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Borussia Mönchengladbach: Breel Embolo wird unverhofft zum Derby-Helden

Borussias Derbyheld gegen Köln : Embolo ist wieder ein Chancennutzer

Der Schweizer Breel Embolo geht als erster Geisterspiel-Torschütze in die Geschichte ein. Für Borussias Stürmer war es ein gutes Comeback, er traf erstmals seit dem 15. Dezember 2019.

Der Mann, der als erster Torschütze eines Bundesliga-Geisterspiels in die Geschichte eingeht, war mit sich und diesem seltsamen Abend zufrieden. „Was hängen bleibt, ist unser Sieg in einer speziellen Stimmung“, sagte Breel Embolo, der beim 2:1-Sieg im Fan-losen Derby gegen den 1. FC Köln das 1:0 selbst erzielte und das 2:0 vorbereitete.

Dass Embolo erstmals seit dem Rückrundenauftakt auf Schalke (0:2) zur Startelf gehörte, war nicht unbedingt ein logischer Schachzug von Trainer Marco Rose. Denn sonderlich gut performt hatte Embolo in 2020 noch nicht. Rose aber hat längst gezeigt, dass er ein Querdenker in Sachen Aufstellung ist und auch ein Gespür für den richtigen Moment hat. „Breel hat eine Chance bekommen, mit der er so vielleicht gar nicht gerechnet hat. Die vergangenen Wochen waren schwer für ihn“, sagte Rose. Und erklärte die Entscheidung für den Stürmer, der zuletzt am 15. Dezember 2019 beim 1:2 in Wolfsburg getroffen hatte: „Wir haben im Trainerteam gesagt, dass wir erstens Frische wollten und zweitens der Breite im Kader, von der wir immer sprechen, gerecht werden wollten. Deswegen ist die Entscheidung auf Breel gefallen.“ Er stellte Embolo als Dampfmacher auf die Zehn hinter seine drei Spitzen.

Es war die richtige Entscheidung. „Breel hat ein gutes Spiel gemacht“, sagte Rose. „Das erwarte ich aber auch“, fügte er nachdrücklich hinzu. Was zeigt: Der Trainer war zuletzt nicht einverstanden mit dem, was Embolo als Einwechselspieler abgeliefert hatte. Der Druck, mal wieder zu liefern, war da für den 23-Jährigen. Er konnte damit umgehen und befreite sich selbst aus dem Gefängnis der Erfolgslosigkeit. Wie sehr ihm die Kollegen das wichtige Comeback als Torschütze gönnten, zeigte der Jubel beim 2:0, als alle auf den Assistenten des Eigentor-Machers Jorge Meré zurannten und ihn heftig herzten.

Nachdem Embolo in Augsburg und Dortmund bei seinen Großchancen die nötige Konsequenz hatte vermissen lassen, half eine Gesprächstherapie mit dem Offensiv-Coach Alexander Zickler. „Ich habe viel mit Zicko geredet“, berichtete Embolo. „Er hat mir gesagt: Als Stürmer musst du schnell schießen.“ Ex-Stürmer Zickler kennt die einfache Logik des erfolgreichen Torschusses genau. Und jetzt auch Embolo wieder: „Du darfst nicht groß nachdenken, sondern musst einfach schießen. Wenn du nicht schießt, kannst du auch keine Tore machen.“

Er tat das mit einem feinen Schlenzer. Beim Abschluss berücksichtigte Embolo eine weitere Stürmer-Regel: „Man sagt immer, man soll den Ball in die Richtung schießen, aus der er gekommen ist“, also gegen die Laufrichtung des Gegners. „Es war ein Instinkttor“, schloss Embolo die Analyse seines siebten Saisontreffers, den er mit dem vierten Assist garnierte, ab. Heißt: Sein Torinstinkt ist wieder da. Und somit der ganze Embolo. Was aber nicht bedeutet, dass er am Sonntag, wenn das nächste Geisterspiel in Frankfurt ansteht, wieder spielt. „Ich habe die Qual der Wahl“, sagte Rose.

Der Trainer fand indes nicht nur Embolos Leistung gut, sondern hatte auch Spaß am Torjubel, von dem er nicht wusste, ob es ein ironischer Kommentar der Geisterspiel-Situation oder einfach ein Reflex war. „Er hat so gemacht“, sagte Rose und hielt die Hände hinter die Ohren. „Entweder hat Breel einen guten Schmäh oder der Jubel ist so drin, dass er einfach so kommt“, sagte Rose sichtlich amüsiert. Von der Tribüne kam nichts, aber es gab die typische Tor-Musik. Und die hören Gladbacher Stürmer immer noch am liebsten. Den Jubel der Fans wird sich Embolo dazu gedacht haben.

Embolo wollte aber den Derbyheld-Status nicht für sich allein beanspruchen, er definierte den 15. Sieg der Saison als Teamwork in einer außergewöhnlichen Situation. „Wir wussten alle, worum es geht. Jeder hat den anderen gepusht und angefeuert. Wir haben als Mannschaft gezeigt, dass wir ein gemeinsames Ziel haben und dass jeder verstanden hat, worum es geht. Außerdem wollten wir für unsere Fans gewinnen, die nicht dabei sein konnten. Das haben wir getan“, beschrieb Embolo den speziellen Geist des Geisterspiels, der die Gladbacher antrieb. Und vor allem auch ihn selbst. Zuletzt war er unvollendet, dieses Mal war alles rund für Embolo. So schnell geht es im Fußball. Nebenbei ist er nun ein namhafter Teil deutscher Fußballgeschichte: Embolo ist der Held des stillsten aller Derbys.