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Borussia Mönchengladbach: Christoph Kramer in Weltmeister-Form - Keine Chance gegen Eigentor

Borusse in Weltmeister-Form : Kramer gelingt fast alles - nur einer spielt nicht mit

Christoph Kramer hatte nach dem 6:0-Sieg gegen Schachtjor Donezk noch etwas zu erledigen. Nach dem Abpfiff suchte er in den Katakomben des Olympiastadions den Weg in die Schiedsrichterkabine. Sein Schuss? Ein Eigentor? Das durfte nicht sein.

„Ich bin mir sicher, dass ich das noch für mich gezogen habe, weil der Ball natürlich auch so reingeht, das hat jeder gesehen“, sagte Kramer am Dienstagabend in Kiew mit einem Grinsen im Gesicht, als er sich an seinen Schuss erinnerte. „Ich war so stolz, dass mein Name auf der Anzeigetafel stand und so traurig, als der geändert wurde“, sagte Kramer weiter.

Laut Kramer wollte sich der niederländische Schiedsrichter Serdar Gözübüyük die Szene nach Kramers Anregung aber noch mal in Ruhe anschauen – doch das änderte offenbar nichts daran, dass das Tor offiziell als Eigentor von Bondar in die Geschichte des höchsten Champions-League-Sieges der Borussia eingeht. Bondar und nicht Kramer, so wertete die Uefa den Treffer in der 17. Spielminute zum 2:0-Zwischenstand.

Ärgerlich für Kramer, der so weiterhin auf seinen ersten Treffer in der Königsklasse warten muss. Zumal es auch schon Tore gegeben hat, die in ähnlichen Situationen demjenigen zugeschrieben worden sind, der aufs Tor geschossen hat - auch wenn die Fußspitze des ukrainischen Verteidigers Valery Bondar dem Ball wohl die entscheidende Richtung verpasst hatte.

Dass Kramer sich nun nicht offiziell in die Torschützenliste eintragen konnte, schmälert seine starke Leistung gegen Donezk nicht. Da knüpfte er nahtlos an seine guten Auftritte in Mailand (2:2) und gegen Real Madrid (2:2), als er sich mit einem beherzten Dribbling bis in den Strafraum pirschte und das im Anschluss selbst mit einem verdutzten Lächeln quittierte, an. Zum wiederholten Male präsentierte sich Kramer in Weltmeister-Form.

Dank ihm können die Borussen den Ausfall von Denis Zakaria (Knorpelschaden) seit Monaten auffangen. Er gibt den Gladbachern Stabilität, rennt in Dauerschleife Lücken zu, zeigt sich spielschlau im Pressing und leitet mittlerweile auch fast permanent den Aufbau von hinten heraus, indem er sich zwischen die beiden Innenverteidiger fallen lässt. Was Kramer seiner Mannschaft seit jeher gibt: seine Laufstärke. Kein Gladbacher ist in den bisherigen drei Partien in der Königsklasse mehr gelaufen als Kramer (36,9 Kilometer).

Kramer strotzt mittlerweile wieder vor Selbstvertrauen, das erkennt man an seiner entschlossenen Körpersprache, die zeigt: „Spielt mir ruhig den Ball zu, ich weiß schon etwas damit anzufangen.“ In der Rückrunde der vergangenen Saison musste er lange warten, bis Cheftrainer Marco Rose ihn regelmäßig in die Startelf beorderte. Viermal hatte er vom 18. bis zum 30. Spieltag begonnen.

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Seit Mitte Juni bildet er gemeinsam mit Kumpel Florian Neuhaus das Duo vor der Abwehr und ist da gerade nicht mehr wegzudenken. Seine Form sollte Kramer nun auch noch mit in das letzte Spiel vor der Länderspielpause bei Bayer 04 Leverkusen am Sonntag (18 Uhr/Sky) nehmen - und diese am besten auch für die Englischen Wochen, die danach anstehen, konservieren.