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Borussia Mönchengladbach: Chaos mit Ansage

Borussia Mönchengladbach : Chaos mit Ansage

Die Deutsche Fußball Liga hat darauf bestanden, das Derby zwischen Gladbach und Köln an Karneval auszutragen - auf Kosten der Sicherheit. Der FC ist um Schadenbegrenzung bemüht und fahndet öffentlich nach den Tätern.

Stephan Schippers ist am Tag danach mit sich und seinem Verein zufrieden. Sportlich sowieso nach dem 1:0-Erfolg im rheinischen Derby gegen den 1. FC Köln. Aber auch in Sachen Sicherheitskonzept sieht er seinen Klub gut aufgestellt. Er kann "im Moment nicht erkennen, dass wesentliche Fehler passiert sind". Diese Erkenntnis überrascht schon ein wenig, angesichts der Bilder vom Risiko-Bundesligaspiel. Etwa 30 vermummte Chaoten waren unmittelbar nach Spielende aus dem Kölner Block auf den Rasen gestürmt. Ein Ordner wurde dabei von einem Hooligan mit einem Tritt zu Boden gestreckt, vier weitere und ein Polizist erlitten leichte Verletzungen, als sie mit Reizgas attackiert wurden. Zwei Kriminelle konnten festgenommen werden. Schippers sagt: "Wir werden das Geschehen sorgfältig auswerten und unsere Schlüsse daraus ziehen."

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht das offensichtlich anders und hat Ermittlungen gegen Borussia wegen eines nicht ausreichenden Sicherheitsdienstes eingeleitet. Es droht eine hohe Geldstrafe. Der Effzeh muss mit einem so genannten Geisterspiel rechnen, also einer Heimpartie unter Ausschluss der Zuschauer. Eine andere Möglichkeit der Bestrafung: Die Kölner dürfen für mehrere Termine nur einen Teil der Plätze füllen.

Die Verantwortlichen sind darum bemüht, sich möglichst deutlich von den schwarzen Schafen in den eigenen Reihen zu distanzieren - um das zu erwartende Strafmaß erträglich zu halten. Dazu ruft der Verein zu einer öffentlichen Fahndung auf und zeigt Fotos der mutmaßlichen Kriminellen im Block auf der FC-Homepage. "Der 1. FC Köln wird Personen, die gegen Stadion-ordnungen, die Regeln des Fairplay oder gar Gesetze vorsätzlich massiv verstoßen, nicht verteidigen", heißt in einer Erklärung. "Sie machen unseren Einsatz für eine lebendige Fankultur zunichte. (...) Diese Personen gehören nicht in unsere Kurven. Und wir fordern alle Fans auf, den 1. FC Köln in dieser Haltung zu unterstützen. Wer wegsieht und solche Leute deckt, lebt eine falsche Solidarität und schadet dem Klub. Deshalb veröffentlichen wir diese Bilder."

Das NRW-Innenministerium ist bereits zu einem ersten Ergebnis gekommen und greift damit Gladbach an: Es habe "offenbar Mängel" beim Ordnungsdienst gegeben. Und auch Arnold Plickert, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagt: "Alleine der massive Pyro-Einsatz im Block der Kölner zeigt doch, dass da beim Einlass nicht gründlich genug kontrolliert worden ist. Der Ordnungsdienst war bei dem Platzsturm der Kölner Chaoten komplett überfordert. Für solche Szenarien sind diese Kräfte aber auch nicht ausgestattet, da waren organisierte Kriminelle am Werk. Solche Leute in den Griff zu bekommen, ist Aufgabe der Polizei - und die hat eingegriffen, als es nötig war ."

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Borussia Mönchengladbach organisiert den Sicherheitsdienst, anders als andere Konkurrenten, in Eigenregie. "Wir sind überzeugt von unserem Konzept. Das sind alles erfahrene Leute, deren Herz am Verein hängt. Unsere eigenen Fans kennen sie. Das wirkt oft deeskalierend", sagt Schippers. "Wenn die von den Ordnern angesprochen werden, hat das eine ganz andere Wirkung, als wenn das welche von Fremdfirmen tun. An diesem Prinzip werden wir festhalten."

Tatsächlich wird wohl auch darüber noch zu reden sein, ob die Einsatzhundertschaft nicht schon etwas früher hätte eingreifen müssen. Die derzeitige Strategie des Innenministeriums sieht indes vor, in derlei Fällen sich zunächst möglichst passiv zu verhalten. Eine Taktik, die in diesem Fall nicht aufgegangen ist und den Hooligans eine große Bühne ermöglichte. 1400 Polizisten waren im Einsatz, außerhalb des Stadion kam es nicht zu schwerwiegenden Ausschreitungen.

Den größten in einer Kette von Fehlern hatte die Deutsche Fußball Liga (DFL) begangen, als sie auf die Ansetzung an Karneval bestand. Wiederholt hatte es Gespräche zwischen Vereinen, Polizei und Verband gegeben. Wiederholt wurden Bedenken geäußert, die DFL bestand aber auf dem Termin - und hat damit fahrlässig auf Sicherheit verzichtet. Der Polizei war es im jecken Treiben nicht möglich, verkleidete Unruhestifter frühzeitig aus dem Verkehr zu ziehen - anders als außerhalb der fünften Jahreszeit.

"An einem normalen Spieltag hätte man diese Gruppierung verkleidet nicht ins Stadion gelassen. Zu Karneval war dies schwer möglich. Sie haben argumentiert, sie hätten sich als Maler verkleidet. Andere Fans seien schließlich auch verkleidet da", sagt der Mönchengladbacher Polizeisprecher Willy Theveßen. "Die haben die Situation, dass dieses Spiel an Karneval war, ausgenutzt. Vermummt haben sie sich am Ende später im Stadion mit Schals und Mützen. Die konnte man ihnen auch nicht abnehmen."

300 bis 400 in weißen Overalls bekleidete Chaoten waren aus Köln über Kerpen und Aachen angereist, wohl um einer intensiveren "Betreuung" durch die Polizei zu entgehen. "Die Bundespolizei hat sie die ganze Zeit begleitet", erzählt Theveßen. Vor dem Stadion hatte es bei den Kontrollen erste Scharmützel gegeben. Möglicherweise hat das dazu geführt, dass nicht mehr allzu intensiv weiterkontrolliert wurde.

(RP)