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Borussia Mönchengladbach: Den Rückhalt der Fans hat André Schubert schon verloren

Borussia Mönchengladbach : Den Rückhalt der Fans hat Schubert schon verloren

Dass die Fans lauthals die Entlassung des Trainers fordern, hat es bei Borussia Mönchengladbach seit Jahren nicht gegeben. Doch Manager Max Eberl sagt, dass sich an der Ansage der vergangenen Wochen nichts ändere: Nach dem letzten Spiel des Jahres gegen den VfL Wolfsburg soll in Ruhe analysiert werden.

Gegen 1899 Hoffenheim vor drei Wochen hatte Mo Dahoud gezeigt, dass er es kann: Ballannahme, Schuss mit links, Tor. Diesmal war der Ball nicht drin, er ging knapp drüber, und das war auch schon die einzige gute Torchance, die Borussia herausspielte bei der 0:1-Auswärtsniederlage gegen den FC Augsburg. Die Gastgeber wiederum hatten bis zum Siegtor nach einer Ecke in der 75. Minute gar keine Chance dieser Güteklasse gehabt, sie brachten bei der Premiere ihres neuen Trainers Manuel Baum nur diesen einen Versuch auf den Kasten des Geburtstagskindes Yann Sommer.

"Normalerweise geht so ein Spiel 0:0 aus", sagte Borussias Trainer André Schubert. "Wir kassieren das Tor nach einer Standardsituation, da schaltet Tobias Strobl eine Sekunde zu spät und Martin Hinteregger trifft mit Hilfe des Innenpfostens." So war es, aber anders als noch beim 1:2 gegen den 1. FC Köln oder dem 1:1 gegen Hoffenheim hatte Borussia in den entscheidenden Szenen diesmal kein Pech, vorne ging ihr wieder einmal die Torgefahr ab. Warum? "Mein Kollege bekommt die Frage nach den Torchancen wahrscheinlich nicht gestellt, weil er gewonnen hat", sagte Schubert. "Es fällt der Mannschaft momentan nicht so leicht, die nötige Lockerheit zu entwickeln."

Gladbach belegt nun wieder den 13. Tabellenplatz mit lediglich 16 Punkten aus 15 Spielen. Ein Sieg hätte den Anschluss an die obere Hälfte hergestellt, jetzt hängt Borussia irgendwo zwischen Mittelfeld und Abstiegskampf. "Wir reden nichts schön, sondern sind genauso angepisst wie die Fans", sagte Manager Eberl. Die mitgereisten Fans in Augsburg hatten nach dem Spiel erst gepfiffen, als die Mannschaft sich in Richtung Gästeblock bewegte, und dann lauthals "Schubert raus!" gerufen. Das hat es in Gladbach zuletzt in Michael Frontzecks Endphase vor fast sechs Jahren gegeben.

Eberl bestätigte, dass seine Ankündigung weiter gilt: Nach dem letzten Spiel des Jahres gegen den VfL Wolfsburg werde die Lage analysiert. Einen kleinen Vorgeschmack, wie das Fazit ausfällt, gab er bereits. "Wir haben eine ganze Hinrunde gespielt, die war in den Pokalwettbewerben gut, die war in der Bundesligasaison zu Hause okay, die war in den Auswärtsspielen katastrophal. Das gilt es einfach zu besprechen."

Das Auswärtsjahr ist bereits beendet. Borussia hat 2016 nur sechs Punkte in 16 Bundesligaspielen in der Fremde gesammelt. Ein 0:0 am Samstag hätte die Hinrundenbilanz glatt verdoppelt, so bleibt das einsame Remis bei RB Leipzig. Doch nicht einmal das nahm Gladbach am Ende mit. Genau wie bei den zwei Niederlagen in Augsburg zuvor sorgte ein Ex-Borusse für das entscheidende Tor. Martin Hinteregger folgte auf Raul Bobadilla (2014) und Jan-Ingwer Callsen-Bracker (2011).

Wendt findet Niederlage unverdient

"Es ist unverdient, dass wir ohne Punkt zurück nach Gladbach fahren", sagte Oscar Wendt, der in Abwesenheit Lars Stindls die Kapitänsbinde trug. "Ich spiele für Gladbach und sehe das natürlich nicht objektiv — aber bis auf das Gegentor war die Leistung okay für ein Auswärtsspiel. Das ist meine Meinung." Die Frage nach der Zukunft des Trainer wehrte er nach dem Abpfiff ab. "Wir haben das Spiel verloren und ich muss erstmal meine Enttäuschung verarbeiten. Was drumherum passiert, kann ich nicht beeinflussen. Wir werden sehen, was passiert", sagte Wendt.

Viel Zeit bleibt nicht, um sich auf das finale Spiel des Jahres gegen Wolfsburg vorzubereiten. Die "Wölfe" feierten am Samstagabend mit dem 1:0 gegen Eintracht Frankfurt ihren ersten Heimsieg. "Wir werden am Dienstag alles geben, um zu gewinnen. Ob wir mit Super-Fußball oder Kack-Fußball gewinnen, ist egal", sagte Wendt. Borussias 1:0 gegen Mainz und das 0:1 gegen Augsburg waren zwei sehr ähnliche Spiele. In beiden wäre ein Unentschieden gerecht gewesen — insgesamt zu wenig für die Gladbacher Ansprüche.

Sieben Profis hatten verletzungs- oder krankheitsbedingt am Samstag passen müssen. Nach einer knappen Stunde humpelte dann auch noch Christoph Kramer nach einem harten Foul Takashi Usamis vom Platz. Ihm droht eine längere Pause, der 25-Jährige selbst tippte auf eine Außenbandverletzung.

Eine Vorsichtsmaßnahme war dagegen Raffaels Auswechslung unmittelbar vor dem Eckball, der zum Gegentor führte. Der Brasilianer hatten einen Schlag abbekommen, wirkte aber trotzdem angefressen beim Handschlag mit Schubert. "Wenn Raffael auf dem Platz bleibt und sich verletzt, heulen wir wieder alle rum. Unsere Offensivspieler haben sich insgesamt schwer getan. Es ist normal, wenn ein Spieler dann mal unzufrieden ist", sagte Schubert. Das habe er in seinem Trainerleben gelernt.

(jaso)