Borussia Mönchengladbach: Bensebaini der heimliche Held gegen Freiburg

Assist, Hacken-Rettung, Kung-Fu-Aktion : Bensebaini war Borussias heimlicher Held gegen Freiburg

Ramy Bensebaini kommt bei Borussia immer besser in Fahrt. Gegen Freiburg hatte er viele bemerkenswerte Aktionen, einige waren spektakulär, einige sogar spielentscheidend. Marco Rose schwärmt vom Algerier.

Es war ein schwerer Entschluss für Borussia, im Sommer Michael Cuisance an den FC Bayern München abzugeben. Der enorm talentierte Franzose sollte in Gladbach wachsen, der Klub versuchte mehrfach, ihn ebenfalls davon zu überzeugen, dass der Niederrhein für ihn die beste Region zum wachsen sei. Weil Cuisance dennoch übertriebene Anforderungen hatte, ließ Borussia ihn ziehen. Etwa zehn Millionen Euro gab es vom Rekordmeister, Geld, das sofort reinvestiert wurde – in einen Spieler, der jetzt viel Freude macht: Ramy Bensebaini konnte mit dem Cuisance-Verkauf finanziert werden, für acht Millionen Euro kam er von Stade Rennes nach Gladbach.

Der Algerier tat sich zu Beginn ein wenig schwer in seiner neuen Heimat, er fiel auch durch einige unschöne Angewohnheiten auf. Doch mittlerweile ist er komplett angekommen, bei seinen Einsätzen überzeugt er, am Donnerstag beim Wolfsberger AC half der Linksverteidiger sogar in der Abwehrmitte aus und machte seinen Job sehr gut.

Beim 4:2-Sieg gegen den SC Freiburg durfte Bensebaini wieder auf seiner Paradeposition ran. Und er brachte sogleich eine Stärke ein, die so gar nichts mit einer spieltaktischen Rolle zu tun hat. Nach einer Freistoßflanke von Laszlo Bénes kam er im gegnerischen Strafraum zum Kopfball. Gegen Bremen (3:1) endete der gleiche Ablauf im Tor, diesmal wehrte SCF-Keeper Mark Flekken den Ball ab, jedoch vor die Füße von Marcus Thuram, der zum 1:0 abstaubte. Bensebaini war dadurch diesmal zwar nicht Torschütze, aber der Vorbereiter des Treffers.

Es war nicht die einzige wichtige Aktion des 26-Jährigen. Als Freiburg das 3:3 auf dem Fuß hatte, rettete Bensebaini mit der Hacke auf der Linie. Er glänzte dort als Torverhinderer, die Gelegenheit, auch als Torschütze in Erscheinung zu treten, vermieste ihm Breel Embolo, der sich durchsetzte, als Bensebaini den Elfmeter, den sein Kollege dann an den Pfosten schoss, übernehmen wollte.

Dennoch ist der Algerier drauf und dran, auch bei den Fans eine noch gewichtigere Rolle zu spielen. Die Hacken-Rettung hat viele erfreut, auch eine Kung-Fu-Abwehr brachte Extra-Applaus, ebenso als er den Ball im Liegen mit der Ferse aus der Luft nahm. Bensebaini macht Borussia Spaß – auch seinem Trainer. „Ein sehr gutes Spiel von Ramy“, befand Marco Rose. „Man sieht sein nordafrikanisches Temperament, seine Spielfreude und dass er ein richtig guter Fußballer ist. Er ist ein cooler Typ, der aber auch bereit ist, richtig hart zu arbeiten. Was willst du mehr als Trainer?“

Das einzige, was Rose mehr wollen dürfte, ist, dass Bensebaini sein „nordafrikanisches Temperament“ in einigen Momenten noch etwas zügelt. Gegen Bremen sah er nur wenige Momente vor dem Schlusspfiff, als die Partie bereits entschieden war, die Gelb-Rote-Karte, als er übermotiviert seinen Gegenspieler umgrätschte. Auch Bensebaini wusste, dass er sich in diesem Moment alles andere als korrekt verhalten hatte, und entschuldigte sich hinterher für seine Aktion sogar in den sozialen Netzwerken.

Bensebaini weiß, dass er noch einiges zu lernen hat. Er ist aber auf einem richtig guten Weg. Nicht nur, um eine feste Größe zu werden, sondern das Erbe zu übernehmen, das sein derzeitiger Kontrahent auf der linken Abwehrseite, Oscar Wendt, hinterlassen wird. Auf Dauer wird der 34-Jährige nicht mehr so viele Spiele machen wie in der Vergangenheit, und auch noch in dieser Saison. Vielleicht wird er sogar in der nächsten Spielzeit gar nicht mehr in Gladbach sein, der Vertrag des Schweden läuft am Saisonende aus. Doch auch dem Zweikampf mit Wendt, der beide Spieler beflügelt, hat Bensebaini zu verdanken, dass er bei Borussia obenauf ist.

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