Borussia Mönchengladbach: Bennetts und Villalba wollen sich bei Marco Rose durchsetzen

Junge Offensivmänner im Fokus : Bennetts und Villalba hoffen auf Rose

Die 20-jährigen Offensivspieler haben bisher noch nicht ihren Rhythmus bei Borussia gefunden. Doch sie haben Talente, die für den neuen Trainer der Gladbacher interessant sein können. Schaffen sie dann den Durchbruch?

Keanan Bennetts ist noch da. Als einziger Engländer. Denn Mandela Egbo, sein Landsmann, hat gerade bis 2022 beim Zweitligisten Darmstadt 98 unterschrieben. Ebenso lange ist der Vertrag von Bennetts bei Borussia datiert. Bennetts ist der dritte Engländer in Gladbach, Egbo war 2015 der erste. Zwischendurch gab es noch Reece Oxford. Richtig Spuren hinterlassen hat keiner der drei. Bennetts indes will den Trend nun ändern. Der neue Trainer Marco Rose ist die Hoffnung des Kraftpakets, das 2018 von Tottenham Hotspur nach Gladbach kam.

Bennetts ist mit den Borussen auf China-Tour. Am Mittwoch beim Testspiel gegen den Super-League-Klub Guangzhou T&F (Anstoß 20 Uhr Ortszeit, 14 Uhr MESZ live bei Fohlen.TV) wird der 20-Jährige seine Einsatzminuten bekommen. Es ist nicht die große Bundesliga-Bühne, aber eine Bühne der Zukunft für Borussia: China als Markt soll erschlossen werden. Bennetts ist eines der Gesichter, die den Bundesligisten nun dort repräsentieren. Die chinesischen Fans sind gut informiert, sie kennen jeden Gladbacher, auch ihn, obwohl er noch nicht in der Bundesliga gespielt hat.

Bennetts kam durchaus mit einer anderen Intention nach Deutschland, doch er verletzte sich als die Saison begann und war dann erst mal weit weg vom Team. Auch nach der Winterpause war er angeschlagen. So kam er nie richtig in den Rhythmus. Er spielte in der U23, 22-mal, schoss ein Tor und legte zwei auf. „Er hatte einen schwierigen Beginn bei uns, hat sich in den letzten Monaten aber klar gesteigert“, sagt Borussias U23-Trainer Arie van Lent. Im Training „oben“ war Bennetts oft besser als dann in den Regionalligaspielen.

Keanan Bennetts im Testpiel beim Wiener SC. Foto: Christian Verheyen/Christian Verheyen (chv)

In diesen hätte Julio Villalba, der Stürmer aus Paraguay, sehr gern mitgemacht. Doch er darf nicht, weil er aus einem der Länder kommt, deren Spieler nicht in einer U23 eingesetzt werden dürfen. Seit 2017 ist der sprunggewaltige Stürmer in Gladbach und muss fast ausschließlich mit Testspielen und Training auskommen. Nur einmal kam Villalba bisher in der Bundesliga zum Einsatz: Sechs Minuten lang beim 0:1 in Frankfurt in der Saison 2017/18. Zudem war er immer wieder und öfter schwer verletzt in seiner Gladbach-Zeit. „Darum ist es immer schwer für ihn, überhaupt in einen Rhythmus zu kommen“, sagt van Lent.

Der war früher selbst Mittelstürmer und, wie Villaba, Kopfball-Experte. Vor allem letzteres Talent wäre etwas, das im Gladbacher Bundesliga-Team durchaus ein neues Gimmick wäre. Ganze fünf Kopfballtreffer gab es in der Saison 2018/19, so viele wie beim Absteiger Nürnberg, nur Leipzig und Schalke trafen seltener auf diese Art (je vier). Das liegt einerseits am Ansatz der Borussen, die mehr kombinieren als flanken, andererseits aber auch daran, dass der Strafraum nicht immer konsequent besetzt ist. Dafür wäre Villalba prädestiniert. „Er ist einer, der hingeht, wo es auch mal wehtut“, weiß van Lent. In China ist Villalba nicht dabei, er ist angeschlagen und daher in Gladbach geblieben.

Sein Vertrag ist bis 2020 datiert. Denkbar ist, dass es in diesem Sommer zur Trennung kommt, wenn Borussia eine Ablöse erzielen will für den jungen Mann oder er lieber eine neue Perspektive haben will. Auch eine Verlängerung mit anschließender Leihe wäre eine Option. Oder Borussia sieht in dem 20-Jährigen, der im vergangenen Jahr richtig gut Deutsch gelernt hat, eine konkrete Alternative für die neue Saison. Dann ist Marco Rose Villalbas Hoffnung. Immerhin gibt es in der nächsten Saison dank der Teilnahme an der Europa League mehr Spiele und somit mehr Bedarf an einem breiten Kader und hungrigen jungen Kerlen. Auch für Bennetts wird es trotz seiner längeren Vertragslaufzeit wie für Villalba ein Jahr, in dem es vorangehen soll und muss.

Beide haben eine gute körperliche Präsenz, beide sind laufstark und robust. Bennetts hat mehr Speed, Villalba ist einer, der sehr über die Mentalität kommt. All das sind Eigenschaften, die für Rose interessant sein könnten, wenn sie ausentwickelt sind. Nun müssen Bennetts und Villalba Rose zeigen, dass sie bereit sind für den Durchbruch in der Bundesliga. Wenn es so ist, bleibt so eine Szene vielleicht keine Utopie: Bennets kommt flott über links, schaut, flankt, und in der Mitte steigt Villalba hoch und rammt den Ball mit dem Kopf ins Tor.

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