Kein typischer Borusse So kann Hannes Wolf dem Gladbacher Spiel guttun

Mönchengladbach · Hannes Wolf stand beim 3:2-Sieg gegen die Bayern zum zweiten Mal in Folge in Borussias Startelf. Er ist kein typischer Borusse, doch Trainer Daniel Farke stellte nun heraus, wie der Österreicher wichtig für Gladbach sein kann.

Borussia Mönchengladbach: Hannes Wolf im Porträt
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Das ist Hannes Wolf

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Foto: Dirk Päffgen

Hannes Wolf war zufrieden. Wegen des Sieges gegen den FC Bayern sowieso, aber auch mit sich selbst. Zum zweiten Mal in Folge gehörte der Österreicher zur Startelf der Borussen, das hatte es im Laufe einer Saison zuletzt vor fast genau zwei Jahren gegeben. „Ich habe mich gut gefühlt, habe alles reingeworfen, ich kann sicher einiges besser machen, aber insgesamt war es in Ordnung“, sagte Wolf.

Er machte viele Meter, die viertmeisten aller Borussen (11,23). Seine Zweikampfwerte (26 Prozent) sind ausbaufähig, auch muss er als Offensiver torgefährlicher werden. Insgesamt aber kommt Wolf mehr und mehr an im Spiel der Borussen. Auch, weil Trainer Daniel Farke einen Weg gefunden hat, seine Talente ins Borussen-Spiel zu integrieren. Denn Wolf ist kein typischer Gladbach-Spieler.

Gegen die Bayern standen in Lars Stindl und Alassane Plea zwei extrem spielstarke Herren im offensiven Zentrum, die schnellen Spieler mit Tiefgang flankierten sie: Jonas Hofmann und eben Wolf. Das Quartett rochierte viel, ganz so war es gewünscht, um die Bayern in Unruhe zu versetzen. Was das angeht, ist Wolf Experte, das hat er mit der fußballerischen Muttermilch aufgesogen als Kind des RB-Universums.

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Foto: Dirk PŠffgen/Dirk Paeffgen (dirk)

„Ich bin mit einem Fußball groß geworden, der über viel Energie kommt“, sagte Wolf in einem Interview mit „Fohlen.TV“. Energie heißt: Aktiv sein, den Gegner bearbeiten, ihn nerven, wild sein in gewisser Weise und damit unberechenbar. Aber auch: Hektik verbreiten, teilweise im eigenen Spiel, zuweilen Risiko über Präzision zu stellen. Dieser Stil sorgt dafür, dass Wolf mit seinem Spiel bei den Gladbach-Fans polarisiert. Doch kann er damit dem Borussen-Team mit so vielen gleichen Charakteren eben auch eine neue Note geben.

„Hannes gibt unserem Spiel viel Energie, die und sein Tempo haben uns gutgetan gegen die Bayern. Und er holt im Gegenpressing viele Bälle zurück“, sagte Farke. Gerade das Thema Gegenpressing ist im Gladbacher Team unterrepräsentiert, da können viele Kollegen von Wolf lernen. Gerade ein Team wie Borussia, das stark im Umschaltspiel ist (siehe die Highlightspiele gegen Leipzig, den BVB und die Bayern) kann davon profitieren.

Mehr Speed soll die künftige Borussia haben, ein Punkt, der für Wolf spricht. Zudem macht er die wichtigen Tiefenläufe, das sprach gegen die Bayern für ihn, wie Farke sagte. Wolf kann ein interessantes Projekt für den Trainer sein, gerade weil er anders ist. Und, weil er noch formbar ist.

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Foto: dpa/Carmen Jaspersen

„Hannes ist noch jung, er kann sich noch entwickeln. Er muss noch sauberer spielen und effektiver werden“, gab Farke seinem Spieler Anregungen, wo er an sich arbeiten kann. Wolf nimmt solche Ratschläge an. Auch darum ist derzeit wohl so gut drin bei Borussia wie nie zuvor. Vor einem Jahr wurde er noch an Swansea City verliehen, nun ist er in der Offensive ein Startelf-Kandidat, auch Freitag bei Mainz 05 (20.30 Uhr, Dazn).

Dann wird wohl Marcus Thuram zurückkehren als „echte Neun“, die es gegen die Bayern so nicht gab, wie Farke sagte. Stindl und Hofmann als Anführer beim Bayern-Coup dürften gesetzt sein, so könnte es sich zwischen Wolf und Plea entscheiden in der offensiven Dreierreihe hinter der Spitze. Plea hat die höhere Abschlussqualität und ist der bessere Kombinationsspieler, Wolf arbeitet konkreter zurück und kann als Gegenpressing-Spezialist wichtig sein gerade gegen die robusten Mainzer.

So oder so: Wolf gehört 2023 zu den Gewinnern bei Farke. Er hat sich von seiner Schulterverletzung erholt, hat geliefert in Form des Assists gegen Leverkusen und des Tores bei der TSG Hoffenheim. In Berlin bei seinem Startelf-Debüt war er einer der Auffälligeren, ging aber am Ende mit den Kollegen unter, nun gegen die Bayern startete er wie bei der Hertha, er war nicht fehlerfrei, trug aber mit seinem Engagement fast 90 Minuten lang zum Triumph bei. Und bekam das Lob des Trainers.

 Energiebündel: Hannes Wolf gegen die Bayern in Aktion.

Energiebündel: Hannes Wolf gegen die Bayern in Aktion.

Foto: Dirk Päffgen/Dirk Päffgen (dirk)

„Es ist einfacher, wenn man ein paar Spiele in den Knochen hat. Du bist dann besser in den Abläufen drin, fühlst dich fitter und hast mehr Selbstvertrauen“, sagte Wolf. Lange sah es so aus, als würde es einfach nicht passen mit ihm und Borussia. Nun kann man sich aber durchaus vorstellen, dass er eine gute Rolle spielt bei Farkes Zukunftsvision von Borussia. Ein gutes Beispiel für einen Spätstarter war Wolfs Flügel-Pendant gegen die Bayern: Jonas Hofmann.