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Borussia Mönchengladbach: Das 1:1 in Augsburg war typisch für die Bundesliga

Borussias 1:1 in Augsburg : Rasenschach mit Spaßfaktor

Augsburg gegen Gladbach war typisch für die Bundesliga – weil es ein sehr enges Spiel war.

Dreimal gab es ein Unentschieden, im Januar gewann Borussia gegen den FC Augsburg 2:0, wobei das entscheidende Tor erst in der 90. Minute fiel. Dass es in der Bundesliga eng zugeht, ist nichts Außergewöhnliches, schon eher die Tatsache, dass zwei Trainer viermal mit denselben Vereinen aufeinandertreffen, so wie Manuel Baum und Dieter Hecking am Samstag, als sie sich 1:1 trennten. „Mir hat es extrem viel Spaß gemacht, das Spiel von draußen anzuschauen“, sagte Baum.

Ein wenig Enttäuschung äußerte er, weil seine Mannschaft zwischenzeitlich nah dran am 2:0 gewesen war, anfangs aber zweimal „Riesenglück“ gehabt hatte und ganz generell ja der FC Augsburg ist, der sich „gegen so eine spielstarke Gladbacher Mannschaft“ auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen kann. Hecking nahm das Wort „Glück“ ebenfalls in den Mund, als er an die „fünf, sechs guten Chancen für Augsburg“ zu Beginn der zweiten Halbzeit erinnerte, nur hätte Borussia zu diesem Zeitpunkt beileibe nicht 0:1 hinten liegen müssen. Als Zuhörer der Trainer-Analyse erhärtete sich der Eindruck, dass ein Unentschieden ganz gut zum Spielverlauf passte.

Doch es war wie so oft in der Bundesliga: #FCABMG, wie die Partie in den sozialen Netzwerken hieß, hätte mehrmals eine andere Abzweigung nehmen können. Und am Ende hätte weder Baum noch Hecking bei einem 2:1, 2:2 oder 1:2 die Ungerechtigkeit der Fußballwelt beklagt. „Die Bundesliga ist extrem eng, egal, wo du hinfährst oder gegen wen du zu Hause spielst. Die Trainer müssen im Spiel viel reagieren“, sagte Borussias Manager Max Eberl. Dem Anspruch wurde Hecking gerecht, wobei er die 90 Minuten sicherlich am liebsten im 4-3-3 durchgezogen hätte, das beim 2:0 gegen BayerLeverkusen so gut funktioniert hatte.

Zwischenzeitlich blieb Borussia gegen Augsburg 50 Minuten ohne Torschuss. Die ersten 28 Minuten davon brachten Hecking auf die Idee, zur zweiten Hälfte Alassane Plea für Raffael und Denis Zakaria für Jordan Beyer zu bringen, womit aus dem 4-3-3 ein 3-5-2 wurde. Augsburg stellte die Borussen allerdings so konsequent zu, dass Yann Sommer am Ende den Rekord für die meisten Ballaktionen eines Torwarts aufstellte. „Die Umstellung wäre uns beinahe nicht so gut bekommen, das muss ich zugeben. In der Viertelstunde nach der Pause hatte Augsburg die Möglichkeiten, den Sack zuzumachen“, sagte Hecking. „Danach sind wir aber gut zurückgekommen und haben nicht ganz unverdient den Ausgleich gemacht.“ Der wiederum fiel vier Minuten, nachdem der Trainer zum 4-3-3 zurückrotiert hatte.

Zakaria war nun Achter statt Sechser, Jonas Hofmann spielte vorne rechts und Fabian Johnson hinten links. „Rasenschach“ klingt als Metapher für Spiele wie dieses, wenn die Trainer ihre Spieler immer wieder verschieben, immer ein wenig despektierlich, Schach mit Körperkontakt und Spezialsituationen wie Eckbällen fänden die meisten Menschen jedoch mit Sicherheit interessanter. So war Augsburg gegen Gladbach am Ende ein ordentliches Fußballspiel, das zumindest nicht denen in die Karten spielte, die den Qualitätsverlust in der Bundesliga bemängeln. „Es ist schwer, irgendwelche Prognosen zu geben. In den letzten Jahren hat es sich noch einmal zusammengeschoben“, sagte Eberl. „Es gibt Qualitätsunterschiede, aber wenn alle ihr Topniveau abrufen, ist es verdammt eng.“

Den gefährlichen Szenen gingen in Augsburg meistens individuelle Fehler voraus. „Ich muss ja die Abseitslinie im Blick haben als zweiter Verteidiger, Matthias Ginter stand ein Stück weiter vorne, weil es im Prinzip ein Konter war. Deshalb muss ich so stehen“, sagte Tony Jantschke über die Halbfeldflanke, die über ihn hinweg flog und die Michael Gregoritsch zum 1:0 für Augsburg verwertete. Wenn Spieler entscheidende Szenen so akkurat sezieren, macht es auch deutlich mehr Spaß, als 80 Prozent der Zeit über den Video-Assistenten zu diskutieren. Der kam einmal zum Einsatz, um Pleas Ausgleichstreffer zu überprüfen, vor dem Ja-Cheol Koo im Strafraum zu Boden gegangen war. „Er berührt ihn ein wenig. Ob das dazu führen muss, dass er umfällt, weiß ich nicht“, sagte Baum. Der wollte viel lieber über die Dinge reden, auf die er und Hecking Einfluss hatten.