Borussia Mönchengladbach: Das könnte im Transfer-Sommer 2018 passieren

Gedankenspiele zu Borussia: Das könnte im Transfer-Sommer passieren

Wo setzt Borussia auf Beständigkeit? Wer bringt das große Geld? Unsere Redakteure skizzieren, wie sie die Zeit bis zum 31. August in Mönchengladbach gestalten würden.

Hauptthema: Speed und Tore (von Karsten Kellermann)

Die Borussen haben sich zuletzt viele Fragen gestellt, und der Leitgedanke war: Wie können wir besser werden? In der vergangenen Saison wurde erneut etwas verpasst, zudem hatten die Menschen zu selten viel Spaß am Borussen-Spiel. Dabei ist der Klub im Wesen unterhaltsam, das gehört zu seiner DNA, die sich manifestiert in den Begriffen „Fohlenelf“ und „Torfabrik“.

„Fohlenelf“ steht für mutig, ungestüm, wild, auch unfertig, vor allem aber für Spaßfußball. „Torfabrik“ ist selbsterklärend. Beide Elemente, Spaß und Tore, muss das Spiel der Borussen in Zukunft wieder beinhalten. Trainer Dieter Hecking wird mehr auf Geschwindigkeit und Pressing setzen, man könnte den Ansatz mit Tiki-Taka-Pressing-Zack-Zack-Zack beschreiben. Eine Systemumstellung (4-3-3, 4-1-4-1) kann neue Impulse bringen.

Viele offensive Mittelfeldspieler sind da, neu ist Florian Neuhaus, von dem sich Hecking Druck auf die Etablierten verspricht. Auch Laszlo Bénes wird sich für die neue Saison viel vornehmen und kann mit seiner Aggressivität und seiner Geradlinigkeit helfen. Michael Cuisance, der seinen Vertrag gestern bis 2023 verlängert hat, kann weiter vorn seinem Tordrang frönen. Christoph Kramer dürfte sich mit Denis Zakaria, der keinesfalls abgegeben werden sollte, und Tobias Strobl um den Job vor der Abwehr streiten – ergebnisoffen.

Vincenzo Grifo ist gegangen, Patrick Herrmann sollte indes bleiben. Er sucht zwar seine Bestform, findet er sie aber, ist er mit seiner Geschwindigkeit und als Ur-Borusse wichtig. Es braucht Integrationsfiguren. Fabian Johnson will wieder angreifen – ist er gesund, kann er helfen mit seiner Vielseitigkeit und seiner Geschwindigkeit. Er muss aber bereit sein, eventuell auch Nicht-Lieblingspositionen zu spielen (Außenverteidiger). Ob es in der Defensive einen Abgang gibt (Ginter oder Vestergaard), wird der Markt regeln. Doch sollte bestenfalls kein Achsenspieler gehen. Wenn Borussia angreifen will, muss sie stabil sein, da braucht es eine eingespielte Defensivkonstruktion.

In den vergangenen Jahren wurde in die Defensive investiert (29 Millionen für Vestergaard und Ginter, 27 Millionen für die Sechser Kramer und Zakaria). Nun muss noch ein Außenverteidiger kommen, doch muss das Hauptthema der Transferpolitik sein: Speed und Tore. Torben Müsel und Keanan Bennetts stehen für Jugendstil und Geschwindigkeit. Und es wird weiteren Zuwachs geben. Zwar hat Max Eberl angesagt, dass es keinen großen Umbruch geben wird („Es wird nicht so sein, dass acht gehen und acht kommen“), doch wird die Offensive kräftig ummodelliert: Grifo und Raúl Bobadilla sind weg, was mit Josip Drmic wird, ist offen.

Niclas Füllkrug soll für das Sturmzentrum kommen. Mit den Transfererlösen für Grifo und Bobadilla ist ein Gros der Ablöse (ca. 15 Millionen) abgedeckt. Doch wäre Füllkrug nicht der Königstransfer. Durch den Verkauf von zum Beispiel Thorgan Hazard (30 Millionen Euro aufwärts) plus Geld, das Manager Eberl dazu „einsammelt“ (Drmic?): ein bisschen Firmino und Mané, ein bisschen Kramaric, ein bisschen Müller, schnell, durchschlagkräftig und außergewöhnlich, das wird gesucht. Eine anspruchsvolle Mischung – aber Tore und Kreativität sind teuer. Es kann auf mehrere Schultern verteilt werden: Alassane Pléa ist ein Kandidat. Vielleicht kommt auch einer, an den derzeit noch nicht zu denken ist: Einer wie Serge Gnabry (eventuell auch per Leihe) wäre doch was.

Ausgeschlossen ist nichts (von Jannik Sorgatz)

  • +++ Fohlenfutter +++ : Alles Wichtige zu Borussia Mönchengladbach

„Ich weiß, was du am Ende dieses Transfer-Sommers getan haben wirst“ – man meint, es sich grob ausmalen zu können und wird teilweise trotzdem gehörig falsch liegen. Auf dem Markt fliegt so viel Geld herum wie nie zuvor, er ist ausgeleuchtet wie nie zuvor, und dann hat gestern auch noch die Weltmeisterschaft begonnen. Es war der Auftakt der dritten von fünf Etappen dieses Transfer-Sommers.

Die erste ging noch während der Bundesliga-Saison über die Bühne, aus Borussia-Sicht erstmals seit Jahren ereignislos. Bis zum Anpfiff in Moskau gestern lief die zweite Etappe. Manager Max Eberl hat rund neun Millionen Euro „zusammengesammelt“, wie er sagt, zwei Plätze auf der Gehaltsliste freigemacht und zwei Youngster geholt. Vielleicht ist das sogar mehr, als vorab zu erwarten war. Die Verhandlungen mit Hannover 96 wegen Niclas Füllkrug haben zwar zu keinem Abschluss geführt. Sollte es noch so kommen, stünde Borussia dank der Einnahmen und des Bilanzüberschusses von 6,6 Millionen Euro aber halbwegs mit einer schwarzen Null da.

Selbst die dritte Phase des Sommers wird noch eine der Sondierungen werden. Sie geht so langsam zu Ende, wenn Ende Juni die ersten WM-Spieler nach Hause fliegen, und ist endgültig am 16. Juli vorbei, dem Tag nach dem Finale. Sieben Spieler, die in Russland aktiv sind, stehen bei Borussia unter Vertrag. Und wirklich jeder könnte auf seine Art externes Interesse wecken. Etwas Neuartiges hätte es auf jeden Fall: Sechs Spieler hat der Verein bisher  für einen zweistelligen Millionenbetrag verkauft, alle Transfers wurden spätestens im Mai abgewickelt.

Thorgan Hazard gilt als erster Kandidat, um das Glücksrad zu drehen – bis 2020 läuft sein Vertrag, er dürfte bei der WM seine Einsätze bekommen, er nimmt in Gladbach keine Führungs- oder Achsenspielerrolle ein, und dann wäre da noch dieser Nachname. Seit Hazards Vater Thierry abgelichtet wurde, als er mit Vertretern des FC Valencia vor dessen Geschäftsstelle plauderte, riecht es nach einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Ausschließen will man darüber hinaus nichts. Was passiert, wenn Yann Sommer sich zu einem der besten Torhüters der WM aufschwingt? Zur Erinnerung: 2014 landete San Sebastiáns chilenischer Keeper nach der WM beim FC Barcelona und Levantes costa-ricanischer bei Real Madrid.

Die vierte Etappe – von Anfang Juli bis zum 9. August, wenn in England das Transferfenster schließt – dürfte alles je Erlebte übertreffen. Im Grunde wäre es für Borussia fast ratsam, mit dem Verkauf eines Topspielers von den inflationären Preisen zu profitieren. Die fünfte Etappe nach dem Transfer-Brexit der Premier League dauert dann noch bis 31. August, danach geht auch in der Bundesliga nichts mehr.

Borussia hat zwei große Baustellen: Die Torproduktion und die Außenverteidiger-Positionen. Beide wären zu bewältigen durch eine fette Transfer-Einnahme auf der einen und das Eichhörnchen-Prinzip auf der anderen Seite. Zwingend abgeben muss Borussia keinen Spieler der Kategorie Patrick Herrmann oder Fabian Johnson, aber bei einigen Kandidaten wäre es ratsam, dass sich beide Seiten einmal intensiv in die Augen schauen – auch wenn es mitunter schmerzen könnte.

Größer sollte der Kader nicht werden, denn der „alternativlose Weg der jungen Spieler“ darf nicht erst ab Kaderplatz 19 gelebt werden. Ein Michael Cuisance oder ein Laszlo Bénes haben das Vertrauen schließlich üppig zurückgezahlt.

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