Borussia Mönchengladbach: Darum hat die Eintracht Vorbildcharakter

Gladbachs Gegner : Die Eintracht hat Vorbildcharakter für Borussia

Gladbachs Trainer Marco Rose gefällt der Spielstil der Frankfurter. Sie haben mit ihrer „Büffeligkeit“ und großer Mentalität viel erreicht in den vergangenen Jahren. Und haben für ein Schlüsselerlebnis der Borussen gesorgt.

Das Wort „intensiv“ ist in der Bundesliga ein Qualitätssiegel geworden. Es bedeutet, dass der Fußball voller Action ist, dass kein Kontrahent etwas herschenkt und alles reinwirft in ein Spiel bis zur letzten Minute. Das ist der Fußball, den Borussias Trainer Marco Rose mag, und das ist der Fußball, den der Sonntags-Gegner Eintracht Frankfurt (Anstoß 18 Uhr, Live-Ticker bei RP Online) als Prinzip für sich entdeckt hat in den vergangenen Jahren, zunächst unter Niko Kovac und nun auch unter Adi Hütter.

„Die Eintracht pflegt einen Spielstil, der mir sehr gefällt. Ich habe in der letzten Saison sehr gerne ihre Spiele verfolgt, weil immer etwas los war. Die Frankfurter zeichnet eine hohe Aktivität gegen den Ball und ein geradliniges und temporeiches Spiel nach vorne aus“, sagte Rose.

Für die Gladbacher war insbesondere die Halbfinale-Niederlage im 2017 Pokal gegen die eben diese Eintracht ein Schlüsselerlebnis. Berlin ist die große Sehnsucht der Gladbacher, und die Erfüllung schien zum Greifen nahe, platzte aber im Elfmeterschießen. Dieser Schatten schwebte fortan über dem Team von Ex-Trainer Dieter Hecking, das verlorene Halbfinale wurde zum Sinnbild für unerfüllte Träume und verpasste Chancen.

Gewissermaßen hat die Eintracht seither Vorbildcharakter für die Borussen, weil sie in den vergangenen Jahren mit der gewaltigen Mentalität, die die Spieler auf den Rasen brachten, so viel erreicht hat: 2017 und 2018 standen die Hessen im Pokalfinale, 2018 holten sie den „Pott“, also das „Blecherne“, das Borussias Sportdirektor Max Eberl so gern in Händen halten würde. Und in der vergangenen Saison stürmten die „Büffel“ mit großer Energie bis ins Halbfinale der Europa League.

Dass die Borussen, bei denen zuvor das schöne Spiel das Maß der Dinge war, durch die Zukäufe von Stefan Lainer, Breel Embolo und Marcus Thuram „büffeliger“ geworden sind, ist unbestritten. Doch geht es beim Rose-Stil eben auch um den Kopf: Das ewige und unbedingte Wollen muss dort verankert und der Leitfaden des Tuns und Handelns sein. Wenn es schön geht – bestens. Wenn nicht, dann bitte auch mal robust. Wichtig ist, nie und nimmer aufzugeben.

Just in der Europa League zeigten die Borussen, dass sie durchaus „frankfurtern“ können. In Istanbul und Rom kämpften um den jeweiligen Ausgleich und schafften ihn. Was Rose ausgesprochen gut gefiel. „Es zeigt, dass die Mannschaft bis zum Ende an sich glaubt und bereit ist, bis zur letzten Sekunde für den Erfolg zu arbeiten. Positive Erlebnisse stärken diesen Glauben natürlich – und der späte Ausgleich in Rom war dahingehend wieder ein positives Signal“, sagte er.

Rose sieht sein Team auf dem richtigen Weg, Fußball nicht mehr nur spielen, sondern bei Bedarf auch kämpfen zu wollen. Gegen die Eintracht soll der nächste Schritt gemacht und die Tabellenführung verteidigt werden. Dazu muss Borussia siegen. „Mit unseren Fans im Rücken wollen wir am Sonntag dagegenhalten und den positiven Trend der letzten Spiele bestätigen“, sagte Rose.

Dass er sich dabei auf sein Team verlassen kann, hat er in den ersten Monaten seiner Zeit als Gladbach-Trainer festgestellt. Die Führungsspieler übernehmen, wie jetzt Kapitän Lars Stindl, der am Freitag zum zweiten Mal Vater geworden ist, beim Elfmeter in Rom, Verantwortung. Aber eben nicht nur die Bosse tun das. „Wir haben viele andere Jungs, die genauso wichtig sind und ebenso vorneweg gehen. Ich wusste, dass die Mannschaft charakterlich gut ist und kann nach der Zeit, in der ich jetzt hier bin, nur bestätigen, dass es im Team stimmt und wir ein richtiger guter Haufen sind“, sagte Rose.

Das soll am Sonntag die Eintracht nicht nur erleben, sondern, das ist das Neue im Ansatz Borussias, wenn nötig auch zu spüren bekommen.