„Herzensbrechender Moment“ Gladbach-Trainer Farke lobt und tadelt nach Last-Minute-Niederlage

Berlin · Daniel Farke wurde der Geburtstag vermiest, Marvin Friedrich die Rückkehr an die Alte Försterei. Beide sprachen nach der Partie über die 1:2-Niederlage, nach der sich Farke nicht scheute, seinem Team ein Kompliment auszusprechen. Er sagte aber auch, was in der 97. Minute schieflief.

Noten Borussia Mönchengladbach: Einzelkritik zum 1:2 bei Union Berlin
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Union Berlin - Borussia: die Fohlen in der Einzelkritik

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Foto: AFP/OLIVER BEHRENDT

So stellt man sich eine Rückkehr zum „Ex“ vor. Marvin Friedrich, der im Winter von Union Berlin zu Borussia gewechselt ist, bekam am Sonntag an der Alten Försterei einen schönen nachträglichen Abschied. Das offenbar bei allen Klubs übliche Bild-Präsent, einen Handschlag vom ritterlichen Maskottchen der Berliner und „Fußballgott“-Sprechchöre von den Union-Fans gab es – Friedrich war sichtlich ergriffen von der Aktion vor dem Anpfiff. Einen Geburtstagsgruß an seinen Trainer Daniel Farke, seit Sonntag 46 Jahre alt, gab es nicht von den Unionern. Doch das wäre dann auch zu viel des Guten gewesen. Dass sie in der Schlussphase noch seinen ersten Auswärtssieg und sogar einen Punkt verhinderten mit ihrem 2:1-Sieg, das verdarb dem Trainer aber gründlich den Geburtstag.

Einer von Farkes Wechseln trug zum 1:2, das sich die Gladbacher spät in der Nachspielzeit einhandelten, indirekt bei. „Ein junger Spieler, der reingekommen ist, hat sich nicht dran gehalten. Wir wollten die kurze Ecke anders verteidigen“, monierte Farke. Er meinte damit wohl Yvandro Borges Sanches, der Union bei der Ecke nicht störte. Zudem „mussten wir den kopfballstarken Ramy Bensebaini auswechseln und dann kommt der Eckball dahin, wo Ramy normalerweise steht“. Danilho Doekhi traf daher in letzter Sekunde des Spiels zum Sieg der Köpenicker und brachte sie damit zurück an die Tabellenspitze.

Für die Gladbacher war die dritte Pflichtspielniederlage in Folge und das vierte Spiel ohne Sieg hintereinander „sehr bitter“, das gab Marvin Friedrich zu, dem die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte somit verdorben wurde trotz des netten Empfangs. „Wir haben es lange gut gemacht, sind dann aber von unserer Linie abgewichen. Wir wollten Fußball spielen, haben aber jeden Ball lang geschlagen“, gab der Verteidiger zu. Union machte unbeirrt Union-Sachen und überforderte damit die Borussen in der Schlussphase.

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Foto: Dirk Päffgen/Dirk Paeffgen (dirk)

„Dass der Tabellenführer noch Druck macht, ist klar. Aber für 80 Minuten muss ich meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen, wir waren nicht weit entfernt vom Auswärtssieg“, sagte Farke. Zu Recht, denn lange kamen nur wenig effektive Halbfeldflanken von Union. Dann fiel das 1:1 nach einem Fehler Tobias Sippels, der an der Hereingabe Julian Ryersons vorbeiflog und dem eingewechselten Kevin Behrens damit das Tor ermöglichte, welches das Spiel letztlich komplett kippen ließ. „Das war nicht mal im Ansatz eine Torchance“, sagte Farke.

„Trotzdem müssen wir den Punkt irgendwie über die Zeit bringen. Wir müssen einfach mehr Ballbesitz haben“, stellte Friedrich klar. Er weiß, wie Union tickt. „Wir waren zu passiv, wir haben nicht mehr richtig versucht, die Flanken zu blocken, dabei weiß jeder, dass Union brutal stark in der Luft ist“, sagte Friedrich.

Seinem Trainer fehlte vor allem die Action nach vorn. „Wir hätten unsere Situationen im Ballbesitz besser ausspielen müssen“, sagte Farke. Allerdings war es am Ende Union, die 55 Prozent der Spielanteile hatte und acht Kilometer mehr Laufarbeit investierte. „Es war ein herzensbrechender Moment für uns, das Spiel noch zu verlieren“, gab Farke sein Seelenleben am missratenen Geburtstag preis.

 Cheftrainer Daniel Farke kassierte am Sonntagnachmittag bei Union Berlin mit Borussia die dritte Pflichtspielniederlage in Serie.

Cheftrainer Daniel Farke kassierte am Sonntagnachmittag bei Union Berlin mit Borussia die dritte Pflichtspielniederlage in Serie.

Foto: dpa/Andreas Gora

„Wenn man dreimal in Folge verliert, ist das nicht gut. Jetzt gilt es, gegen den VfB Stuttgart am Freitag drei Punkte zu holen“, forderte Friedrich. Auch sein Trainer gab sich kämpferisch. „Wir haben natürlich gerade eine Phase, die nervt. Wir müssen die Zähne zusammenbeißen und schauen, dass wir so viele Punkte wie möglich bis zur WM-Pause holen“, sagte Farke.

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