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Borussia Mönchengladbach: Cuisance als Aufwecker reicht bei Eintracht Frankfurt nicht

Raffael fehlt Gladbach : Cuisance als Aufwecker reicht Borussia nicht

Der 18-jährige Franzose ersetzt den verletzten Raffael, kann aber die 0:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt auch nicht verhindern.

Das musikalische Vorprogramm am Freitagabend in der Commerzbank-Arena war schräg. "The Cure" sang passend zum Wochentag "Friday I'm in Love", es folgte hessische Folklore, die Rodgau Monotones mit "Erbarmen, die Hesse kommen", danach trällerte der Frankfurter Polizei-Chor, schließlich gab es die Eintracht-Hymne "Schwarz-Weiß wie Schnee" der Trash-Metal-Band Tankard zu hören. Derart unrhythmisch wollten die Borussen nicht auftreten im zweiten Auswärtsspiel des Jahres - auch wenn Raffael, der "Maestro", fehlte. Der 32-Jährige hat eine Zerrung. Seinen Job übernahm der Junior im Team, Michael Cuisance.

Das war schon im Pokalspiel gegen Leverkusen so gewesen - und wie im Dezember gab es auch am Freitag eine Niederlage, diesmal 0:2. Was jedoch nicht an Cuisance lag. Vor allem in der ersten Halbzeit trafen die Borussen insgesamt nicht den richtigen Ton für den Erfolg.

Cuisance gehörte zum neu installierten Offensiv-Dreieck, das die vorderste Reihe eines systemischen Experiments von Trainer Dieter Hecking war: einem 3-4-3. Das hatten die Gladbacher in den beiden Geheim-Trainingseinheiten einstudiert, um die Eintracht zu überraschen. In der Testphase, so ist zu vermuten, war es Raffael, der mit Lars Stindl und Thorgan Hazard das Tiki-Taka-Trio bildete, doch nun fehlte der Zampano, und so rückte Cuisance von der Sechs nach vorn. Den im defensiven Mittelfeld frei gewordenen Platz besetzte Rückkehrer Christoph Kramer.

Ein Offensivdreieck wie es am Freitag in Frankfurt spielte, hatte einst Ex-Trainer André Schubert "erfunden", damals, um Thorgan Hazard mehr ins Zentrum zu ziehen. Auch jetzt spielte der Belgier ganz vorn, dort, wo er sich nach eigener Aussage am wohlsten fühlt. Gegen die robuste Eintracht sollten er, Stindl und Cuisance freie Räume erspielen mit flottem Passspiel und gut getimten Läufen. Die in diesem System vorgerückten Außenverteidiger Patrick Herrmann und Oscar Wendt sollten über die Flügel Druck machen.

Das Problem war aber: Richtig rund lief sie nicht, die neue Variante, und das lag sicher nicht an Torwart Tobias Sippel, der schon früh den angeschlagenen Yann Sommer ersetzen musste. Den Dreien ganz vorn fehlte zum einen das Futter, zum anderen war das neue Konstrukt spürbar noch nicht in allen Tonlagen abgestimmt. Und das Ernstfall-Tuning gegen die köperbetonte Eintracht fiel schon schwer. Cuisance, der zuletzt gegen Augsburg noch extrem präsent gewesen war, hatte nun einige Probleme, sich in den Zweikämpfen zu behaupten. Auch Hazard und Stindl konnten sich nicht entscheidend einbringen, ebenso kam keine Unterstützung von außen.

Die Eintracht hatte derweil die rechte Abwehrseite der Borussen als anfällig ausgemacht. Timothy Chandler nutzte das, brach durch, passte in die Mitte, und dort vollstreckte Kevin-Prince Boateng (43.), der schon im Hinspiel das Frankfurter Siegtor erzielt hatte. Zehn Spielminuten später gab Cuisance den ersten Gladbacher Torschuss ab, nach Hazards Vorarbeit. Doch Lukas Hradecky hatte keine Mühe. Kurz darauf versuchte es Cuisance mit links von der Strafraumgrenze, zielte aber zu hoch. Der Jüngste gab erste Nachweise ab, dass die Borussen nun forscher sein wollten, er war der agilste Angreifer bis dahin, Hazard und Stindl waren noch ohne Torschuss.

Cuisance versuchte, der Aufwecker zu sein, einmal begab er sich sogar ins Wortduell mit Verteidiger Simon Falette. Hazard war derweil weit standhafter in den Mann-gegen-Mann-Situationen als vor der Pause. Borussia hielt nun mehr dagegen, das Arbeitspensum des Offensivtrios belegte das. Zumal Stindl, bis dahin sehr unauffällig, dann für die größte Ausgleichschance sorgte: Er stürzte nach Boatengs Berührung bei seinem Schussversuch im Strafraum - Elfmeter. Doch Hazard, bis Freitag viermal vom Punkt erfolgreich, vergab. Auf der Gegenseite traf Luka Jovic in der dritten Minute der Nachspielzeit zum Frankfurter 2:0. Heckings neues Angriffstrio konnte die Niederlage nicht verhindern.

(kk)