichtig, auch wenn wir das Spiel trotzdem leider verloren haben.

Hatten Sie keine Angst vor einer Roten Karte?

Zakaria In diesem Moment darf man nicht über sowas nachdenken. In meinem Kopf ging es nur darum, ein mögliches Gegentor zu verhindern. Ich habe Glück gehabt, dass alles gepasst hat.

Ihre langen Beine kamen Ihnen da sicher zugute.

Zakaria (lacht) Das stimmt, Werner lief mit kleinen Schritten, ich kam mit großen Schritten hinterher. Das war mein Vorteil.

Hatten Sie den Vorteil schon immer?

Zakaria Nein, erst als ich 16 oder 17 Jahre alt war, habe ich einen großen Wachstumsschub gehabt, vorher war ich nicht besonders groß. Ab diesem Moment war aber alles ein bisschen einfacher für mich.

Waren Sie schon immer ein guter Sprinter?

Zakaria Ich habe es immer geliebt zu laufen. Und wenn wir in der Schule Sportfeste hatten, war ich auch immer der Erste, ich bin immer ein schneller Mensch gewesen. Und ich bin sehr glücklich, dass das heute auch noch immer so ist. Für mich ist es sehr wichtig, diese Fähigkeit zu haben.

Das wird es auch zukünftig unter dem kommenden Trainer Marco Rose, der einen sehr intensiven Fußball spielen lässt.

Zakaria Das weiß ich, auch deswegen freue ich mich schon auf die neue Saison. Aber aktuell liegt der Fokus nur auf dem Ende dieser Spielzeit. Wir können mit Dieter Hecking etwas Großes erreichen, deswegen zählen nun nur die letzten vier Spiele. Danach haben wir lange Pause, und im Sommer geht es dann mit einem anderen Trainer von vorne los.

Als Teilnehmer der Champions League?

Zakaria Wenn wir Europa noch verpassen würden, wäre das ein harter Schlag für uns nach so einer Saison. Wir haben sehr gut angefangen und hatten dann in der Rückrunde eine Zeit, in der es nicht gut lief. Trotzdem sind wir noch dran, wir können es noch schaffen. Aber wir müssen alle daran glauben. In unserem Kopf sollten wir in Richtung Champions League denken, daran, dass wir noch diesen einen Platz klettern können, und nicht nach unten gucken. Diese positiven Gedanken werden wichtig sein.

Sie glauben also noch an Platz vier?

Zakaria Natürlich, wir können das noch schaffen, und wir werden alles dafür geben. Alles ist möglich, wir müssen nur an unsere Chance glauben. Und wenn wir am Ende in die Europa League einziehen sollten, wäre das für Borussia doch auch ein Erfolg!

Jetzt spielt Borussia in Stuttgart, das in Nico Willig einen neuen Trainer hat.

Zakaria Wir wissen alle, dass ein Team in einem anderen Modus ist, wenn ein neuer Coach kommt. Dann wollen sich alle wieder zeigen, die Situation ist eine ganz andere. Das wird sehr schwer für uns, darauf müssen wir uns einstellen. Stuttgart ist 16., wir sind Fünfter. Sie werden dafür kämpfen, nicht abzusteigen, und wir kämpfen um die Europapokalplätze. Das hat aber noch nichts zu sagen. Man muss in der Bundesliga jeden Gegner respektieren.

Wird der Wille entscheidend sein?

Zakaria Das ganze Team will diesen vierten Platz noch erreichen, dafür geben wir alle hundert Prozent. Das wird nicht einfach, es wird harte Arbeit. Mit 90 oder 95 Prozent wird es nicht reichen. Wir müssen in den letzten vier Spielen auch mal über unsere Grenzen gehen. Ich selbst werde auf jeden Fall alles geben, was ich habe, um das zu schaffen.

Damit Sie in der nächsten Saison zum ersten Mal in der Königsklasse auflaufen können.

Zakaria Im Idealfall ja! Grundsätzlich ist die Champions League die beste Sache im europäischen Fußball, da will jeder Profi spielen. Ich will das auch erleben und gebe dafür alles. Bislang habe ich lediglich zwei Spiele in der Qualifikation gespielt und dann in der Europa League. Ich glaube an die Mannschaft und unsere Qualität. Aber die müssen wir in den letzten vier Spielen auch abrufen.

Mit Ihrem Ex-Klub Bern hätten Sie bereits in der Champions League spielen können.

Zakaria (lacht) Das stimmt. Ich bekomme auch schon den einen oder anderen Spruch von meinen jetzigen Teamkollegen zu hören, dass es dort ja viel besser läuft, seitdem ich weg bin. Aber ich freue mich einfach für die Young Boys, der Verein hat sich das verdient.

Sie selbst werden oft mit Paul Pogba von Manchester United verglichen. Wegen der Spielweise, der Statur, Sie tragen auch gerne Glitzer-Schmuck.

Zakaria Das kann ja alles sein, aber ich bin Denis Zakaria. Ich habe meinen eigenen Stil und versuche nicht, jemand anderen zu kopieren.

Nerven Sie also diese Vergleiche?

Zakaria Nein, ich fasse das eher als Kompliment auf. Das gibt mir Kraft, um mich zu verbessern. Ich weiß, dass ich noch in allen Bereichen Luft nach oben habe, und ich werde alles dafür machen, um mein Potenzial voll auszuschöpfen. Ich bin noch lange nicht am Limit.

Was müssen Sie noch verbessern?

Zakaria Alles. Ein Beispiel ist, dass ich meinen linken Fuß kaum benutze, die Beidfüßigkeit fehlt bei mir. Und auch im Kopfballspiel ist noch viel drin.

Deswegen sichern Sie auch trotz Ihrer Größe von 1,91 Metern bei eigenen Ecken ab und sind nicht im gegnerischen Strafraum?

Zakaria Aufgrund meiner Schnelligkeit bin ich eben auch eine gute Absicherung, und daher entscheidet der Trainer wohl so. Ich muss auch gestehen, dass meine Schnelligkeit im Vergleich zum Kopfballspiel besser ausgeprägt ist.

Vielleicht müssten Sie mal ans Kopfballpendel.

Zakaria Ach, das habe ich in Bern so häufig gemacht, immer wieder. Aber hier in Mönchengladbach war ich da noch gar nicht dran, vielleicht sollte ich damit wieder anfangen.

Werden Sie denn sicher bei Borussia bleiben? Es gibt immer wieder mal Gerüchte, dass englische Vereine an Ihnen interessiert seien.

Zakaria Man weiß im Fußball nie, was passiert, deswegen kann ich nicht sagen, dass ich zu 100 Prozent bleibe. Aber im Normalfall spiele ich in der nächsten Saison hier bei Gladbach. Ich fühle mich bei Borussia sehr wohl und bin glücklich, außerdem will ich hier weiter wachsen.

Wie der Verein, der einen großen Sprung gemacht hat mit dem Hotel, den Ärztepraxen, dem Rehazentrum, dem Fohlenstall und dem Museum, das Anfang Mai eröffnet wird.

Zakaria Der Klub wird immer größer. Als ich vor zwei Jahren gekommen bin, war das eine ganz andere Borussia. Jetzt ist alles neu und schöner, und ich bin gespannt, wie sich der Verein weiter entwickelt. Ich bin sicher, dass Gladbach eine große Zukunft haben wird, und ich will persönlich mit diesem Klub wachsen.

Borussia ist also eine gute Adresse für junge Spieler?

Zakaria Ja, auf jeden Fall. Hier wird sehr viel mit jungen Spielern gearbeitet, man bekommt viele Chancen. Das ist extrem wichtig für die eigene Entwicklung.

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