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Borussia Mönchengladbach: Conor Noß ist ein besonderes Eigengewächs

Einsatz auch für Müsel : Was Conor Noß zu einem besonderen Borussia-Debütanten macht

Adi Hütter betont stets, keinem „Jugendwahn“ verfallen zu sein. Trotzdem war es ihm wichtig, in der Schlussphase gegen Fürth zwei Youngster zu belohnen: Torben Müsel durfte erstmals im Borussia-Park ran, Conor Noß debütierte als Eigengewächs aus dem Fohlenstall.

„Die Zukunft beginnt jetzt“ ist auf dem Cover des neuen Mitgliedermagazins von Borussia zu lesen. Abgebildet sind Manu Koné, Joe Scally, Luca Netz und Jordan Beyer, die alle schon ihre Spuren hinterlassen haben in dieser Saison. Am Samstag in der Schlussphase des 4:0-Erfolgs gegen Fürth lieferte Trainer Adi Hütter sozusagen die Fortsetzung der Titelgeschichte. In der 86. Minute bescherte er Torben Müsel sein zweites Bundesligaspiel, das erste zu Hause, zwei Minuten später durfte in Conor Noß das 27. Eigengewächs der Borussia-Park-Ära debütieren.

Bald wird also wieder ein Bilderrahmen gekauft, die Bohrmaschine ausgepackt und dann darf sich Noß im Kabinengang mit seinem Trikot verewigen. So ist es Tradition, der 20-Jährige setzt die Reihe fort, die mit Marcell Jansen begann und in Marko Marin, Marc-André ter Stegen, Patrick Herrmann oder Mo Dahoud zahlreiche Nationalspieler hervorbrachte. Doch jetzt geht es für Noß erst einmal darum, weiterzukommen als die Eigengewächse, die nur ein Pflichtspiel für Borussias Profis absolvierten: Florian Mayer, Marcel Benger, Ba-Muaka Simakala, Frederic Löhe, Tim Rubink, René Schnitzler.

„Es war ein guter Zeitpunkt – nicht, weil die Spieler jung sind, sondern weil sie gut trainieren“, stellte Hütter klar. Der Trainer ist kein Dogmatiker, von einem „Jugendwahn“ will er ohnehin nichts wissen. Allerdings kam gegen Fürth – das Resultat, die Personalsituation – auch einiges zusammen, um die beiden Youngster mal zu belohnen. Noß bringt gleich drei Besonderheiten mit, die seinen Werdegang wohl einzigartig machen: Erstens spielt der gebürtige Düsseldorfer für Irlands U21, zweitens durchlief er von der U9 an alle Juniorenteams bei Borussia, drittens stand er bereits zum elften Mal im Kader seit seiner Premiere im Oktober 2019 in der Europa League in Istanbul. „Überglücklich, mein Bundesliga-Debüt für diesen unglaublichen Verein gegeben zu haben“, schrieb Noß bei Instagram, garniert mit einem grünen Herz. Vor allem diese Geschichten von kleinen Jungs, kleinen Borussia-Fans, die den Sprung schaffen, sind ein Ansporn für alle, die im Fohlenstall davon träumen.

Noß ist einer von zahlreichen Spielern, die unter Hütter auch schon deutlich mitgeteilt bekommen haben, dass es so nicht geht, und die anschließend die Kurve bekommen haben. Der offensive Mittelfeldspieler enttäuschte gleich im ersten Testspiel gegen Viktoria Köln. „Da musste ich mit ihm schon sprechen, weil mir das gar nicht gefallen hat“, verriet Hütter. „Das hat er selbst aber auch so gesehen und sich das zu Herzen genommen.“ Es folgten zwei Tore in der Vorbereitung – und nun das Bundesliga-Debüt, das Noß beinahe mit einem sehenswerten Treffer gekrönt hätte. Damit wäre er in die Fußstapfen von Fabian Bäcker getreten.

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Ein Anwärter auf ein Trikot im Kabinengang war Torben Müsel ohnehin nicht. Der 22-Jährige kam bereits 2018 mit Zweitliga-Erfahrung vom 1. FC Kaiserslautern. Zwar traf er 15-mal in 43 Spielen für Borussias Regionalligateam, bei den Profis war bislang eine Minute beim Sieg in Paderborn im Juni 2020 das höchste der Gefühle gewesen. „Er war wirklich sehr lange verletzt. Als ich gekommen bin, hat es geheißen, dass wir ihn vielleicht ein, zwei Mal pro Woche langsam ins Mannschaftstraining einbauen können. Jetzt trainiert er über Wochen schon sehr gut, macht in der U23 seine Tore. Deswegen hat es mich heute gefreut“, sagte Hütter.

Die Erlebnisse vom Samstag werden sowohl für Noß als auch für Müsel ein Ansporn sein, sich weiter im Training zu empfehlen. Mit den Einwechslungen gegen Fürth hat der Trainer ein deutliches Signal gesendet, dass niemand vor verschlossenen Türen steht. „Diesen Moment haben sie sich verdient“, sagte Hütter.