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Borussia Mönchengladbach: Daniel Farke soll neuer Trainer werden

Neuer Trainer : Bei Borussia deutet alles auf Farke hin

Drei Wochen nach der Trennung von Adi Hütter nähert sich die Trainersuche bei Borussia Mönchengladbach dem Ziel. Nach Informationen unserer Redaktion soll Daniel Farke den Job übernehmen. Der ehemalige Premier-League-Coach passt voll ins Gladbacher Anforderungsprofil.

Die Trainersuche bei Borussia Mönchengladbach neigt sich dem Ende entgegen: Nach Informationen unserer Redaktion deutet alles darauf hin, dass Daniel Farke der Nachfolger von Adi Hütter wird. Unmittelbar nach dem letzten Bundesligaspiel vor drei Wochen hatten Borussia und Hütter die Trennung „im beiderseitigen Einvernehmen“ nach nur 318 Tagen bekanntgegeben. Die Mannschaft war erstmals seit elf Jahren nicht auf einem einstelligen Tabellenplatz gelandet.

Bis zur Mitgliederversammlung am vergangenen Montag schien Lucien Favres Rückkehr an den Niederrhein nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Doch wie Manager Roland Virkus erklärte, habe der Schweizer kurzfristig abgesagt, nach Informationen unserer Redaktion war bereits alles ausgehandelt und der Vertrag war unterschriftsreif. „Sie können sicher sein, dass wir alles dafür getan haben. Er hat uns gesagt, dass er die Raute im Herzen trägt, aber nicht wieder in Deutschland arbeiten will“, sagte Virkus.

Nun also Farke, der erstmals in der Bundesliga auftaucht, nachdem er sich vor allem als Trainer von Norwich City einen guten Ruf erarbeitet hat – als Entwickler und Freund eines ästhetischen Fußballs. Zwischen 2017 und 2021 führte der 45-Jährige die „Canaries“ zunächst in die Premier League und nach dem Abstieg direkt wieder hoch, das alles mit für englische Verhältnisse gar nicht so üppigen finanziellen Mitteln. Vergangene Saison wurde Farke ausgerechnet nach dem ersten Sieg im elften Ligaspiel entlassen.

Ein kurzes Intermezzo als Trainer von FK Krasnodar in Russland beendete er nach dem Beginn des Angriffs auf die Ukraine, bevor er überhaupt ein Pflichtspiel betreut hatte. „Mir wurde klar, dass die reizvolle sportliche Perspektive wegfallen würde. Zudem habe ich mitbekommen, dass sich meine Familie und meine Freunde in der Heimat Sorgen machten“, sagte Farke im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. „Und es wird einem auch etwas mulmig, wenn man erfährt, dass die südrussischen Flughäfen geschlossen werden. Da denkt man dann: Okay, bis hierher und nicht weiter.“

Borussia soll nach dem Favre-Rückzieher lediglich die Verhandlungen mit Farke intensiviert haben, Gespräche hatte es bereits vorher gegeben. „Wir sind immer zweigleisig, teilweise dreigleisig gefahren. Deshalb hat uns das nicht zurückgeworfen“, versicherte Virkus.

Auch Vincent Kompany war ein Kandidat, nach seinem Rückzug beim RSC Anderlecht steht er jedoch vor einem Engagement beim FC Burnley. Nun wäre Farke das erste große Projekt und die erste große Verpflichtung des Sportdirektors Virkus, der den Posten erst im Februar übernommen hat. Er nutzte die Mitgliederversammlung, um endgültig mit der RB-isierung des Klubs abzuschließen. „Wir mussten feststellen, dass das unsere DNA ist und nicht Aktivität. Aktivität gehört im modernen Fußball dazu, sollte aber niemals das dominante Merkmal sein“, sagte Virkus. „Technisch gute Fußballer, viel Ballbesitz, eine hohe Spielintelligenz – das ist Borussia Mönchengladbach.“

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Demnach müsste ihm gefallen, wie ein Norwich-Fan einst in einem ZDF-Beitrag über Farke sprach: „Daniel Farke glaubt an den richtigen Fußball. Er spielt so, wie es sich gehört. Dafür respektieren ihn die Fans: Für guten, richtigen und fairen Fußball.“ Sein Stil – ballbesitzorientiert, den Gegner zermürbend und dennoch mit dem nötigen Maß an Aggressivität – fand auf der Insel solchen Anklang, dass sich sogar Pep Guardiola als Farke-Anhänger outete. Mit dem Trainer von Manchester City pflegt Farke eine Freundschaft, doch auch der Draht zu Jürgen Klopp vom FC Liverpool sei gut, wie der gebürtige Ostwestfale gegenüber der „SZ“ erklärte.

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Überhaupt liest sich das Interview von Ende Mai wie eine Bewerbung für eine neue Aufgabe. „Ich mag es, wenn ich einen Klub auf ein höheres Niveau bringen kann. Also zum Beispiel: aus einem Mittelklasse-Verein ein Team zu formen, das in Europa spielen kann. Oder ein Europa-League-Team in ein Champions-League-Team zu verwandeln. Oder eine gute Mannschaft so zu beeinflussen, dass sie auch Titel gewinnen kann“, erklärte Farke. „Der nächste Schritt, das nächste Level und Siegermentalität in eine Mannschaft, in einen Verein tragen: Das ist es, was mich reizt.“

Sätze, die auch Borussias Führung gefallen haben dürften. Farkes Mission in Gladbach würde lauten: Er muss einen Klub nach durchaus turbulenten Jahren zurück zu sich selbst bringen, stilistisch für Klarheit auf dem Platz sorgen und die Fans wieder hinter sich versammeln.

Als Spieler war Farke nie im Profibereich unterwegs, kann in diversen, damals viertklassigen, Oberligen aber eine bemerkenswerte Quote vorweisen: Der ehemalige Mittelstürmer erzielte 123 Tore in 237 Spielen, mehr als die Hälfte für den SV Lippstadt. Bei dem Klub hatte Farke von 2009 bis 2015 seine erste Trainerstation, führte ihn bis in die Regionalliga West. Bei Borussia Dortmund II ersetzte er David Wagner, der nach Huddersfield auf die Insel wechselte. Anderthalb Jahre später ging Farke den gleichen Weg. In Kürze würde dann erstmals die Bundesliga in seiner Vita auftauchen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Daniel Farke