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Borussia Mönchengladbach: Das sagte Daniel Farke bei seinem ersten Auftritt

Daniel Farkes erster Auftritt : „Die Fans wollen eine Fohlen-Elf, die mutig spielt“

Im Rahmen einer Pressekonferenz stellte Borussia Mönchengladbach am Pfingstsonntag ihren neuen Trainer vor. Und es gab sehr viele Fragen an Daniel Farke. Das sagte der neue Coach bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im Borussia-Park.

Eine knappe Stunde dauerte die erste Pressekonferenz mit Daniel Farke, in der sich der neue Trainer von Borussia Mönchengladbach ausführlich vorstellte und den Journalisten Rede und Antwort stand. Das sagte der 45-Jährige über...

…die Schnittmengen zwischen ihm und Borussia: Ich finde es unfassbar wichtig für einen Verein, dass er für klare Werte und eine Identität steht, und sich im sportlichen Bereich diese Identität ausdrückt, wie man Fußball spielen will. Es gibt kein Buch, in dem man nachschlagen kann, wie man Fußball spielen soll, es gibt kein Falsch oder Richtig, sondern viele unterschiedlichen Wege, erfolgreich zu sein und attraktiven Fußball zu spielen. Borussia hat immer schon für Ballbesitzfußball und schöne Kombinationen gestanden, mit Dominanz auf dem Platz. Bei Borussia will man Protagonist sein, für Spielfreude stehen. Und da finde ich mich mit meinen Überzeugungen von Fußball sehr gut wieder.

…den Kader: Ich bin davon überzeugt, dass wir eine gute Basis und sehr viele fußballerisch starke Spieler haben. Der Kader bietet viel Potenzial, darauf können wir aufbauen. Aber wir brauchen auch einen guten Transfersommer und müssen gute Entscheidungen treffen. Wir müssen aber auch so ehrlich sein, dass das nicht ganz so einfach wird, da die Rahmenbedingungen durch Corona schwer sind und es keine Einnahmen aus dem Europapokal gibt. Aber wir wollen in einer guten Besetzung starten, wenn die Pflichtspiele losgehen.

…den Vergleich zur Premier League: Die Bundesliga ist ein hervorragendes Produkt und eine große Herausforderung. Ich hatte in England eine sehr intensive Zeit, die Aufmerksamkeit und die Qualität der Trainer und Spieler ist außergewöhnlich. Die Bundesliga steht der Premier League nicht in vielen Dingen nach, die Topmannschaften spielen auf dem allerhöchsten Niveau. Ich bin gefordert, auf dem allerhöchsten Niveau abzuliefern.

…die Diskussionen um den die verschiedenen Stile: Der Fußball entwickelt sich immer in Wellen. Das, was vor 30 Jahren modern und aktuell war und dann vielleicht mal eine Zeit lang nicht da ist, kann in zehn Jahren wieder absolut aktuell sein. Es geht immer darum, vor der Welle zu sein und gute Lösungen zu haben. Es wird immer Gegenreaktionen geben, und dann gilt es, darauf Antworten zu finden. Es ist nur wichtig, nicht wie die Fahne im Wind zu sein. Für sich selbst muss man klar festlegen, wie man Fußball spielen will. Man muss klar in seinen Grundprinzipien, aber natürlich auch flexibel sein. Diejenigen Mannschaften waren in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich und haben Titel geholt, die zu allem in der Lage sind.

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…die Zeit in Norwich: Ich habe eine intensive Zeit in Norwich erlebt. Meine Heimat war Deutschland und ich war noch sehr vom deutschen Fußballdenken geprägt. Ich habe aber dann den englischen Fußball kennengelernt und einen Traditionsverein vorgefunden, der in einer sehr schwierigen Situation war. Und dann war ich der erste ausländische Trainer der Klubgeschichte. Es war eine große Herausforderung, aber mich hat die Komplexität dieser Aufgabe gereizt. Und für Norwicher Verhältnisse haben wir dann eine sehr große Erfolgsgeschichte geschrieben.

…seinen Arbeitsstil: Im modernen Fußball kitzelst du mit der Peitsche, mit Furcht und Angst keine Höchstleistung mehr heraus. Du musst als Fußballtrainer eine Gruppe führen, die sich nicht auf den Kader mit womöglich 25 bis 30 Spielern beschränkt, sondern auch einen immer größer werdenden Staff beinhaltet. Mein Ziel war es immer, die ganze Gruppe, den ganzen Verein und die Fans mitzunehmen, mit Empathie und einer guten Menschenkenntnis. Aber du musst auch mit Inhalten überzeugen. Diese Balance immer hinzubekommen, ist ein komplexes Anforderungsprofil.

…die Ziele mit Borussia: Bei Zielen muss man offen, brutal ehrlich und transparent sein. Wenn man sich die vergangene Dekade anschaut, dann hat der Verein eine außergewöhnlich gute Arbeit abgeliefert. Da gebührt allen Beteiligten ein großes Lob. Es gehört aber auch dazu, ehrlich zu sagen, dass in den vergangenen 18 bis 24 Monaten nicht alles perfekt funktioniert hat. Deswegen steht es uns gerade nach der vergangenen Saison nicht zu, irgendwelche Parolen mit Tabellenplätzen rauszuhauen und übereuphorische Ziele auszugeben, sondern sich auf die Inhalte zu konzentrieren, jeden Tag das zu leben auf dem Trainingsplatz, was wir spielen wollen. Diese Balance hinzubekommen, guten Ballbesitzfußball zu spielen und auch mit letzter Gier das eigene Tor zu verteidigen, diese Resilienz und Gier im Spiel gegen den Ball zu entwickeln, wird die Aufgabe sein. Unsere fantastischen Fans werden nicht erwarten, dass wir alle Spiele gewinnen, sondern sie wollen die Fohlen-Elf sehen, die mutig ist und aggressiv auftritt. Diesen Spirit müssen wir entwickeln.

…seinen Staff: Fußball ist keine One-Man-Show. Du brauchst Leute in deinem Team, denen du absolut vertrauen kannst, was Inhalte und das Menschliche angeht. Ich stehe natürlich im Wind und bin das Gesicht in der Öffentlichkeit, doch ich muss mich auf meine Mitarbeiter zu 100 Prozent verlassen können. Die Vereine sind mittlerweile in ihrer Mitarbeiter-Struktur so groß geworden. Da kannst du nicht alleine eine solch große Gruppe in einen Bann ziehen. Du brauchst Topmitarbeiter, die deine Werte in die große Gruppe zu transportieren. Ohne mein Team bin ich nichts.

…die Rolle als zweite Wahl: Diese Kategorien „1b-Lösung“ interessieren mich überhaupt nicht. Ich kann ja vielleicht die „1d-Lösung“ werden, die Dauerlösung. Es ist doch völlig verständlich, dass sich Borussia Mönchengladbach mit Lucien Favre beschäftigt hat. Ich würde es befremdlich finden, wenn es nicht so gewesen wäre. Ich als Fan von Borussia wäre ich auf jeden Fall enttäuscht gewesen. Ich habe auch deswegen ein gutes Gefühl, hier zu sitzen. Das zeichnet doch die Qualität der Arbeit aus, so eine Personalie abzuklopfen.

…sein Standing im Profi-Fußball: Man entwickelt sich ja zum Trainer, der in der Premier League tätig sein kann, das erarbeitet man sich Schritt für Schritt und kann es nicht in der Lotterie gewinnen. Ich habe immer Dinge gemacht, von denen ich absolut überzeugt war, auch in der vierten Liga beim SV Lippstadt und dann bei Borussia Dortmunds U23. Man muss diesen Beruf erlernen, er hat eine hohe Komplexität. Da kann man nicht als ehemaliger Spieler den Schalter umlegen und einfach Trainer sein. Ich habe sicherlich zu Beginn Sachen gemacht, bei denen ich heute die Hände über den Kopf zusammenschlage. Aber diese Erfahrungen muss man machen. Ich habe einen unfassbar schönen Job und kann jetzt bei einem so außergewöhnlichen Verein wie der Borussia arbeiten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Daniel Farke