Borussia Mönchengladbach: Das 2:4 im Hinspiel bei Hertha BSC war hilfreich

2:4 als Lerneffekt : Warum Borussias Hinspiel-Niederlage gegen Hertha hilfreich war

Am vierten Spieltag kassierte Borussia bei Hertha BSC eine 2:4-Niederlage, es war der erste Rückschlag der Saison. Doch hatte das Spiel rückblickend vielleicht auch einen wichtigen Lerneffekt.

Es gab nicht sonderlich viele unschöne Erlebnisse für die Borussia in dieser Saison. Wie üblich hatte die Dienstreise zum SC Freiburg kein glückliches Ende. Auch die Spitzenspiele bei RB Leipzig (0:2) und Borussia Dortmund (1:2) gingen verloren. Zudem gab es das 0:5 im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen. Und dann war da noch die Fahrt nach Berlin. 2:4 unterlag Gladbach. Trainer Dieter Hecking will nichts davon wissen, dass Borussia an diesem Tag in der Hauptstadt entschlüsselt wurde, doch genau genommen war es so: In diesem Spiel führte Hertha BSC mehr als jeder andere Gegner in dieser Spielzeit vor, wie gespielt werden muss gegen Heckings 4-3-3-System.

Hertha ließ sich vom Pressing der Borussen nicht locken, sondern schaffte es im Gegenteil immer wieder, den Ball hinter die beiden Achter Jonas Hofmann und Denis Zakaria zu bringen. Dadurch öffneten sich Räume. Auch die Gladbacher Außenstürmer arbeiteten an dem Tag nicht seriös nach hinten, gerade auf der rechten Seite, wo Fabian Johnson spielte, taten sich Löcher auf.

„Die Berliner haben damals mit Kalou oft eine Überzahl auf der rechten Seite geschaffen, die uns sehr wehgetan hat. Allerdings hatten wir insgesamt zu viele Fehler in unserem Spiel“, sagte Hecking. Nico Elvedi, an dem Tag rechter Verteidiger, bekam es dann oft mit zwei Berlinern zu tun und war oft überfordert. Da Javairô Dilrosun auch noch einen ausgezeichneten Tag erwischt hatte, hagelte es vor der Pause förmlich Flanken in den Gladbacher Strafraum.

Für Fabian Johnson, der den Elfmeter herausholte, den Thorgan Hazard zum frühen 1:0 verwandelte. Dann aber kickte Johnson zu sorglos, und es wurde ein wegweisendes Spiel für ihn. Der US-Amerikaner war einer der großen Gewinner der Vorbereitung gewesen, in der er starke Spiele als Flügelstürmer gemacht hatte. Beim 2:0 gegen Leverkusen hatte er nach einer feinen Kombination mit Raffael auch getroffen. In Berlin musste er nach 45 Minuten raus, seither stand er nur noch zweimal in der Startelf, das war gegen Nürnberg und Dortmund jeweils als rechter Verteidiger. Dass sich der Trend im Rückspiel gegen die Hertha ändern wird was Johnson angeht, ist nicht zu erwarten.

Auch für Hertha, das mit dem Sieg im ersten Treffen mit Borussia in dieser Saison den besten Ligastart der Vereinsgeschichte perfekt machte, ging es nicht so rosig weiter, weil die Konstanz fehlte. Das Spiel gegen Gladbach war mit das Beste, was die Berliner in dieser Saison auf den Rasen brachten. Die vier Gegentore, die es in Berlin gab, sind derweil die schlechteste Liga-Bilanz der Borussen-Defensive in dieser Saison, es ist fast ein Viertel aller Gegentore (18) dieser Bundesliga-Saison. Der zweite große Ausreißer war das Pokalspiel gegen Bayer.  „Es war beeindruckend, wie Hertha den Gegner beherrschte“, resümierte der Berliner „Tagesspiegel“.

„Das war Spaß“, befand Berlins Trainer Dardai. Für die Borussen war es indes ein Schock-Erlebnis, vielleicht aber rückblickend auch ein elementares und heilsames Erlebnis. Vor allem wurde deutlich, dass das neue Konzept kein Selbstläufer ist, sondern nur aufgeht, wenn sich jeder strikt an die Aufgabenstellung hält. Das war in Berlin nicht so. „Wir waren als Team nicht so kompakt, haben nicht gut zusammengearbeitet“, gestand Hazard.

Wenn es so etwas gibt, dann war es eine hilfreiche Niederlage, so wie es auch die missratenen Testspiele der Wintervorbereitung gegen Magdeburg (1:2) und Lüttich (0:2) waren. „Wir erinnern uns  an die beiden Spiele, da  war von dem Selbstverständnis nichts zu sehen. Wenn wir nicht konzentriert sind, gibt es solche Spiele“, sagte Hecking nach dem 2:0 auf Schalke am vergangenen Samstag. „Solche Spiele“ – dazu gehört auch das Hinspiel bei der Hertha. Eine Mahnung, dass Leichtfertigkeit böse abgestraft wird. Ein zweites unschönes Erlebnis soll es beim Gegenbesuch der „alten Dame“ nicht geben. Hecking zieht unter anderem aus der Berlin-Reise im September die Erkenntnis, wie man es gegen Dardais Team nicht machen darf. „Es ist eine sehr disziplinierte und zielstrebige Mannschaft, die nicht viele Chancen braucht, um erfolgreich zu sein. Darauf müssen wir uns einstellen und Lösungen finden“, sagte Hecking.

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