Borussia Mönchengladbach : Raum für Phantasien

Als das Jahr 2017 begann, musste man sich Sorgen machen um die Borussen. Sie hatten eine skurrile Hinrunde hinter sich, und es war vieles vorstellbar – sogar monatelanger Abstiegskampf. Das scheint Lichtjahre her zu sein.

Als das Jahr 2017 begann, musste man sich Sorgen machen um die Borussen. Sie hatten eine skurrile Hinrunde hinter sich, und es war vieles vorstellbar — sogar monatelanger Abstiegskampf. Das scheint Lichtjahre her zu sein.

Denn inzwischen sind die Gladbacher unter der Führung des neuen Trainers Dieter Hecking in einer anderen Welt angekommen, in einer, in der immer noch Vieles möglich scheint. Es kann immer noch eine Saison werden, an deren Ende kein Europa steht, aber auch eine mit, so krass es sich anhört, zwei Titeln.

Natürlich klingt das nach wilden Phantasien im Moment, doch die Art und Weise, wie Lars Stindl und seine Kollegen derzeit unterwegs sind, so kompromisslos, so geradeaus, so effektiv, so stabil, die lässt ganz einfach Raum dafür. Der Weg nach Berlin hat nur noch einen Zwischenstopp, und in der Europa League darf man zumindest sagen, dass die Borussen nach dem 4:2 in Florenz zum Favoritenkreis gehören.

Was die Borussen vor allem stark macht: Sie sind total fokussiert. Darum gönnen sie sich derzeit auch nicht viel mehr als ein zufriedenes Lächeln, bevor sie den Blick auf das nächste Spiel richten. Sie wissen, dass eine große Chance besteht, Geschichte zu schreiben. Und sie wissen, dass sie bereit dazu sind. Aber sie wissen auch, wie schnell Chancen vertan sind, wenn die Spannung nachlässt. Also ist das Motto: Freudensprünge gibt es später, nun gilt es nur, die nächste Hürde zu schaffen.

Fakt ist indes: Schon jetzt ist es eine besondere Saison. Die Teilnahme am Achtelfinale der Europa League ist historisch an sich, und auch das elfte Mal Pokal-Halbfinale in 117 Jahren Klubgeschichte ist kein Alltag. Nur: Wer viel hat, will auch mehr. Darum wird das Erreichte nicht zur verfrühten Zufriedenheit führen, sondern den Ehrgeiz wecken. Angst müssen die Borussen vor niemandem und nichts haben. Denn sie können auch mit Rückschlägen umgehen. Das haben sie nachgewiesen.

Am Ende des vergangenen Jahres, als viele noch Schwarz sahen für die nähere Zukunft, sagte der Schwede Oscar Wendt: "Wir können in dieser Saison etwas Besonderes schaffen." Er könnte zum Prophet werden. Der Kopf ist bereit, mal sehen, wie weit die Füße Borussia noch tragen.

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(kk)