Borussia Mönchengladbach: Darum gibt es keine "Drecksäcke"

Kaum Fouls : Borussia Mönchengladbach ist ganz brav auf dem Platz

Borussia Mönchengladbach ist das fairste Team der Bundesliga. Beim 1:0 in Mainz leistete sich die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking gerade mal vier Attacken auf die Gegenspieler.

Die feine Mainzer Art war es nicht von Jean-Philippe Gbamin. Er mähte Borussias Mittelfeldmann Jonas Hofmann förmlich um. Die Gelbe Karte, die Schiedsrichter Markus Schmidt sechs Minuten vor dem Ende der Partie zückte, war noch recht gnädig angesichts der Härte des Vergehens. Hofmann jedenfalls hatte sichtlich Schmerzen.

Später fanden Borussias Ärzte per Ultraschall-Untersuchung heraus, dass es im Muskel des Mittelfeldspielers eine „Einblutung“ gegeben hat, wie Hofmann berichtete. Er hofft, dass sich die Geschichte in „zwei, drei Tagen“ wieder verflüchtigt hat und geht davon aus, dass er am Freitag gegen den SC Freiburg (20.30 Uhr, Borussia-Park) mitwirken kann. Dass er am Dienstag, wenn die Borussen um 15.30 Uhr in die Spielvorbereitung starten, womöglich erstmal im Teamtraining fehlt, ist indes nicht unwahrscheinlich.

Gbamins Atttacke war das härteste der zwölf Fouls, die sich die Mainzer erlaubten. Borussia kam nur auf vier. Verwunderlich ist das nicht, denn die Gladbacher sind das fairste Team dieser Saison. Zwar haben Borussia Dortmund (208) und der FC Bayern (227) weniger Fouls begangen als die Borussen (232), doch hat keine Mannschaft weniger Karten eingesammelt als Dieter Heckings Mannschaft. 31 sind es, eine Ampelkarte oder Rot hat sich Gladbach in dieser Saison bisher verkniffen.

Dass Härte, ob nun der viel zitierten internationalen oder aber der nationalen Art, ein wichtiger Erfolgsfaktor ist, widerlegt die Tabelle: Drei der vier Teams, die im Klassement oben stehen, liegen auch in der Fairnesstabelle vorn. Nur Leipzig, der aktuelle Dritte, fällt etwas aus dem Rahmen als 13. in der Karten-Liste.

Borussias Abwehrspieler haben ebenso viele Tore erzielt, wie sie Gelbe Karten auf dem Konto haben (je fünf insgesamt), die „harten“ Jungs sind die Männer im Mittelfeld. Wobei Denis Zakaria mit fünf Gelben Karten und einer damit verbundenen Spielsperre vorn liegt. Er rangiert mit dieser „Ausbeute“ auf Platz 43 der Liga. Die Härte ist kein ausgeprägter Wesenszug der Borussen. Weswegen sie eher als „nette Mannschaft“ gelten. Je nach Erfolgslage wird das als Kompliment oder Kritik zu verstehen sein. In Mainz wurden die Borussen foul-los glücklich.

„Es war ein Sieg, der ein bisschen dreckig war“, befand Hofmann zwar nach dem 1:0, doch „dreckig“ ist in Gladbach keineswegs ein Synonym für „unfair“ oder „überhart“. Es geht mehr um die Art des Fußballs. Der wurde mehr gekämpft als gespielt, das Tor war nicht das Resultat einer edlen Kombination, sondern Folge einer kurzen Ecken-Variante. Und es wurde schlicht sportlich dagegen gehalten gegen die robusten Mainzer. „Wir sind ja nicht für dreckige Siege bekannt, aber wir haben gezeigt, dass wir sie auch drauf haben“, sagte Hofmann.

Ein Woche zuvor nach dem Spiel gegen die Bayern (1:5) hatte er indes schon angemerkt, dass es die eine oder andere Situation gegeben habe, in der es vielleicht hilfreich gewesen wäre „mal ein Foul zu ziehen“, unter anderem vor dem 1:3. „Aber ich konnte das nicht tun, ich hatte schon Gelb“, sagte Hofmann.

Er wollte seine Ausführungen auch nicht als Aufforderung zum Foulspiel missverstanden wissen. Doch eine gesunde Härte zur rechten Zeit kann schon mal helfen. „Ich will nicht sagen, dass uns dafür die Typen fehlen, aber sie müssen sich bei uns noch herauskristallisieren“, sagte Hofmann. Gladbach kann den „Drecksack“-Faktor durchaus steigern. Man muss es ja nicht gleich so übertreiben wie zuletzt Jean-Philippe Gbamin.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mainz - Borussia: die Fohlen in der Einzelkritik

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