Borussia Mönchengladbach: Das passiert nach dem Ausfall von Lars Stindl

RP-Redakteure diskutieren : Das passiert nach dem Ausfall von Lars Stindl

Der Kapitän zog sich am vergangenen Wochenende einen Schienbeinbruch zu. Wie groß wird der Schaden für die Mannschaft sein? Darüber sprechen unsere RP-Redakteure.

Die Trainer-Kapitän-Motivation bringt Gladbach nach Europa (Sebastian Hochrainer)

Wie in der vergangenen Saison verletzt sich Lars Stindl im Bundesliga-Endspurt schwer. Vor einem Jahr folgte ein Sieg gegen Freiburg, jedoch auch eine Niederlage in Hamburg, obwohl Borussia in diesem Spiel noch eine Europa-Chance hatte. Die Mannschaft hat daraus gelernt, so wird sie kein zweites Mal auf den Ausfall des Kapitäns reagieren, im Gegenteil.

Die Borussen werden daraus eine Extra-Motivation ziehen können. Nach dem bevorstehenden Trainerwechsel im Sommer von Dieter Hecking zu Marco Rose kämpft die Fohlenelf nun nicht nur für einen erfolgreichen Abschluss mit ihrem Trainer, sondern auch für ihren Kapitän. Schon den 1:0-Sieg in Hannover widmete das Team Stindl. Dieser Geist, der Wille, dem verletzten Kapitän und dem scheidenden Coach einen erfolgreichen Endspurt zu bescheren, wird Borussia nach Europa bringen, vielleicht sogar in die Champions League.

Denn am Ende wird die Mannschaft am erfolgreichsten sein, die ein Team ist. Bei Borussia schwächeln die Einzelkönner in der Rückrunde, Thorgan Hazard ist beispielsweise seit über 1000 Minuten ohne Tor. Es sind nun andere Tugenden gefragt als individuelle Klasse. Die fünf Siege in der Rückrunde haben die Gladbacher dank ihrer einheitlichen Leistung geholt, nicht weil einzelne Spieler überragt haben. 1:0, 2:0, 2:0, 1:0, 1:0 — diese Resultate gibt es, wenn die defensive Arbeit im Fokus steht. Bei Borussia ist man bereit dazu, jeder kämpft für jeden.

In den letzten fünf Spielen werden die Gladbacher auch für Hecking und Stindl kämpfen. Der Trainer hat nach Bekanntwerden seines Ausscheidens motivierende Worte gefunden, und auch der Kapitän wird ein kostbarer Ansprechpartner sein. Und am Ende der Saison feiern alle gemeinsam das Erreichen des Europa-Ziels.

Alle Borussen müssen nun ein bisschen Stindl sein (Karsten Kellermann)

Es ist natürlich ein schwerwiegender Verlust, in der entscheidenden Phase der Saison ohne den Kapitän auskommen zu müssen. Sportlich fällt für Trainer Dieter Hecking eine wichtige Option weg.  Vor allem aber fehlt den Borussen ihr Anführer, auf dem Rasen und in der Kabine. Stindl ist, das hat Hecking nochmal klargestellt, sein verlängerter Arm auf dem Spielfeld, das Verbindungsglied zwischen Trainer und Team. Diesen Verlust gilt es nun zu kompensieren.

Nun wird sich zeigen, wie es um die Führungsqualitäten der anderen Borussen bestellt ist. Yann Sommer, der in dieser Saison mit herausragenden Leistungen immer wieder vorangeht, wird die Binde tragen, er ist der offizielle Stindl-Ersatz. „Lars und Yann sind unsere Leitwölfe“, sagte Tobias Strobl unserer Redaktion. Doch kann Sommer aufgrund seiner Position als Torhüter nicht alles auffangen, was Stindl, der nicht nur spielerisch mittendrin ist im Gladbacher Spiel, leistet. Da müssen auch andere einspringen.

Raffael hat in Hannover als Torschütze Verantwortung übernommen, ist aber keiner, der verbal vorangeht. So ist es auch bei Thorgan Hazard und Alassane Plea. Das müssen andere tun: Matthias Ginter, Tobias Strobl und Christoph Kramer sind neben Sommer gefragt. Aber auch Patrick Herrmann  und Denis Zakaria sind zwei Herren, die sich zuletzt angeschickt haben, die Mannschaft mitzureißen. Im Rennen um Europa braucht es Hirn, aber auch Herz. Emotionen sind wichtig in der Schlussphase einer Saison: als Motivation, als Motor. Man denke an Herrmanns Defensiv-Grätsche im Heimspiel gegen Bremen in Höhe des eigenen Strafraums, mit der er gleich den Draht zu den Fans herstellte. Letztlich müssen aber alle Borussen gemeinsam Stindls Ausfall auffangen, alle müssen ein bisschen Stindl sein.

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