Borussia Mönchengladbach: Das trügerische Testspiel gegen 1. FSV Mainz 05

Borussia reist wieder nach Mainz: Das trügerische Testspiel

Am Sonntag spielt Borussia in Mainz. Im Januar gab es ein Vorbereitungsspiel dort. Die Gladbacher machten einen richtig guten Eindruck, insbesondere Vincenzo Grifo. Doch er und das Team konnten die dort gemachten Versprechungen nicht einlösen.

Das Urteil der Borussen war eindeutig: "Ein gelungene Generalprobe" sei das Testspiel beim FSV Mainz 05 gewesen, notierte der Bundesligist auf seiner Internetseite nach dem 3:0-Erfolg am 7. Januar. Tatsächlich war die Darbietung der Borussen an jenem kalten Sonntagnachmittag eine, die zur Hoffnung Anlass gab, dass das Team von Dieter Hecking mental und sportlich bestens vorbereitet sei auf die anstehende Rückrunde, an deren Anfang das Derby beim Erzrivalen 1. FC Köln stand.

Borussia spielte hinten weitgehend kompakt und vorn enorm effektiv, die Tore durch Lars Stindl (13.), Denis Zakaria (43.) und Vincenzo Grifo (68.) fielen jeweils zum richtigen Zeitpunkt, um den Gegner zu beeindrucken. "Es war ein überlegener Sieg und eine gute Generalprobe", urteilte unsere Redaktion.

Der Mann des Tages war Grifo. Der Italiener war am ersten Tor in der Einleitungsphase beteiligt, legte dann Zakaria das 2:0 auf und erzielte das 3:0 selbst. Es deutete sich der Durchbruch des Instinktspielers an nach einer für ihn arg durchwachsenen Hinrunde. Grifo berichtete, dass er sich richtig gut fühle und viel Lust habe auf das, was anstand, er war guter Dinge auf dem richtigen Weg zu sein.

Später im "Haasekessel", dem Restaurant gleich neben dem Stadion am Bruchweg, in dem sich Mainz und Borussia zu diesem Testvergleich trafen, hockten ein paar Nachwuchskicker der Mainzer zusammen und schwärmten von den Qualitäten diverser Gladbacher Akteure: Thorgan Hazards Geschwindigkeit mit dem Ball war ein Thema, auch Jannik Vestergaards Präsenz in der Abwehr. Ja, Borussia hatte einen guten Eindruck hinterlassen.

Doch es war, das muss man konstatieren beim Blick zurück kurz vor dem Pflichtspiel bei den Mainzern am Sonntag, ein trügerisches Testspiel. Nicht für das Team von Sandro Schwarz. Mainz spielt bisher in etwa die Rückrunde, die nach dem Auftritt gegen die Borussen zu erwarten war. Aber eben für die Gladbacher. Acht Punkte haben sie eingesammelt im zweiten Saisonteil, das ist eine sehr dünne Bilanz nach zehn Spielen - und keinen Deut besser als die der Mainzer, die nur aufgrund der um drei Treffer schlechteren Tordifferenz in der Rückrundentabelle Platz 16 innehaben.

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"Borussia zeigte, dass sie eine Mannschaft wie Mainz im Zaum halten kann, dies aber nur, wenn voll konzentriert gespielt wird", hieß es in unserer Analyse nach dem Testspiel, das mithin das einzige der Borussen war im Vorlauf des zweiten Saisonteils. Das "aber nur" verhallte jedoch. Das Derby in Köln ging verloren, weil in den entscheidenden Momenten die Konzentration nicht hundertprozentig war - ein Problem, das es öfter gab in der Rückrunde. Die Konsequenz hinten und vorn, die Borussia beim Übungsspiel zeigte, schien weit seltener durch.

"In Köln steht alles auf dem Prüfstand", hatte Dieter Hecking im Januar in Mainz gesagt. Er ist erfahren genug, um zu wissen, dass nur der Erfolg der Maßstab für "richtig" oder "falsch" ist im Fußball. Im Misserfolg kommen Fragen auf. Wie: Wäre es doch besser gewesen, trotz der kurzen Pause ein Mini-Trainingslager zu machen, um die Spieler mehr zu fokussieren auf die Rückrunde? Wären weitere Zukäufe sinnvoll gewesen, nachdem es in der Hinrunde schon Verletzungssorgen gegeben hatte? Ob andere Entscheidungen zu anderen Ergebnissen geführt hätten, ist hypothetisch. Fakt ist: Es lief vieles schlechter, als nach dem Mainz-Spiel zu erwarten war.

Grifo personifiziert die Geschichte. Das Versprechen, das er im Spiel am Bruchweg machte, war groß. Was folgte, war ein Hin und Her ohne roten Faden: Mal Startelf, dann wieder draußen, aktuell verletzt - die Hoffnung, die Grifo aus Mainz mitbrachte, hat sich nicht erfüllt.

Bei Borussias Rückkehr nach Mainz wird Grifo wohl ebenso fehlen wie Zakaria, womit zwei Drittel der Torschützen des 7. Januars nicht dabei sind. Immerhin hat Stindl seine Flaute gegen Hoffenheim beendet und will dem Tor-Comeback möglichst schnell weitere Treffer folgen lassen. Wie es in Mainz geht, weiß er, auch wenn es ein anderes Stadion war, in dem er traf. Es war das erste Tor des Jahres und ein Auftakt, der unvollendet blieb. Nun ist das Mainz-Spiel der Anfang vom Rest der Saison. Und ab sofort sollte Borussia einige Versprechen, die sie im Januar gemacht hat, nachhaltiger einlösen.

(kk)