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Borussia Mönchengladbach: Berti Vogts stellt Weisweiler-Biografie vor

Borussia Mönchengladbach : Berti Vogts stellt Weisweiler-Biografie vor

Es gibt wenige Persönlichkeiten, über die es so viele Anekdoten gibt wie über Hennes Weisweiler. Berti Vogts kennt sie alle, denn er war sein Musterschüler. In einer launigen Lesung präsentierte er ein neues Werk über den legendären Trainer.

Die Location für den Ortstermin war gut gewählt. Im "Alt Eicken" ist Hennes Weisweiler immer da. Es hängen Bilder von Borussen-Teams der Vergangenheit an der Wand, und da ist der Trainer, der die Fohlenelf erfand, natürlich dabei. Wie all die anderen Ikonen der guten alten Zeit des Klubs.

Die lebte nun wieder auf während einer launigen Lesung mit einem, der ein Musterschüler Weisweilers war: Berti Vogts stellte eine jüngst im Werkstatt-Verlag erschienene Biografie über den Mann vor, der für ihn "wie ein zweiter Vater" war. Hermann Josef Weskamp, der das Buch mit Klaus Röttgen verfasst hat, war auch da. Beide Autoren kannten Weisweiler gut und haben ihn in ihrem Werk gut beschrieben. Das sagt auch Gisela Weisweiler, die Witwe des Meistertrainers.

"Es war der Wunsch von Frau Weisweiler, dass die Erinnerung an ihren Mann in einem schönen Buch festgehalten wird", sagte Weskamp. "Es gibt wenige Persönlichkeiten im Sport, über die es so viele Anekdoten gibt wie über Weisweiler.

Und er hat ja auch ordentlich dazu beigetragen", sagte Weskamp. Berti Vogts unterstrich diese These, und der frühere Bundestrainer war in bester Erzähllaune. Wenn Vogts, mit 419 Bundesligaspielen Borussias Rekordspieler, über den Klub spricht, bei dem er als "Terrier" zum Weltklassespieler wurde, sagt er "Wir".

Und wenn er über Weisweiler redet, spürt man in jeder Silbe den Respekt und die Dankbarkeit, die Vogts seinem Mentor gegenüber nach wie vor hat. "Er war, wie man sich einen Vater vorstellt, er war immer da", sagte Vogts, der mit zwölf Jahren Waise wurde. Als Trainer sei Weisweiler seiner Zeit stets voraus gewesen. "Wir hatten einen Koordinationstrainer, bevor die anderen wussten, dass es so etwas gibt. Er hat auch immer auf andere Sportarten geschaut und etwas daraus gesogen", berichtete Vogts.

Dass Weisweiler als Spieler ein "Klopper" war, als Trainer aber feinen Offensivfußball zelebrieren ließ, sei, so Vogts, "normal": "Er wollte das spielen lassen, was er selbst nicht konnte", sagte Vogts und grinste. Auch er selbst war ein Kämpfertyp, "als Trainer habe ich meine Mannschaften aber eher offensiv spielen lassen".

Unterhaltsam war für die Zuhörer vor allem das, was Berti Vogts über Hennes Weisweiler und Günter Netzer erzählte. Die Hassliebe zwischen dem Trainer und seinem größten Star ist legendär und gipfelte im DFB-Pokalfinale 1973, als Weisweiler Netzer draußen ließ, dieser sich dann selbst einwechselte und das Siegtor erzielte. "Gerade in den Phasen, in denen die beiden nicht miteinander gesprochen haben, haben wir kein Spiel verloren, die Reibung der beiden war wichtig für das Team", sagte Vogts.

Was die aktuelle Borussia angeht, ist Vogts zufrieden. "Die Mannschaft hat bisher eine tolle Saison gespielt, sie wurde gut verstärkt. Ich würde mir wünschen, dass wir Dritter oder Vierter werden", sagte Vogts.

Auch ein Cramer war ein Thema an diesem Abend. Indes nicht Christoph Kramer, dem Vogts gerade in einem Interview mit dieser Zeitung die Leviten gelesen hat, sondern Dettmar Cramer. Der war einst Trainer beim DFB und riet dem blutjungen Vogts: "Geh zu Weisweiler und Borussia." Vogts tat es. Der Rest ist Geschichte. Deren Hauch wehte nun durch das "Alt Eicken".

(RP)